Impfstoff ist reichlich da, aber die Halterner sind mit Terminbuchungen sehr zurückhaltend geworden. © Daniel Winkelkotte (A)
Impfung in Arztpraxen

Halterner sind impfmüde – es droht die nächste Welle im Herbst

Das Interesse an Erstimpfungen hat so stark nachgelassen, dass in den Halterner Arztpraxen dafür kaum noch Termine gebucht werden. Ladenhüter ist Astrazeneca. Geht der Impfstoff nun nach Indien?

Wurden die Arztpraxen wegen gewünschter Impftermine wochenlang von Patienten überrannt, ist die Lage inzwischen ruhiger geworden. Geblieben sind dennoch „ziemlich viel Frust und Arbeit“, wie Dr. Nadine Anstipp gegenüber der Halterner Zeitung erklärte. Denn es werden immer noch Termine vereinbart, die dann nicht eingehalten und wiederholt auch nicht abgesagt werden.

„Innerhalb der Halterner Ärzteschaft gibt es einen regen Austausch, um übriggebliebene Impfstoffe nicht verwerfen zu müssen, sondern noch zu verimpfen“, betonte Dr. Anstipp. Aber Astrazeneca entpuppt sich als Ladenhüter. Ärzte haben sich deshalb positiv für eine Spende an ein indisches Krankenhaus ausgesprochen. Dr. Christiane Trogemann prüft diese Möglichkeit aktuell.

Reisende setzen auf Johnson und Johnson

Nadine Anstipp bietet aktuell in ihrer Praxis den mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer sowie den Vektorimpfstoff von Johnson und Johnson an. „Die Nachfrage nach Astrazeneca ist aktuell nicht mehr gegeben. Auch Patienten, die zunächst mit Astrazeneca geimpft wurden, gingen der Empfehlung der Stiko nach und wünschten die Zweitimpfung mit Biontech/Pfizer“, sagt sie.

Dr. Nadine Anstipp rät zur Impfung.
Dr. Nadine Anstipp rät zur Impfung. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Hierbei müsse allerdings angemerkt werden, dass diese Kreuzimpfung zeitweise nicht von allen Ländern bei der Einreise akzeptiert wird oder wurde. Die Nachfrage für Biontech sei am größten, wobei auch dieser dramatisch rückläufig sei. Bei kurzfristig anstehenden Reisen werde häufig Johnson und Johnson gewünscht. Übriggebliebene Impfstoffe können wegen unsicherer Kühlketten nicht an ein Impfzentrum weitergegeben werden. Deshalb kam die Idee mit einer Spende.

Dr. Anstipp sagt ganz deutlich: „Nur durch Impfen kommen wir endlich aus dieser Pandemie heraus und können unseren Kindern ein Erwachsenwerden bieten, wie wir es erleben durften – sorgenfrei, gemeinsam mit unseren Freunden.“

Interesse an Erstimpfungen hat stark nachgelassen

Die Praxis Hollensteiner bietet aktuell noch die Impfstoffe von Astrazeneca und BioNTech/Pfizer für Erst- und Zweitimpfungen an. Das liegt vor allem daran, dass sie beide Impfstoffe noch für Zweitimpfungen aus den Monaten Mai und Juni vorhalten muss. „Das Interesse an Erstimpfungen hat so stark nachgelassen, dass kaum noch Termine hierfür gebucht werden“, stellt Dr. Björn Hollensteiner fest.

Seine Patientinnen und Patienten wünschen für Erstimpfungen nur noch die m-RNA Impfstoffe. In der Praxis heißt das Biontech, da der andere mRNA-Impfstoff der US-Firma Moderna bis September voraussichtlich nicht an Praxen ausgeliefert wird. Ein nachvollziehbarer Grund hierfür sei seitens des BMG nicht genannt worden, so Dr. Hollensteiner. „Allerdings ist mehr als ausreichend Impfstoff von Biontech bestellbar, so dass es keine Rolle spielt.“

Online Termine buchen – kaum Ausfälle

Mit Astrazeneca will auch in der Praxis an der Drususstraße niemand mehr erstmals geimpft werden. „Viele lassen aber ihre Zweitimpfung auch mit Astrazeneca durchführen, wenn sie bereits mit diesem Impfstoff erstgeimpft wurden.“

Dr. Björn Hoillensteiner: „Das Interesse an Erstimpfungen hat stark nachgelassen.“ © Jüregen Wolter © Jüregen Wolter

Aber bislang hat die Praxis noch keine einzige Impfstoffdosis entsorgen müssen. Dazu Dr. Hollensteiner: „Wir haben unser Bestellverhalten so angepasst, dass wir immer passend Impfstoff vorrätig haben. Aufgrund der Online-Impfterminbuchung hat es bislang auch kaum nennenswerte Ausfälle an den Impftagen gegeben.“ Und wenn doch, wurden immer Patienten – zum Teil über die sozialen Netzwerke – gefunden, die sich stattdessen impfen ließen.

Björn Hollensteiner ist es ein Anliegen, den Patienten Sorgen zu nehmen. „Es wäre vielleicht noch einmal zu erwähnen, dass sich Befürchtungen im Hinblick auf eine Häufung von schweren Impfreaktionen oder Langzeitfolgen nach über 80 Millionen im letzten halben Jahr verabreichten Impfstoffdosen in Deutschland nicht erhärtet haben.“ Menschen sollten sich deshalb vom Impfen nicht abhalten lassen. Wenn es bei der derzeitigen Impfmüdigkeit bleibe, „dann werden sich erneute pandemiebedingte Einschränkungen unseres Lebens im Herbst wohl leider nicht vermeiden lassen“.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
Zur Autorenseite
Elisabeth Schrief

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.