Im alten Lokschuppen am Bahnhof wurden früher Lokomotiven gewartet

mlzLokschuppen am Bahnhof

Historisches Haltern: Heute verrät nur noch die Form des Gebäudes seine ursprüngliche Nutzung: Der alten Lokschuppen am Bahnhof Haltern beherbergt heute zwei Gewerbebetriebe.

Haltern

, 24.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von der Annabergstraße aus sieht man ihm seine ursprüngliche Funktion nicht an: Der alte Lokschuppen am Halterner Bahnhof wird heute von einem Fahrzeugteile-Spezialisten und einem Industriebetrieb genutzt. Früher gab es hier Wartungsplätze für 13 Lokomotiven.

Einer, der sich noch gut an die aktive Zeit des Lokschuppens erinnert, ist Helmut Achterfeld, der 2012 auch ein Buch veröffentlicht hat: In „Wir Kinder vom Bahndamm“ beschreibt er seine Jugend im „Negerdorf“, wie früher die Bahnbediensteten-Siedlung in Bahnhofsnähe genannt wurde.

Helmut Achterfeld, der sich mit der Bahngeschichte in Haltern beschäftigt hat, an der Rückseite des Lokschuppens.

Helmut Achterfeld, der sich mit der Bahngeschichte in Haltern beschäftigt hat, an der Rückseite des Lokschuppens. © Jürgen Wolter

Aufgewachsen im „Negerdorf“

Der Begriff wurde geprägt, weil die Arbeiter oft rußgeschwärzt von der Arbeit nach Hause kamen. Der Bahndamm und die Bahnanlagen waren die Spielwiese von Helmut Achterfeld. „Manchmal nahmen uns unsere Väter oder Nachbarn mit, aber wir sind natürlich auch heimlich aufs Gelände geschlichen“, erinnert er sich.

Die Technik des Bahngeländes wirkte auf die Kinder faszinierend. Stellwerk, Rangierbetrieb, der inzwischen abgerissene Wasserturm und natürlich der Lokschuppen waren beliebte Spielplätze, von denen sie aber immer wieder verjagt wurden. „Die Fahrt in einer Lok auf der Drehscheibe, das werde ich aber nie vergessen“, sagt Helmut Achterfeld. „Eine Lok auf die Drehscheibe zu fahren, das war Millimeterarbeit.“

Die Waschanlage für Lokomotiven blieb lange erhalten.

Die Waschanlage für Lokomotiven blieb lange erhalten. © Jürgen Wolter

Lokschuppen wurde mehrmals neu- und umgebaut

Der Halterner Bahnhof war 1870 eröffnet worden. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es an der Ostseite einen vierständigen Lokschuppen mit einer vorgelagerten Drehscheibe. Dort hatten vier Loks Platz. Mit der Eröffnung der Venloer Bahn wurde der Schuppen auf acht Stände erweitert. Anfang der 1880er-Jahre wurde dieser Bau durch einen ebenfalls achtständigen Ringlokschuppen ersetzt. Dieser bot Platz für bis zu 20 Meter lange Lokomotiven, wurde aber nach 20 Jahren bereits durch einen neuen Lokschuppen an der Westseite des Bahnhofs ersetzt.

Der neue Lokschuppen mit vorgelagerter Drehscheibe bot zunächst Platz für neun Lokomotiven. 1950 wurde er um weitere vier Stände erweitert. Hinzu kamen mehrere Außenstellplätze. In den 50er-Jahren waren durchschnittlich 25 bis 30 Lokomotiven in Haltern stationiert.

Insgesamt 13 Lokomotiven fanden im Lokschuppen Platz.

Insgesamt 13 Lokomotiven fanden im Lokschuppen Platz. © Jürgen Wolter

Gebäude wurde in den 1970er-Jahren verkauft

Mit der fortschreitenden Elektrifizierung wurde es in den sechziger Jahren immer ruhiger im Betriebswerk Haltern. Bis 1974 war es noch eine Außenstelle des Betriebswerkes Münster.

Der nicht mehr benötigte Lokschuppen wurde Mitte der 1970er-Jahre an die Raiffeisen Genossenschaft verkauft. 1980 wurden zunächst die beiden Wassertürme und um 1990 auch die Drehscheibe abgerissen.

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