Halterner Schweinemastbetriebe von Schlachthof-Schließung betroffen

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Die Schließung von Schlachthöfen wegen Corona-Infektionen haben auch Auswirkungen auf Halterner Mastbetriebe - unter anderem auch auf den von Ludger Winkelkotte.

Haltern

, 21.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heute Tönnies, gestern Westfleisch: Mehrfach traten inzwischen größere Infektionswellen mit dem Coronavirus in Schlachthöfen auf. Werden die Schlachthöfe geschlossen, hat das unmittelbar Auswirkungen auf die Schweinemastbetriebe, auch in Haltern.

Landwirt Ludger Winkelkotte, zugleich Vorsitzender des landwirtschaftlichen Lokalverbandes in Haltern, betreibt einen solchen Mastbetrieb mit rund 1300 Schweinen in Holtwick. Seine Schweine liefert er zum Schlachthof von Westfleisch entweder in Oer-Erkenschwick oder in Coesfeld.

Welche Auswirkungen hatten die dortigen Infektionen von Mitarbeitern auf seinen Betrieb? „Wir haben Glück gehabt“, sagt Winkelkotte. „Wenn ein Schlachthof schließt, kann man seine Ware dorthin nicht mehr liefern. Gleichzeitig hat man neue Ferkel bestellt, die geliefert werden. Das kann zu Problemen führen. Wir hatten allerdings kurz vor der Schließung noch eine Lieferung verkauft und deshalb genug Platz, das war aber nur glücklicher Zufall“, so Winkelkotte.

„Mehrere Wochen Ausfall lassen sich nicht kompensieren“

Insgesamt gibt es in Haltern 40 Betriebe, die sich mit Schweinehaltung beschäftigen. Diese Zahl nennt Günter Hessing, der Geschäftsführer der Raiffeisen-Warengenossenschaft in Haltern. „Kurzfristige Ausfälle eines Schlachthofes kann man sicher auffangen, indem die Tiere zu anderen Schlachthöfen gefahren werden“, sagt er. „Im Fall Tönnies muss man aber berücksichtigen, dass der Betrieb deutlich über 15 Prozent der gesamten deutschen Schlachtmenge verarbeitet. Ein Ausfall über mehrere Wochen ließe sich dort nicht so ohne Weiteres kompensieren.“

Ludger Winkelkotte übernimmt die Ferkel, die wenige Monate alt sind, von Landwirten, die sich auf Sauenhaltung spezialisiert haben. „Diese Arbeitsteilung ist wirtschaftlicher“, sagt Winkelkotte. Dann werden sie in seinem Betrieb etwa 120 Tage gemästet, bis sie ein Idealgewicht erreicht haben, für das es im Schlachthof die besten Preise gibt.

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100 bis 150 Schweine verkauft Winkelkotte etwa alle 10 bis 14 Tage. „Danach wird der Stall gereinigt und desinfiziert, bis die neuen Ferkel geliefert werden“, sagt er. Von der Sauenhaltung über die Mast bis zur Schlachtung: Die einzelnen Arbeitsschritte greifen wie Zahnräder in einander. Wenn eins sich nicht mehr dreht, wird das gesamte System gestört.

„Westfleisch hat allerdings sehr schnell reagiert“, sagt Ludger Winkelkotte. „Die angelieferten Schweine wurden zu anderen Schlachthöfen umgeleitet, etwa im Rheinland oder in Niedersachsen. Es mussten auch keine Schweine getötet werden, deren Fleisch dann nicht mehr verwendet worden wäre. Das ist in Deutschland bisher noch nicht passiert, in den USA war es aber schon notwendig.“

Die längeren Transportwege waren allerdings eine Belastung für die Spediteure - und auch für die Tiere, die längere Fahrzeiten in Kauf nehmen mussten. In Folge der Schlachthofschließungen sanken außerdem die Schweinepreise. Bei Westfleisch läuft die Produktion inzwischen aber wieder.

Bessere Arbeitsbedingungen

Ludger Winkelkotte hofft, dass sich die Produktionsbedingungen verbessern werden. „Für den Job im Schlachthof finden sich nicht genügend heimische Mitarbeiter. Aber auch für die Kräfte aus dem Ausland sollten bessere Arbeitsbedingungen und feste Verträge gelten“, findet er.

„Außerdem sollte nach den genauen Ursachen geforscht werden“, so Günter Hessing. „Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die sicher noch nicht alle untersucht worden sind.“ Er bedauert, dass durch diese Infektionen auch die Landwirtschaft in negative Schlagzeilen gerät. „Dabei haben die Landwirte mit dieser Problematik gar nichts zu tun“.

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