Hof Schmöning wird ein Bio-Bauernhof

Teure Umstellung

Rund zwei Jahre dauert die Umstellung eines kommerziellen Bauernhofes auf einen reinen Biobetrieb. Und je nach Betriebssituation entstehen Kosten zwischen 50.000 bis 100.000 Euro. Gewagt haben die 38-Jährige Stephanie Schmöning und ihr Mann Klaus (40) den Schritt aber doch.

LIPPRAMSDORF

von Von Ina Retkowitz

, 19.08.2011, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Speisepilze Schmöning, Dorstener Straße 672, Tel. (02360) 90 250. Öffnungszeiten für den Hofverkauf: Fr, 14-18 Uhr und Sa, 8.30-14 Uhr.

Und je nach Betriebssituation entstehen dabei Kosten zwischen 50.000 bis 100.000 Euro, so Stephanie Schmöning – durch neue Maschinen, Stallumbau und eben die Futterumstellung. Gewagt haben die 38-Jährige und ihr Mann Klaus (40) den Schritt aber doch. Denn: Ein bisschen Bio war der Hof schon immer. Vor zehn Jahren fingen die Schmönings in Lippramsdorf mit der Zucht von Speisepilzen an, bereits vier Jahre später erhielten sie für die Produktion das EU-Biosiegel. Allerdings: Auch der Biomarkt ist hart umkämpft, eine bessere Vermarktung laut Klaus Schmöning nur über einen festen Verbandspartner wie Bioland möglich. Dem reichte ein einzelner Bio-Produktionszweig aber nicht aus. Die Bedingung: Der komplette Betrieb – insgesamt 50 Hektar – musste umstellen.

Für die Schmönings bedeutete das: Den Acker nicht mehr mit Insektiziden oder anderen chemischen Mitteln zu düngen. Jetzt belassen sie zwei Jahre lang Klee im Boden, um den Stickstoffanteil zu erhöhen. Danach wird er an das Milchvieh verfüttert. Es bedeutete auch: Den kompletten Schweinestall zu leeren, auszumästen, mit Stroh auszustatten und 150 neue Bioferkel zu kaufen.Heute haben die Schmönings neben 25 Milchkühen sowie 25 Rindern und Kälbern wieder bis zu 300 Mastschweine, die Tag und Nacht, Sommer wie Winter, nach draußen können. Eine Bedingung für das Biozertifikat, die vor allem den drei Kindern Daniel, Maike und Philipp gefällt.

„Der Gesundheitsstand ist sehr hoch“, so Klaus Schmöming, „der Tierarzt kommt eigentlich nur zur Bestandskontrolle.“ Bio-Schweinefleisch verkauft der Hof seit April. Milch, Erdbeeren und Getreide haben ab November das Bio-Gütesiegel. Das macht stolz. Aber längst nicht reich: „An Bio wollen alle gut verdienen“, sagt Klaus Schmöning. Allein wegen der Förderung, die das Land NRW jetzt in Aussicht stellt, hätte er damals nicht umgestellt: „Man muss das leben, weil man sich um Absatzmärkte und alles selbst kümmern muss und dort wird stramm verhandelt.“

Immerhin: Die Landwirtschaftskammer betreute die Schmönings damals intensiv und auch die Banken zogen mit. Ungewöhnlich, wie das Ehepaar befindet, schließlich sind sie in Haltern die einzigen Biobauern. Als Exoten wollen sie dennoch nicht gelten und den Schulterschluss mit den anderen Betrieben in der Umgebung halten. Die Umstellung auf Bio? Für die Schmönings der Königsweg. Und für andere? „Das muss letztendlich jeder für sich entscheiden.“

Speisepilze Schmöning, Dorstener Straße 672, Tel. (02360) 90 250. Öffnungszeiten für den Hofverkauf: Fr, 14-18 Uhr und Sa, 8.30-14 Uhr.

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