Seit vielen Wochen ruht beim Handballoberligisten HSC Haltern-Sythen der Spiel- und Trainingsbetrieb. HSC-Teammanager Christian Berse spricht über aktuelle und künftige Herausforderungen.

Haltern

, 27.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach jetzigem Stand wären in der Saison 2020/21 neben dem HSC Haltern-Sythen 15 weitere Mannschaften in der Oberliga Westfalen vertreten. Das bedeutet für die Halterner, dass sie wahrscheinlich in einer 16er-Staffel spielen werden – macht 30 Saisonpartien. Das Team von Trainer Gerard Siggemann muss sich also auf eine anstrengende Saison einrichten. Der Auftakt ist für den 1. September geplant. HSC-Teammanger Christian Berse spricht im Interview über die vergangene Saison und aktuelle Herausforderungen.

Christian Berse, der Spielbetrieb in der Oberliga Westfalen ruht seit dem 12. März. Können Sie sich überhaupt noch an die letzte Partie erinnern?

(überlegt) Ja, obwohl es gefühlt schon eine halbe Ewigkeit her ist. Es war ein Heimspiel gegen den Tabellenzweiten, die Sportfreunde Loxten. Die Jungs haben ein tolles Spiel gemacht. Es war ein Duell auf Augenhöhe und sehr unterhaltsam. Im Spiel gab es 19 Siebenmeter und 12 Zeitstrafen. Am Ende mussten wir uns leider knapp mit 29:30 geschlagen geben. Dabei hätten wir einen Punkt absolut verdient gehabt.

Wie sehr fehlt ihnen der Handballsport?

Natürlich sehr. Es ist ja eine Zwangspause, die nun schon länger anhält. Es finden keine gemeinsamen Trainingseinheiten statt. Der persönliche Austausch mit den Jungs ist nur bedingt möglich. Alles, was immer normal war, ist seit Wochen auf Eis gelegt. Man vermisst die Bratwurst und das Bier nach dem Spiel und selbst den Schweißgeruch in der Kabine. Wir alle wollen endlich wieder unser geliebtes Hobby ausüben.

Die Saison hat das Team nach dem vorzeitigem Abbruch als Aufsteiger auf dem siebten Tabellenplatz beendet. Wie zufrieden ist man damit als Teammanager?

Wir sind sehr glücklich über das gute Abschneiden und hatten damit im Vorfeld der Saison sicher nicht gerechnet. Von Anfang an ging es immer nur um den Klassenerhalt. Dieses Ziel haben wir erreicht und die Erwartungen sogar noch übertroffen. Die Mannschaft hat tolle Spiele gezeigt. Der Zusammenhalt innerhalb der Truppe war super. Mit unserm guten Tempospiel konnten wir körperliche Defizite kompensieren.

Welchen Anteil hat Trainer Gerard Siggemann an diesem Erfolg?

Er hat eine klare Vorstellung und Philosophie. Für unsere Gegner sind wir schwer berechenbar. Wir verfügen über eine hohe Spielintelligenz innerhalb der Mannschaft. Der Trainer geht mit seiner akribischen Arbeit voran. Er lebt den Handballsport mit jeder Faser. Manchmal schickt er mitten in der Nacht Videoszenen zur Spielvorbereitung in unsere WhatsApp-Gruppe.

Wie halten sich die Jungs aktuell fit?

Sie machen weiter Hometraining. Wir haben ihnen Übungen und Laufpläne an die Hand gegeben. Mittlerweile gehen einige auch schon wieder ins Fitnessstudio. Natürlich ist es nicht mit einem normalen Trainingsbetrieb vergleichbar. Es geht eher um die Erhaltung der Fitness im Grundlagenbereich. Viel lieber würden wir in die Halle gehen.

Jetzt lesen

Aber das ist noch nicht möglich...

Genau. Wir wollen im Juni, spätestens im Juli aber wieder in die Halle zurückkehren. Die Saison soll ja im September wieder beginnen. Acht Wochen brauchen wir zur Vorbereitung, auch um einem erhöhten Verletzungsrisiko vorzubeugen. Aktuell sind wir mit der Stadt Haltern im Austausch. Wir hoffen, dass wir in Abstimmung mit der Verwaltung eine Lösung finden.

Gibt es schon einen konkreten Termin?

Leider ist es uns jetzt noch nicht möglich ein Datum für das Hallentraining zu nennen. Wir, der Vorstand, haben uns am Sonntagabend, bedingt durch die Lockerungen, endlich wieder im Kolpingtreff zur Vorstandssitzung treffen können. Natürlich ist das Thema Corona und Trainingsbetrieb Hauptthema gewesen.

Wir arbeiten fieberhaft an alternativen Flächen und Möglichkeiten um, einerseits den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen und andererseits den Hygienevorschriften gerecht zu werden und keinen Sportler und Trainer zu gefährden. Es gestaltet sich leider alles nicht so einfach. Man will ja auch nichts unnötig riskieren.

Die Planungen für die Zusammenstellung des Kaders gestalten sich vermutlich ebenfalls schwierig, oder?

Klar. Der Kader steht aber zum Glück schon zum Großteil fest. Wir sind gut aufgestellt. Ähnlich wie im letzten Jahr. Durch die Abgänge von Henning Schrief und Alex Mazur haben wir auf der Position des Kreisläufers noch Bedarf, aber das gibt es aktuell noch keine Gespräche mit möglichen Kandidaten.

Wie lautet das Ziel für die neue Saison?

Für uns wird es wieder um den Klassenerhalt gehen. Wir haben von allen Oberligisten sicherlich mit das kleinste Budget, stehen dafür aber auf gesunden Beinen. Auch in Zukunft werden wir keine Experimente machen, sondern vielmehr auf die Ausbildung junger Talente und Perspektivspieler aus der Region setzen. Damit sind wir bisher gut gefahren. Erfreulich ist, dass wir nach dem Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Landesliga, nun noch bessere Möglichkeiten haben, die jungen Spieler an den Seniorenbereich heranzuführen.

Glauben Sie persönlich, dass die Oberliga wie geplant am 1. September starten kann?

Das ist eine Frage, die wohl niemand verlässlich beantworten kann. Ich bin vorsichtig optimistisch, sofern sich das Infektionsgeschehen wie zuletzt weiter in eine positive Richtung entwickelt und die Zahlen nicht wieder drastisch ansteigen. Ein rechtzeitiger Saisonstart wäre auch wünschenswert, da es sonst mit 30 Saisonspielen eine enge Kiste werden könnte. Spiele unterhalb der Woche auszutragen, ist eigentlich kaum möglich. Die meisten Jungs müssen arbeiten. Auch die Fahrten sind zu weit. Eine vernünftige Spielvorbereitung sitzt da nicht drin. Ich hoffe einfach, dass sich die Situation weiter entspannt und wir ein Stück weit zur Normalität zurückkehren können. Das wäre wünschenswert.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt