Die Volksbank plant einige Filialen zu schließen. Das sorgt offenbar auch intern für Unruhe. © Harald Mundt
Filialschließungen

Harsche Kritik: Halterner Volksbank-Mitglieder richten Wutbrief an Vorstand

Die Volksbank Südmünsterland-Mitte eG will zum Jahresende bekanntlich ihre Geschäftsstellen in Hullern, Flaesheim und Lavesum schließen. Die Pläne sorgen für Unruhe, auch intern.

Aus den eigenen Reihen gibt es Gegenwind für die Pläne der Geschäftsleitung. Gewählte Vertreter der Hullerner Mitglieder der Volksbank haben sich mit einem Wutbrief inklusive einer Unterschriftenliste an den Vorstand der Genossenschaftsbank gerichtet. „Als Mitgliedervertreter hätten wir uns gewünscht, frühzeitig in einen Entscheidungsprozess zur Filialstilllegung eingebunden zu werden“, heißt es unter anderem in dem Schreiben vom 17. November, das unserer Redaktion vorliegt. Auf der Internetseite stelle die Bank mit ihren Leitsätzen den genossenschaftlichen Gedanken in den Vordergrund. Dies bedeute unter anderem, dass man sich „seinen Mitgliedern verpflichtet fühlt“.

Und weiter: In einer zurückliegenden Mitgliederversammlung sei auf Nachfrage durch die Mitgliedervertreter seitens der Geschäftsleitung ausdrücklich bestätigt und zugesagt worden, dass die Fusion der Volksbanken Haltern und Lüdinghausen zu keiner Filialschließung führen werde. „Nur zwei Jahre später sollen nun ganze vier Filialen in Haltern am See und Lüdinghausen geschlossen werden und es bleibt offen, wie die weitere Entwicklung diesbezüglich aussehen soll.“ Antworten oder Aussagen hierzu würden nicht existieren.

Entlastung des Aufsichtsrates und des Vorstandes

„Völlig unklar bleibt in diesem Zusammenhang, wie die Richtigkeit und Rechtmäßigkeit der Entscheidung über die Fusion vor diesem Hintergrund zu werten ist“, wird in dem Schreiben deutliche Kritik geübt. Die Vertreterversammlung der Genossenschaftsbank stellt jährlich den Jahresabschluss fest und beschließt, wie der Jahresüberschuss verwendet werden soll. Außerdem entscheidet sie über die Entlastung des Aufsichtsrates und des Vorstandes.

Mit einem Antwortschreiben hat der Vorstand der Volksbank kürzlich ausführlich Stellung zu der Kritik bezogen. Auch dieses Schreiben liegt unserer Redaktion vor. Darin heißt es unter anderem: „Im Rahmen einer ganztätigen Strategiesitzung Ende September 2020 wurden dem Aufsichtsrat die Sachverhalte, die zu dem Entwurf der künftigen Filialstrategie geführt haben, vorgestellt und mit ihm ausführlich erörtert.“ Die Beschlussfassungen seien in getrennter Abstimmung vier Wochen später jeweils einstimmig erfolgt.

Die Vorstände der Volksbank Südmünsterland-Mitte (v.l.): Marcus W. Leiendecker, Henning Henke und Berthold Stegemann.
Die Vorstände der Volksbank Südmünsterland-Mitte (v.l.): Marcus W. Leiendecker, Henning Henke und Berthold Stegemann. © Volksbank © Volksbank

Vorausgegangen sei eine umfangreiche Analyse des Geschäftsgebietes und aller Filialstandorte auf Basis der Vorjahreswerte von Juni 2020 an. Weiterhin heißt es, dass die Satzung klar regele, „dass die Entscheidung über das Filialnetz bei Vorstand und Aufsichtsrat liegt.“ Ende Oktober habe man die Mitgliedervertreter aus Lavesum, Flaesheim und Hullern in persönlichen Gesprächen über die Hintergründe informiert. Es gehe auch um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Bank.

Mitte November hatte sich Halterns Bürgermeister Andreas Stegemann (CDU) zu einem Gespräch mit Volksbank-Vorstand Henning Henke im Rathaus getroffen. Er könne die Begründung seitens der Volksbank zum Teil nachvollziehen, hieß es damals. Zugleich äußerte der Bürgermeister jedoch auch seine Bedenken und die vieler anderer Halterner, die die Filialschließungen als keine gute Entwicklung für die Infrastruktur der Ortsteile betrachten.

Stegemanns Parteifreunde gehen mit dem Vorstand und Aufsichtsrat der Volksbank jetzt noch härter ins Gericht. In einem Schreiben fordern die Vorsitzenden der betroffenen CDU-Ortsverbände die Verantwortlichen der Volksbank auf, eine „praktikable und kundenfreundliche Lösung“ umzusetzen. Unterzeichnet ist der Brief von Rita Stockhofe (Flaesheim), Raimund Schumacher (Hullern) und Werner Hesse (Lavesum).

Ergebnisloses Treffen

Man habe sich kürzlich zu Gesprächen mit dem Vorstand in der Hauptstelle der Volksbank am Kreisverkehr getroffen, doch könne man sich mit dem ergebnislosen Treffen nicht zufriedengeben. „Unserer Grundforderung nach Erhalt der Funktionsfähigkeit der Bankgeschäfte in den Ortsteilen sind Sie keineswegs entgegengekommen. Bargeldversorgung und Zahlungsverkehr sind nach wie vor nicht sichergestellt“, richten die verärgerten Politiker ihren Unmut an den Volksbank-Vorstand. Und weiter: „Ihr Werbeslogan, ‚Wir machen den Weg frei‘, gilt in diesem Fall nicht für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit oder ohne Internetzugang.“

Bereits jetzt würden höhere Kosten für die Kontoführung in Kauf genommen, „weil die Präsenz, insbesondere die individuelle Verfügbarkeit von Bargeld vor Ort, eine wesentliche Leistung einer Volksbank sein sollte.“ Dieses Alleinstellungsmerkmal gebe die Volksbank mit der Schließung der Filialen in den Ortsteilen auf.

Trotz einer positiven Jahresbilanz mit Rücklagen und angedachter Dividendenausschüttung, wie es aus dem Jahresbericht 2019 hervorgehe, könnten die Kunden und Bürger der Ortsteile die Filialschließungen nicht nachvollziehen. „Wir fordern Sie hiermit nochmals auf, eine praktikable und kundenfreundliche Lösung für die Ortsteile Flaesheim, Hullern und Lavesum umzusetzen.“

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
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Daniel Winkelkotte

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