„Ich bin in rund 30 Jahren gefühlt einmal um die Welt gelaufen“

mlzWas macht eigentlich?

Er absolvierte 18 Marathonläufe. Seine persönliche Bestzeit lief er mit 2:31:35 Stunden 1985 in Duisburg. Sogar bei Deutschen Meisterschaften war er dabei. Kurz: Ein Läufer aus Leidenschaft.

Haltern

, 11.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In unserer Reihe „Was macht eigentlich...?“ blicken wir mit Menschen - die in der Vergangenheit aufgrund ihrer sportlichen Leistung in Haltern, und zum Teil auch über die Grenzen hinaus, auf sich aufmerksam gemacht haben - auf ihre Karriere zurück. Heute: Was macht eigentlich Langstreckenläufer Klaus Bröker?

„Ich bin in rund 30 Jahren gefühlt einmal um die Welt gelaufen“

Klaus Bröker war viele Jahre erfolgreicher Langstreckenläufer. © Horst Lehr

„Laufen war und ist einfach mein Ding“, sagt der Halterner Langstreckenläufer Klaus Bröker. Der Halterner kann auf eine fast 30 Jahre lange, erfolgreiche Karriere mit über 400 Wettkampfstarts zurückblicken. Er startete bei den Westfalenmeisterschaften, erfüllte sich auch den Traum bei der „Deutschen“ und ging bei insgesamt 18 Wettbewerben auch über die volle Marathondistanz. „Leider ist es mir nicht gelungen, unter 2:30 Stunden zu bleiben.“

Vom Fußball zum Laufsport

Bröker spielte bis zur A-Jugend Fußball in Marl-Sinsen. Immer schon laufbegeistert, sei er 1977 durch seinen Schwiegervater Norbert Stucke zum Laufen gekommen. Er erinnere sich noch genau an seinen ersten offiziellen Start 1977 beim Silvesterlauf in Flaesheim. Die Strecke durch die Haard habe ihn damals total geschafft . „Das mache ich nie wieder“, dachte er unterwegs, doch nach der Zielankunft und einer heißen Dusche packte ihn der Ehrgeiz, war doch sein Schwiegervater tatsächlich viel schneller unterwegs. „Das konnte ich einfach so nicht akzeptieren“, sagt er und schmunzelt.

„Ich bin in rund 30 Jahren gefühlt einmal um die Welt gelaufen“

Klaus Bröker nahm auch regelmäßig am Flaesheimer Silvesterlauf teil. © privat

Bröker nahm das Heft des Handelns in die Hand, traf sich fortan regelmäßig mit anderen Läufern am „Pferdeparkplatz“ am Holtkampweg zum gemeinsamen Lauftraining. 1979 meldete er sich zu seinem ersten Marathon in Dülmen an. Die Strecke führte durch den „Merfelder Bruch“ und etwa bei Kilometer 35 ereilte ihn der von den Läufern so gefürchtete „Hammer“. Er schleppte sich mit letzter Kraft über die Ziellinie. Und immer wieder sei ihm dabei eine Frage in den Kopf gekommen: „Warum mache ich das eigentlich?“

Im Folgejahr wechselte er zur LG (Leichtathletikgemeinschaft) Haltern. „Dort habe ich eine neue sportliche Heimat gefunden.“ Beim ersten Start für das neue Team bei den Kreismeisterschaften im Recklinghäuser Hohenhorststadion belegte er schon gleich den zweiten Platz bei seinem Einzelstart über die 5000 Meter und wurde dafür von Trainer Helmut Bohlmann gelobt.

Echten Leistungssport betrieben

Für weitere drei Jahre bewegte sich Bröker dann weiter auf den Mittelstrecken zwischen 1.000 und 5.000 Metern und beschreibt das anstrengende Training in dieser Zeit. „Wir haben drei Mal pro Woche in der Stauseekampfbahn hart trainiert und haben, obwohl wir wussten, dass wir nie deutscher Meister werden, echten Leistungssport betrieben.“ Doch am Ende zog es ihn zurück zu den echten Langstrecken.

