Im Kino spielt die Halternerin Finja Junietz die Freundin des jungen Hape Kerkeling

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Die Schülerin Finja Junietz (11) wirkt beim Kinofilm „Der Junge muss an die frische Luft“ mit und hat viel zu erzählen. Sie arbeitete sogar mit einer Oscar-Preisträgerin zusammen.

Haltern

, 27.12.2018, 04:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Finja Junietz hat sich 2018 ein Traum erfüllt. Die elfjährige Schülerin aus Haltern spielt im Kinofilm „Der Junge muss an die frische Luft“ nach der Biografie von Hape Kerkeling an der Seite von namhaften Schauspielern und Überraschungstalent Julius Weckauf.

Zweimal fuhr Finja zum Casting, tanzte nach einem Elvis-Song oder sprach Szenen aus dem Film vor. Dann kam in Düsseldorf bei einem Treffen mit Regisseurin Caroline Link das entscheidende Signal. „Ich würde es gern mit Dir machen“, sagte die Oscar-Preisträgerin („Nirgendwo in Afrika“).

An zwölf Drehtagen wirkte Finja an der Entstehung der bitter-süßen Lebensgeschichte des jungen Hans-Peter Kerkeling aus Recklinghausen mit. Dieser entwickelt seine komödiantische Begabung, indem er seine schwermütige Mutter mithilfe von Parodien, komischen Einlagen und Schlagern aufzuheitern versucht. So werden die Grundlagen für den Auftritt des erwachsenen Entertainers Hape Kerkeling als Königin Beatrix vor dem Berliner Schloss Bellevue gelegt.

„Ich kannte den Hape nur als Beatrix“, verrät Finja bei einem Besuch in der Redaktion. Am Set von „Der Junge muss an die frische Luft“ hat sie den Star, der sich vor einigen Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, auch persönlich getroffen. Viel Zeit für einen Austausch blieb allerdings nicht.

Nicht nur die Erwachsenen waren am Set ganz auf die Arbeit konzentriert. Effizienz spielte auch bei den Kindern eine Rolle, denn die Drehtage der jungen Darsteller waren auf jeweils vier Stunden beschränkt, um Kinderarbeit auch in künstlerischen Branchen zu verhindern.

Die Eltern von Finja begleiteten ihre Tochter zu den Drehtagen, die in München und an verschiedenen Orten des Ruhrgebiets stattfanden und übten sich in der Tugend des Wartens. Wenn Finja vor der Kamera stand, hatten ihre Begleiter keinen Zutritt zum Set. So sollten alle Einflüsse von außen vermieden werden.

„Am ersten Drehtag war ich ein bisschen aufgeregt“, sagt Finja. Aber weil sie sich mit Julius Weckauf und den anderen Kinderdarstellern so gut verstand, war die Nervosität schon bald verflogen.

Finja kehrte mit vielen neuen Eindrücken zurück

Als besonders anstrengend hat Finja eine Szene in Erinnerung, die sie gemeinsam mit den anderen Kinderdarstellern und Schauspieler Joachim Król zeigt, der im Film den Opa Willi gibt. „Es war an dem Tag so heiß“, blickt sie zurück. Lustig sei dagegen eine „Klopperei“ gewesen, bei der die Darsteller aufeinander losgehen durften.

Ihre darstellerischen Fähigkeiten schulte die junge Halternerin übrigens nicht nur bei ihrem Filmdebüt. Sie gehört außerdem zum Ensemble des Lea-Drüppel-Theaters in Haltern und hat hier schon bei der ersten Eigenproduktion, dem Musiktheaterstück „Honk - anders als der Rest“ mitgemacht.

Das kleine Theater mit 72 Sitzplätzen unterstützt den Traum von jungen Menschen, sich künstlerisch auszuprobieren und auf der Bühne aufzutreten. Es wurde vor einem Jahr in Erinnerung an die musikbegeisterte 15-jährige Lea Drüppel gegründet, die beim Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen 2015 ums Leben kam.

Bei der Weltpremiere des Films in Essen traf Finja Junietz (4.v.l.) neben Julius Weckauf (Mitte) auch die anderen Kinderdarsteller wieder.

Bei der Weltpremiere des Films in Essen traf Finja Junietz (4.v.l.) neben Julius Weckauf (Mitte) auch die anderen Kinderdarsteller wieder. © Patric Fouad

Das Ergebnis ihres ersten Engagements vor einer Filmkamera bekamen Finja und ihre Eltern bei der Weltpremiere des Streifens „Der Junge muss an die frische Luft“ am 18. Dezember in der Essener Lichtburg zu sehen. Hier stand die Halternerin auch mit den anderen Darstellern auf dem roten Teppich im Mittelpunkt. Am ersten Weihnachtstag (25. Dezember) ist der Film überall in den Kinos angelaufen.

„Ich fand es total cool und würde es gerne noch mal machen“, sagt Finja über ihre Arbeit für das Filmprojekt, das mit positiven Kritiken überschüttet wird. Wenn der Aufwand für die Tochter nicht zu groß ist, würden ihre Eltern einem weiteren Engagement zustimmen. „Es darf Finja aber nicht belasten“, machen sie deutlich.

Träumt diese nun von einer Karriere als Schauspielerin? „Ich würde es später gern machen, aber nicht als Beruf“, erwidert Finja. „Meine Eltern haben mir erzählt, dass es so viele Schauspieler gibt und die meisten ganz wenig Geld verdienen.“

Im Moment freut sich Finja auf das nächste Stück im Lea-Drüppel-Theater, das vom jungen Ensemble selbst geschrieben wird und im nächsten Jahr Premiere feiern soll.

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