Das ehemalige Gesundheitsamt an der Schmeddingstraße steht bald leer. © Jürgen Wolter
Städtische Immobilie

Halterns altes Gesundheitsamt steht bald leer – und dann?

Die letzten aus afrikanischen Kriegs- und Krisengebieten geflüchteten Männer ziehen aus dem alten Gesundheitsamt aus. Baudezernent Siegfried Schweigmann äußert sich zur Zukunft des Hauses.

Seit Oktober 2014 diente das ehemalige, 1960 erbaute Gesundheitsamt an der Schmeddingstraße geflüchteten Afrikanern als vorläufige Herberge. Jetzt ziehen die letzten vier Bewohner, alleinstehende junge Männer, in andere städtische Unterkünfte um. Das Haus, das für Wohnzwecke nie besonders geeignet war, steht dann leer.

Jahrelang – bis 2011 – war das Gesundheitsamt Anlaufstelle für junge Familien und Beratungssuchende. Untersuchungen zur Einschulung fanden hier statt, Mütterberatungen, Therapiegespräche für psychisch Erkrankte und mehr. Im Herbst 2011 zog das Gesundheitsamt aus. Damals war es bereits Nebenstelle des Kreisgesundheitsamts.

Fachbereich Ordnung und Soziales gibt das Haus auf

Damit verlor die Stadt an der Schmeddingstraße 4 ihren Hauptmieter. Gründe waren die fehlende Barrierefreiheit und deutlich überdimensionierte Räumlichkeiten. Untermieter waren zunächst noch die Arbeiterwohlfahrt und die Caritas mit ihrer Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche.

Wenn jetzt die letzten Bewohner ausziehen, ist das Haus verwaist. Über die künftige Nutzung ist nicht entschieden. Dazu sagt Baudezernent Siegfried Schweigmann auf Nachfrage: „Aktuell gibt es keine konkreten Überlegungen, wie das Grundstück beziehungsweise das Gebäude in absehbarer Zeit genutzt werden soll.“ Der Fachbereich Ordnung und Soziales werde das Gebäude nach dem Auszug der letzten Flüchtlinge als Unterkunft auf jeden Fall aufgeben. Doch Schweigmann will auch keine Begehrlichkeiten wecken.

„Ausschließen kann ich, dass das Grundstück in absehbarer Zeit verkauft werden soll und dann dort zum Beispiel ein oder zwei Wohngebäude errichtet werden“, sagt er deutlich. Stattdessen werde das Grundstück in die Überlegungen zur grundsätzlichen Neukonzeption an der Dr. Conrads-Straße einbezogen.

Bauliche Neukonzeption an der Dr. Conrads-Straße

Geplant ist hier der Abriss des Polizeigebäudes in direkter Nachbarschaft zum Rathaus und der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes, in das auch die Polizeiwache integriert wird. Von diesen Plänen war bei der Vorstellung von Isek (Integriertes Stadtentwicklungskonzeptes) bereits die Rede. Als Zeitpunkt der möglichen Realisierung einer zentralen Verwaltung wurde „etwa 2027“ genannt. „Erst wenn zu dieser Frage eine vom Rat beschlossene Konzeption vorliegt, entscheidet sich auch letztlich das Schicksal des ehemaligen Gesundheitsamtes“, betont der Baudezernent.

Bereits 2014 teilte die Stadt mit, dass die Renovierung des Hauses aus energetischen Gründen kostenmäßig nicht darstellbar sei. Weil die Stadt aber Not hatte, alle Flüchtlinge unterzubringen, öffnete sie das Haus. Erst zogen sieben allein stehende Flüchtlinge in die ehemalige Hausmeisterwohnung ein, dann 26 alleinstehende Männer vor allem aus afrikanischen Ländern. Die Zimmer waren je nach Größe mit bis zu vier Personen belegt. Weil es so gut wie keine Privatsphäre gab, entstanden häufig Konflikte.

Der Asylkreis kümmerte sich um die Menschen und lud auch andere Geflüchtete ins Haus ein. Im alten Warteraum fanden Sprachkurse und Filmvorführungen statt, außerdem öffneten die Ehrenamtlichen ein Willkommenscafé. 2016 zog das um in die alte Erich-Kästner-Schule.

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Elisabeth Schrief

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