Mehr als 2100 Hundehalter machen sich für einen Hundestrand am Silbersee stark

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Hundebesitzer machen mobil: Mehr als 2100 Menschen haben bei Facebook ihren Wunsch nach einem Hundestrand am Silbersee geäußert. Über die Chancen informierten jetzt die Seen-Eigentümer.

Haltern

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit dem 11. Juli und noch bis zum 1. August läuft eine Abstimmung in sozialen Netzwerken, die von Halterner Hundebesitzern initiiert wurde. „Viele Hundebesitzer/innen wünschen am Silbersee einen Hundestrand“, heißt es dort. Auf der Facebook-Seite Silbersee II Haltern am See kann mit Ja oder Nein geantwortet werden. Mehr als 2100 Kommentare wurden bereits abgegeben. Die wenigen Nein-Stimmen fallen kaum auf. Das Ergebnis wollen die Verantwortlichen bald der Betreibergesellschaft Silbersee II vorlegen. Wie realistisch ist ein Hundestrand an den drei Silberseen?

Dieser Konflikt ist nicht lösbar

Eberhard Geisler ist ein Hundehalter. „Ich kann die Hundebesitzer gut verstehen. Ein Strand in Haltern, an dem sie sich mit ihren Hunden aufhalten und baden können - das wäre schon toll“, sagt er. Eberhard Geisler ist aber auch der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Silbersee II. „Hier entsteht gerade ein Konflikt, den wir nicht lösen können“, betont er mit Blick auf die Abstimmung. Denn ein Hundestrand am Silbersee II sei absolut nicht machbar.

„Wir haben gerade mal 800 Meter Badestrand am Silbersee II“, erklärt er. Im Sommer seien an guten Tagen im Schnitt zwischen 6000 und 8000 Besucher dort. „Wo soll denn da noch ein Hundestrand hin?“, fragt Geisler.

Hygiene-Probleme wiegen schwer

Viel schwerer aber wiege das Hygiene-Problem. Schließlich räume ja nicht jeder Hundebesitzer auch die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners weg. „Und unsere Strandreinigungsmaschine käme nicht gegen den Kot an“, meint er.

„Da sind Familien mit Kindern - ein Strand für Hunde ist damit absolut nicht vereinbar.“

Mehr als 2100 Hundehalter machen sich für einen Hundestrand am Silbersee stark

Bei gutem Wetter wird es voll am Silbersee I. Für einen Hundestrand gibt es laut Betreibergesellschaft keinen Platz. © Hans Blossey

Nicht zuletzt gebe es hohe Auflagen der Bezirksregierung, wie der Badesee zu nutzen und das Wasser zu schützen sei. In diesem Zusammenhang gebe es auch jeden Monat Gewässeruntersuchungen, um die Belastung mit Keimen zu ermitteln. Die bislang guten Ergebnisse sieht Eberhard Geisler gefährdet, sobald auch Hunde dort zugelassen seien.

Wasserschutzgebietsverordnung untersagt Baden im Silbersee III

„Absolut undenkbar“ ist ein Hundestrand nach Angaben von RVR-Förster Kersten Blaschczok auch am Silbersee III. Der Regionalverband Ruhr ist Eigentümer des Sees, der östlich der Münsterstraße auf nahezu gleicher Höhe mit dem Silbersee II liegt. „Laut Wasserschutzgebietsverordnung ist Baden im Silbersee III verboten - für Mensch und Tier“, sagt Blaschczok. Das Gewässer mit einer Wasserfläche von 72 Hektar sei ausschließlich für die Naherholung angelegt worden - „für das Wandern und das Angeln“. Zudem befinde sich der See in einem Landschaftsschutzgebiet.

Im Silbersee I wird aktiv Tagebau betrieben

Auch am Silbersee I kann dem Wunsch der Hundehalter nicht entsprochen werden. „Das ist eine aktive Tagebaufläche, die unter Bergaufsicht steht“, führt Britta Franzheim, Sprecherin der Quarzwerke aus.

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Und das soll, wenn es nach den Plänen des Unternehmens geht, auch noch lange so bleiben. Derzeit läuft ein bergrechtliches Verfahren, um den Silbersee in den nächsten 25 Jahren nach Norden und Süden ausweiten zu dürfen und dabei Sand abzubauen. „Das Gelände ist eingezäunt“, erklärt Britta Franzheim. Aus gutem Grund. „Es ist sehr gefährlich dort.“ Die Böschungen seien nicht sicher. Zwei Baggerschiffe arbeiten sich in extreme Tiefen vor. „Ich kann das Bedürfnis der Hundebesitzer nachvollziehen“, sagt die Quarzwerke-Sprecherin. „Aber ein Betreten des Silbersee-I-Geländes ist aus Sicherheits- und gesetzlichen Gründen verboten.“

Kommentar

Keine friedliche Koexistenz möglich

Wer mit seinem Hund in die Niederlande fährt, weiß die dortigen Hundestrände zu schätzen. Auch die Autorin mag die abgetrennten Bereiche am Wasser, in denen man sich mit seinem Vierbeiner frei bewegen kann. Leinen los! Wer aber genau hinschaut, stellt auch fest: Viele Strandbesucher mit Hundebegleitung halten sich nicht an diese Begrenzungen und marschieren munter drauflos. Das ärgert die Badegäste. Erledigt der Hund dann auch noch sein Geschäft, ist Krach vorprogrammiert. Übrigens auch außerhalb der Saisonzeiten, wenn der gesamte Strand für alle freigegeben ist. Für Hundebesitzer und Badegäste kann es keine friedliche Koexistenz an einem Badestrand geben. Die einen wollen mit ihren Fellnasen schwimmen, die anderen wollen sauberes Badewasser. Natürlich gibt es im und am Wasser auch Müll und andere Verunreinigungen. Barfuß in Hundekot treten will trotzdem niemand. Und jetzt mal ehrlich: Es gibt noch zu viele Hundehalter, die die Hinterlassenschaften ihrer Tiere in öffentlichen Bereichen gewissen- und verantwortungslos liegen lassen. Und die tragen ganz bestimmt nicht zu mehr Toleranz gegenüber den Hundestrand-Befürwortern bei.
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