Hohes Infektionsrisiko für Zahnärzte - Notversorgung aber gesichert

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Die Halterner Zahnärzte müssen Patienten auch in der Corona-Krise behandeln. Dabei sind sie einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Nun droht auch noch ein Engpass bei den Schutzmasken.

Haltern

, 03.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei seiner täglichen Arbeit ist es Dr. Uwe Schwensfeier nicht möglich, den notwendigen Mindestabstand von eineinhalb Metern einzuhalten. Der Zahnarzt arbeitet am offenen Mund seiner Patienten - bei der Behandlung besteht große Gefahr, mit dem durch Tröpfcheninfektion übertragenen Coronavirus angesteckt zu werden.

Dr. Uwe Schwensfeier ist Vorsitzender des Halterner Zahnärzte-Vereins. Besonders große Gefahr ginge von dem Aerosol-Staub aus, sagt er. Dieser entsteht beispielsweise beim Bohren und beim Einsatz anderer rotierender Instrumente.

Die Aerosolwolke kann sich bis zu eineinhalb Metern ausdehnen. Potenzielle Erreger können nach Ansicht von Fachleuten bis zu mehrere Stunden in der Raumluft verbleiben.

Dr. Uwe Schwensfeier ist Vorsitzender des Halterner Zahnärzte-Vereins.

Dr. Uwe Schwensfeier ist Vorsitzender des Halterner Zahnärzte-Vereins. © privat

Schwensfeier führt alle diese Arbeiten dennoch lediglich mit dem herkömmlichen, ganz normalen Mundschutz aus. „Die aufwändigen Schutzmasken gibt es schon lange nicht mehr“, sagt der Zahnmediziner. Damit meint er die virenfilternden FFP3-Masken.

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Und selbst beim ganz einfachen Mundschutz gehen die Vorräte langsam zur Neige. Der Nachschub sei ungewiss. Schwensfeier: „Die Großhändler vertrösten uns immer wieder aufs Neue.“ Derzeit solle Mitte April die nächste Lieferung kommen, heiße es. Und was passiert, wenn es bis dahin doch keinen neuen Mundschutz gibt? „Dann werden wir ebenfalls um genähte Mundschutz-Masken bitten“, sagt der Zahnmediziner.

„Die Notversorgung ist sichergestellt“

Der Halterner Zahnarzt beruhigt zugleich. „Die Notversorgung der Patienten ist selbstverständlich gewährleistet“, betont er. Auch in den Osterferien, wenn Kollegen in der Seestadt Urlaub hätten, sei für eine Vertretung gesorgt. Wer Zahnschmerzen oder andere schwerwiegende Probleme mit den Zähnen habe, werde auch behandelt. „Was aber verschoben werden kann, wird verschoben“, macht Uwe Schwensfeier deutlich. Dazu raten auch die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Bundeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen der Länder.

Kurzarbeit musste jetzt angemeldet werden

In normalen Zeiten behandelt der Halterner Dentist jeden Tag rund 30 Patienten, in Corona-Zeiten sind es nur noch acht bis zehn. Die Folge: Auch die Praxisteams sind geschrumpft. Sonst arbeitet der Zahnarzt im Team mit drei Arzthelferinnen, zurzeit sind es jeweils nur zwei. Insgesamt sechs Arzthelferinnen sind in der Praxis beschäftigt. Seit dieser Woche hat Uwe Schwensfeier Kurzarbeit für sie angemeldet. „Auf unbestimmte Zeit“, sagt er. Die Lage ist angespannt.

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