Asbestfasern sind krebserregend. Seit 1993 ist der Werkstoff verboten, aber bei Altbausanierungen wird er zum Problem. Hermann Fimpeler testet ein preiswertes Entsorgungsverfahren.

Haltern

, 17.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter gesund von den Baustellen zurückkehren“, sagt Hermann Fimpeler. Der Halterner hat daran mitgearbeitet, ein Verfahren zur Asbestsanierung zu entwickeln, das die Entsorgung des krebserregenden Materials vereinfacht. Unter anderem in der Turnhalle der Grundschule Sythen nahm er jetzt Testmessungen vor.

„Diese Baustelle ist für uns ein Sechser im Lotto“, sagt Fimpeler. „Wir sind der Stadt Haltern sehr dankbar, dass sie uns ermöglicht hat, hier Messungen durchzuführen. Um das Verfahren zur Genehmigungsreife zu bringen, müssen wir insgesamt zehn Messreihen durchführen. Nach dem Wasag-Gelände bot sich dafür in der Turnhalle in Sythen die zweite Gelegenheit. “

Nationaler Asbest-Dialog

Fimpeler ist stellvertretender Bundesinnungsmeister der Glaserinnung und Leiter des Arbeitskreises Asbest. In dieser Funktion nimmt er auch am nationalen Asbest-Dialog teil, der seit zwei Jahren jährlich in Berlin mit Vertretern der Politik stattfindet. Das neue Verfahren hat er im Auftrag der Berufsgenossenschaft und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) entwickelt.

„Normalerweise“, so Fimpeler, „muss ein sehr aufwendiges Verfahren eingeleitet werden, wenn Asbest nachgewiesen wird. Für den Bereich des Glaserhandwerks ist dafür sowohl der Kitt von Fenstern relevant, als auch die Laibungen. Das sind die verputzten Ränder um den Fensterrahmen“, so Hermann Fimpeler. „Auch dort findet sich häufig Asbest in Gebäuden, die vor 1993 errichtet wurden.“

Er hält die Beprobung solcher Stellen für dringend erforderlich, bevor mit der Sanierung alter Fenster begonnen werden kann. Damit hat er sich auch im Glaserhandwerk nicht nur Freunde gemacht.

Asbest steckt noch in vielen alten Baumaterialien

Asbest findet sich im Übrigen nicht nur an Fenstern. Es wurde im Bau sowohl in Fliesenklebern, Bodenklebern, den Rücken von Vinylböden oder im Putz verwendet. Außerdem befand es sich lange in Dämmmaterialien beispielsweise von Nachtspeicherheizungen oder in Eternitplatten.

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Bisher musste beim Nachweis von Asbest eine komplette „Einhausung“ des zu sanierenden Gebäudes erfolgen. „Dabei wird im Gebäudeinneren ein Unterdruck erzeugt, damit die Luft nur herein, aber nicht herausströmt. Es muss eine Schleuse zum Außenbereich eingerichtet werden. Die Arbeiten müssen unter vollem Atem- und Körperschutz erfolgen, alle Materialien, auch die Schutzanzüge, müssen vor dem Verlassen fachgerecht entsorgt werden. Das ist nicht nur extrem aufwendig, sondern vor allem auch teuer“, so Hermann Fimpeler.

Sein Verfahren setzt bei der Entsorgung alter Fenster auf eine Vereinfachung: Die Materialen werden nicht mehr mit Maschinen bearbeitet, was zu hoher Staubentwicklung führt, sondern in Handarbeit und in einem feuchten Klima entfernt.

Belastung für Mitarbeiter soll gesenkt werden

„Dadurch sollte es uns gelingen, die Belastung für unsere Arbeitnehmer mit Asbestfasern auf einem Niveau von etwa 2500 Fasern pro Kubikmeter Luft zu halten, um ein emissionsarmes Verfahren nach der technischen Richtlinie Gefahrstoffe zu ermöglichen“, so Fimpeler. „Der Grenzwert liegt bei 10.000 Fasern. Bei den bisherigen Verfahren sind die Mitarbeiter aber zeitweise Belastungen von über 100.000 Fasern ausgesetzt.“

Damit das Verfahren eingesetzt werden kann, sind jetzt die Messreihen erforderlich. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bis zum Ende des Jahres 2020 die Freigabe bekommen“, sagt Herman Fimpeler. Schon jetzt wurde das Verfahren für asbesthaltigen Kitt (BT 42) mit dem Deutschen Gefahrstoffschutzpreis 2018 ausgezeichnet. Auch auf europäischer Ebene ist das Verfahren im Wettbewerb.

Hermann Fimpeler weist in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass Asbest in gebundenem Zustand ungefährlich ist. „Problematisch wird es erst, wenn mit Asbest belastetes Material bearbeitet wird. Der Umgang mit Gefahrstoffen, hier Asbest, ist verboten. Nur Fachunternehmen die eine entsprechende Ausbildung haben, sind für diese Arbeiten zugelassen“, so der Glasermeister.

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