Und hierbei feierte er auch seine größten Erfolge, wie zum Beispiel 1983 bei den deutschen Meisterschaften im 25 Kilometer Straßenlauf in Frankenberg/Eder. Dort konnte sich Bröker in dem beeindruckenden Starterfeld von rund 500 Teilnehmern gut behaupten und freute sich am Ende über seine persönliche Bestzeit von 1:25,40 Stunden. Das reichte für einen Platz im ersten Drittel des Feldes. Er erinnert sich noch gut, als im Ziel der deutsche Meister Herbert Steffny zu ihm kam und wohlwollend meinte: „Junge, deine Zeit ist ganz ordentlich“.

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Sein sportliches Idol sei immer der Oberhausener Mittelstreckler Willi Wühlbeck gewesen. Ihn traf Bröker 1979 am Start beim Silvesterlauf in Flaesheim. Als dieser dort in die Runde fragte: „Kennt sich hier jemand aus?“ antwortete Bröker stolz: „Ja, ich.“ Danach sei Wühlbeck ein einsames Rennen gelaufen. „Ich habe ihn unterwegs nicht mehr gesehen“, so Bröker.

Bei den Westfalenmeisterschaften im September 2000 in Wegberg startete Bröker letztmalig im 10.000 Meter Straßenlauf und konnte mit dem zweiten Platz ein weiteres Mal seine Klasse unter Beweis stellen. Und auch seinen letzten offiziellen Wettkampfstart bei den Westfalenmeisterschaften ein Jahr später in Gütersloh beendete der Halterner Sportler standesgemäß über 5.000 Meter mit Platz sechs unter den Top Ten.

Bestzeit in Duisburg

Am wohlsten fühlte sich Bröker auf der Marathonstrecke: „Das war für mich einfach das Beste und hat mir am meisten Spaß gemacht.“ Mit insgesamt 18 Starts war er natürlich auch bei allen deutschen Klassikern wie Berlin, Frankfurt, München und Hamburg dabei. Seine persönliche Bestzeit lief er mit 2:31:35 Stunden 1985 in Duisburg.

Besondere Gänsehautmomente erlebte er 1988 in Berlin beim Start an der Mauer und 1990 beim ersten Gesamtdeutschen Marathonlauf durchs Brandenburger Tor. Doch es gab auch bittere Momente in seiner Marathonkarriere wie zum Beispiel 1987 bei seinem zweiten Start in Duisburg. Dort musste er zähneknirschend bei Kilometer 35 seine Startnummer abgeben. „Ich stieg danach in den Besenwagen und das war’s.“

Ähnliches konnte er bei einem Halbmarathon in Vreden gerade noch so vermeiden. Dort bekam er unterwegs einen „Hungerast“. Glücklicherweise lief er zu diesem Zeitpunkt gerade an einem Rübenfeld vorbei, sprang kurzerhand über den Weidezaun, riss eine der Zuckerrüben aus der Erde und biss herzhaft hinein.

Langstreckenobmann bei der LG Haltern

Klaus Bröker war aber nicht nur Läufer aus Leidenschaft, sondern ihn interessierte einfach alles rund um seinen Sport. So übernahm er von 1985 bis 2000, parallel zu seinen eigenen Sportaktivitäten, auch die Verantwortung als Langstreckenobmann bei der LG Haltern. Zudem war er als Wettkampfrichter zum Beispiel bei den Werfertagen im Einsatz. Eine ganz besondere Herausforderung erlebte er im Organisationsteam des ersten Halterner Citylaufs 1989. Am Ende freuten sich die rund 80 Helfer, dass nach monatelanger Vorbereitung die Veranstaltung mit rund 250 Teilnehmern ein großer Erfolg wurde.

Bröker, dessen Begeisterung für den Sport immer auch von seiner Familie mitgetragen wurde, zieht insgesamt ein positives Fazit: „Ich bin in rund 30 Läuferjahren gefühlt sicher einmal um die Welt gelaufen. Doch ich bereue nichts, denn ich war immer mit Leib und Seele dabei.“

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