Hundertfacher Missbrauch

MÜNSTER/COESFELD Es war das wohl dunkelste Geheimnis der Familie: Jahrelang sollen zwei Mädchen aus Coesfeld von ihrem Vater (47) sexuell missbraucht worden sein. Eine Tochter wurde sogar schwanger.

von Von Jörn Hartwich

, 08.01.2008, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hundertfacher Missbrauch

In der Anklageschrift sind fast 600 Fälle aufgelistet. Seit Montag muss sich der 47-Jährige vor dem Landgericht Münster verantworten. Um wie viel es für ihn geht, hat die 1. Strafkammer gleich zu Beginn der Verhandlung klargestellt. Wörtlich sagte Richter Thomas Schiereck: „Wenn sich das bewahrheitet, müssen Sie mit acht bis zehn Jahren Haft rechnen.“ Die einzige Möglichkeit, die Strafe zu mildern, sei ein Geständnis.

Doch so weit wollte der Angeklagte zum Prozessauftakt nicht gehen. Er konnte sich lediglich zu einigen wachsweichen Formulierungen durchringen, die zum Beispiel so klangen: „Wenn ich betrunken war, habe ich das vielleicht gemacht.“ Oder: „Wenn die Kinder das so sagen – was soll ich machen...“ Bei klarem Verstand – also ohne Alkohol – habe er seine beiden Töchter aber nie missbraucht. „Das weiß ich ganz genau.“ Einiges sei aber auch gänzlich falsch. Sein Problem ist allerdings, dass die Mädchen die Vergangenheit ganz anders schildern. In ihren Erzählungen ist von regelmäßigem Geschlechtsverkehr die Rede – im elterlichen Schlafzimmer, im Keller, an einem See. „Komm, wir fahren zu einer Weide mit Pferden“, soll der Vater dann gesagt haben. Auch wenn sich die Kinder nach Kräften wehrten, ließ er nicht von ihnen ab. Oder drohte damit, sich an der nächst jüngeren Schwester zu vergehen. So steht es zumindest in der Anklage.

Abtreibung

Verhütung? Nicht einmal das soll für den Angeklagten ein Thema gewesen sein. Kein Wunder also, dass eine seiner beiden Töchter 2006 schwanger wurde. Das Kind soll nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft jedoch sofort abgetrieben worden sein. Die beiden Mädchen sind heute 17 und 21 Jahre alt. Jahrelang haben sie geschwiegen. Bis sie den Druck nicht mehr ertragen konnten. Erst offenbarten sie sich der Mutter, dann übernahmen Polizei und Staatsanwaltschaft. Wie es mit den jungen Frauen nun weitergeht? Da beide Moslems sind, hat ihr Vater wohl nicht nur ihre Kindheit, sondern auch ihre Zukunft zerstört. „Ich kann keinen Moslem mehr heiraten“, sagte die 17-Jährige den Richtern mit leiser Stimme. „Weil ich keine Jungfrau mehr bin.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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