Halterns Fahrschulen und Corona: Unterricht mit angezogener Handbremse

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Die Halterner Fahrlehrer dürfen, wie ihre Kollegen in ganz NRW, seit Kurzem wieder unterrichten - aber nur unter Auflagen. Auch der TÜV will wieder prüfen. Doch noch ist vieles unklar.

Haltern

, 04.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fahrschüler mussten sich in den vergangenen Wochen in Geduld üben: Weder Unterricht noch Prüfungen waren wegen der Corona-Auflagen seit Mitte März möglich. Nun hat die Landesregierung eine Ausnahmegenehmigung erteilt, seit Montag ist es den Fahrschulen wieder erlaubt, Fahrunterricht zu erteilen. Auch der TÜV Nord hat am Mittwoch mitgeteilt, dass er ab 4. Mai die Theorie-Prüfungen und ab dem 5. Mai die praktischen Prüfungen durchführt. „Man kann Prüfungen bestellen, aber keiner weiß etwas Genaues“, sagt Claus Brüggemann, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule.

Gesichtsmasken und Hygieneregeln

Die Vorgaben für den praktischen Unterricht werden bereits seit Montag umgesetzt. „Fahrlehrer und Schüler müssen beide Gesichtsmasken tragen, das Lenkrad, Schalthebel, Spiegel und weitere Teile im Auto müssen nach jeder Fahrstunde desinfiziert werden“, erklärt Brüggemann.

Seit dem 18. März durften keine Prüfungen mehr stattfinden, eine Fahrschülerin von Claus Brüggemann saß schon fast im Auto, als der Prüfer die Nachricht bekam. „Im März sollten eigentlich noch 30 Leute geprüft werden“, sagt Brüggemann. Die müssten jetzt erst einmal abgearbeitet werden.

Für den Theorieunterricht gelte neben dem Mindestabstand zudem die Regelung, nur eine Person pro 10 Quadratmeter in den Raum zu lassen. „In unserem 45 Quadratmeter großen Raum wären es dann inklusive Fahrlehrer drei Schüler“, sagt Claus Brüggemann. Sonst sitzen dort 30 Schüler. Man prüfe, inwieweit der Unterricht online durchführbar sei, „aber das halte ich persönlich für pädagogisch nicht so sinnvoll.“

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Die ausgefallenen Fahrstunden der letzten sechs Wochen könnten nicht so einfach nachgeholt werden. „Mehr als 495 Minuten, sprich elf Stunden à 45 Minuten, dürfen wir pro Tag gar nicht machen.“ Der Stau müsse erst einmal abgebaut werden. Mehr Lehrer einstellen könne er nicht, seit Jahren gebe es einen großen Mangel an Fahrlehrern, so Brüggemann.

Abwarten, wie es weitergeht

Sechs Wochen ohne Fahrunterricht bedeuteten für Claus Brüggemann auch sechs Wochen ohne Einnahmen. „Wir haben nur von unseren Rücklagen gelebt“, so Brüggemann. Aber man habe die Zeit einigermaßen überstehen können.

„Mit angezogener Handbremse“ läuft auch der Unterricht in Ralli‘s Fahrschule. Inhaber Ralf Köhler stellt sich die gleichen Fragen wie sein Kollege Brüggemann. „Die Nachricht, dass der TÜV wieder prüft, ist erst einmal gut - aber inwiefern, wird sich noch herausstellen.“ Was er nicht verstehe, sei, warum man mit Mundschutz im Auto ohne Mindestabstand nebeneinandersitzen dürfe, im Theorieraum aber nicht. Auch er fragt sich, wie die Regelungen praktisch umsetzbar sind.

Herten statt Marl als Prüfungsort

Für die theoretischen Prüfungen müssen die Schüler in Räumlichkeiten des TÜV geprüft werden. „Für unseren Bereich wird das wohl erst einmal Herten sein“, weiß Claus Brüggemann. Der bisherige TÜV-Prüfort Marl käme wohl nicht infrage. Maximal fünf Leute könne er mitbringen. „Aber ich darf ja nur eine Person im Auto mitnehmen.“ Der Rest müsste die Anfahrt selbst organisieren.

Rainer Camen, Pressesprecher des TÜV Nord, bestätigt, dass nicht alle Prüfräume den neuen Bestimmungen entsprächen. „Unsere Leute haben gecheckt, wo die Abstände eingehalten werden können.“ Die Zahl der Prüflinge müsse nun entsprechend verringert werden. Für die praktische Prüfung gilt: „Es gibt nur die notwendigste Kommunikation im Auto“, so Camen. Identitätskontrolle, Abfahr- und Sicherheitskontrolle sowie die Ergebnisbesprechung müssen grundsätzlich außerhalb des Prüfungsfahrzeugs unter Wahrung des notwendigen Abstands erfolgen.

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