Historisches Haltern: Der Hof Sebbel fällt durch seine ungewöhnliche Bauweise auf

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In der Serie „Historisches Haltern“ geht es nun um den Hof Sebbel: Schon die Größe des Gebäudes ist imposant. Der Hof an der Westruper Straße steht unter Denkmalschutz - aus mehreren Gründen.

Haltern, Hullern

, 11.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Hofgebäude der Obsthofes Sebbel an der Westruper Straße umfasst rund 400 Quadratmeter. Der Hof befindet sich in einem historischen Gebäude, das unter Denkmalschutz steht. Gebaut wurde es als kompletter Bauernhof, heute wird der Hof ausschließlich zum Obst- und Gemüseanbau genutzt.

„Der Hof wurde 1869 von meinem Urgroßvater August Sebbel und seiner Frau Franziska gebaut“, sagt Karl-Ernst Sebbel, der heutige Seniorchef. „Sie bauten den Hof neu, weil sie damit näher an ihren Ländereien waren.“

Ursprünglich hatte sich der Hof Sebbel weiter westlich an der Westruper Straße befunden. „Dort stehen mehrere Höfe, es war damals üblich, die Höfe kreisförmig zusammen zu bauen, damit man sich besser gegen Eindringlinge schützen konnte“, so Sebbel.

Klinkersteine wurden selbst gebrannt

Sein Urgroßvater entschied sich aber dafür, näher an seine Ländereien zu ziehen. „Der Hof wurde im Innern in Fachwerkbauweise errichtet, von außen ist er mit Steinen verklinkert, die damals aus dem Lehm am Lippeufer selbst gebrannt wurden. Das Material fand man direkt vor der Haustür“, so Karl-Ernst Sebbel. In der großen Scheune befand sich damals die Viehhaltung. Das Wohnhaus schloss sich im hinteren Bereich direkt an.

Rund 400 Quadratmeter umfasst das Hofgebäude des Obsthofes Sebbel.

Rund 400 Quadratmeter umfasst das Hofgebäude des Obsthofes Sebbel. © Jürgen Wolter

„Die Landwirtschaft auf dem Hof wurde im Sinne der Thünenschen Ringe angeordnet“, so Karl-Ernst Sebbel. Das Hofgebäude befindet sich im Mittelpunkt, darum herum sind die übrigen Produktionszweige angeordnet.“ Die Anordnung ist nach dem deutschen Wirtschafts- und Agrarwissenschaftler Johann Heinrich von Thünen benannt, der theoretische Kenntnisse der Mathematik mit praktischen Erfahrungen aus seinem landwirtschaftlichen Musterbetrieb vereinte.

Seit 1988 steht der Hof unter Denkmalschutz. „Der Bau ist ohne Vergleichsbeispiel im gesamten Gebiet von Haltern“, heißt es in der Begründung. „Bemerkenswert ist die enorme Größe des Gebäudes. Material, Form und Stil stellen fast einen Fremdkörper in dieser durch den Fachwerkbau geprägten Siedlungslandschaft dar.“

Die Klinker für den Hof wurden aus Lehmsteinen selbst gebrannt, die vom Ufer der Lippe stammten.

Die Klinker für den Hof wurden aus Lehmsteinen selbst gebrannt, die vom Ufer der Lippe stammten. © Jürgen Wolter

Der Hof Sebbel ist heute ein reiner Obst- und Gemüsehof

Vor zehn Jahren wurde die Umstellung auf einen reinen Obst- und Gemüsehof abgeschlossen. Viehhaltung gibt es auf dem Hof Sebbel nicht mehr. Heute befindet sich in der großen Scheune das Hofcafé, in dem die Gäste mit Kaffee, Kuchen und leckeren Kleinigkeiten verwöhnt werden. Der Obsthof, auf dem man im Sommergarten den Blick Richtung Lippe und Flaesheimer Berge genießen kann, ist ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel. Der Umbau erfolgte 2001.

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