Immer mehr Halterner benutzen Grundwasser - Pegel sinkt langsam

mlzGrundwasserpumpen

Heiße Sommer, kaum Regen - immer mehr Halterner nutzen für die Garten-Bewässerung oder die Befüllung ihrer Pools Grundwasser. Wie wirkt sich das auf den Grundwasserstand in der Stadt aus?

Haltern

, 25.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brunnenbauer haben alle Hände voll zu tun. „Die Nachfrage nach Grundwasserbrunnen explodiert“, sagt Elmar Große Perdekamp. Der Dülmener Unternehmer ist oft in Haltern unterwegs. „Wir kommen mit der Arbeit kaum nach“, sagt auch Anja Bolik, Mitarbeiterin der Dirk Ziegenhagen GmbH in Marl. Auch dieses Unternehmen führt zahlreiche Aufträge in der Seestadt aus. Bei anhaltenden Trockenphasen und heißen Sommern schafften sich immer mehr Menschen eine Grundwasserpumpe an, erklären beide Firmen. Damit werden dann Teiche und zunehmend auch Pools gewässert. Noch häufiger allerdings geht es um die Gartenbewässerung. Im Vergleich zum Stadtwasser ist das Grundwasser kostenlos.

Niedrigerer Grundwasserstand als sonst zu Jahresbeginn

Die Auswirkungen auf den Grundwasserstand indes sind zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vollständig absehbar. In den letzten 40 Jahren sei der Grundwasserstand stets um einen Meter nach oben oder unten geschwankt, erklärt André Ziegert, Sprecher der Gelsenwasser AG. Der Trinkwasserversorger betreibt zwei Messstellen im Halterner Stadtgebiet. Anfang 2020 allerdings sei der Pegel ein bisschen niedriger als sonst üblich gewesen.

Das Landesamt für Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz (Lanuv) betreibt in Nordrhein-Westfalen mehr als 1000 Grundwasser-Messstellen. „Das Defizit im Grundwasser wird durch den privaten Verbrauch größer“, stellt Birgit Kaiser de Garcia fest. Grundsätzlich entnehme die Landwirtschaft weit mehr Grundwasser.

In der Landwirtschaft wird besonders häufig mit Grundwasser gewässert.

In der Landwirtschaft wird besonders häufig mit Grundwasser gewässert. © picture-alliance/ dpa

Kaiser de Garcia kann sich aber erinnern, dass es im Sommer 2019 stellenweise zu Engpässen bei der Grundwasserversorgung gekommen war, „weil zu viele Menschen zu schnell und zur gleichen Zeit Grundwasser in ihre Pools gepumpt haben“. Die Grundwasserstände befänden sich aber im mittleren Bereich.

Viele unbekannte Variablen erschweren Prognosen

Eine Prognose zur Entwicklung des Grundwasserstands ist indes nicht möglich. Es gibt zu viele unbekannte Variablen: Das Ausmaß der Niederschläge wirkt sich entscheidend auf den Grundwasserstand aus. Oder der Zustand der Böden aufgrund anhaltender Trockenheitsphasen. Im Februar 2020 beispielsweise hatte es häufig geregnet. „Die trockenen Böden leiteten das Wasser aber nicht bis unten durch. Es blieb bei einer Durchfeuchtung der Böden“, erklärt die Lanuv-Sprecherin. Im Idealfall werden die Grundwasservorräte in den Wintermonaten aufgebaut.

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Trockene Sommer wie in 2018 und 2019 könnten sich wiederholen. Dagegen sei der Sommer 2017 total verregnet gewesen. „Extreme Wetterlagen können mit dem Klimawandel zunehmen“, erklärt Birgit Kaiser de Garcia. Anhaltende Dürreperioden oder sintflutartige Regenfälle. Die Lanuv-Sprecherin stellt fest: „In den letzten 60 Jahren wurden immer wieder Schwankungen beim Grundwasserstand gemessen. Der Trend geht aber langsam nach unten.“

Trinkwasser zur Bewässerung von Gärten oder zur Befüllung von Pools zu benutzen, gilt als Verschwendung. Teuer ist es zudem. Auch dann noch, wenn ein Zwischenzähler für die Gartenbewässerung eingebaut wird. Dieser würde die Abwassergebühr um 2,45 Euro je Kubikmeter (1000 Liter) verringern, erklärt Stadtsprecher Georg Bockey. Ein Zwischenzähler muss bei der Stadt gemeldet werden.

Grundwasserpumpe kostet zwischen 2000 und 4000 Euro

Wer sich für eine Grundwasserpumpe entscheidet, muss die Bohrung sowie die Pumpe bezahlen. Dabei ist es entscheidend, wie tief gebohrt werden muss. Das fällt nach Auskunft der Brunnenbaumeisterbetriebe unterschiedlich aus. „Teilweise gehen wir auf neun Meter runter, andernorts viel tiefer bis zu 25 Meter“, berichtet Elmar Große Perdekamp. Dessen Berufskollege aus Marl empfiehlt nach Auskunft von Mitarbeiterin Anja Bolik Tiefenbrunnen zwischen 25 und 35 Meter, die kaum trockenfallen können. Je nach Tiefe und Pumpe (Saugpumpe, Tiefenpumpe) kommen zwischen 2000 und 4000 Euro auf den Kunden zu.

Analyse des Landesamts für Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz

So waren die Monate April und Mai 2020

Der April 2020 liegt laut Lanuv auf Rang sechs der wärmsten April-Monate seit 1881. Mit einer Mitteltemperatur von 11,3 Grad liegt er mit deutlichen 3,4 Grad über dem Referenz-Mittelwert von 7,9 Grad. Absoluter Spitzenreiter bleibt der April 2018 mit 12,7 Grad. Auch in puncto Niederschlag fällt der diesjährige April auf: Nur 15 Liter Regen fielen pro Quadratmeter - gerade mal 24 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmenge von 62 Litern/m2. Platz eins dagegen gelingt ihm hinsichtlich der längsten Sonnenscheindauer seit 1951 überhaupt. 265 Sonnenstunden wurden dann im Mai 2020 gemessen und damit das langjährige Mittel von 190 Stunden um fast 40 Prozent übertroffen. Dagegen wurden im Mittel nur 18 mm Niederschlag registriert. Dies entspricht gerade mal einem Viertel der sonst üblichen Regenmenge von 72 mm. Damit ordnet sich der Mai 2020 als zweittrockenster seit Aufzeichnungsbeginn 1881 ein. Das hat Auswirkungen auf die Grundwasserstände: Rund zwei Drittel der im April 2020 gemessenen Grundwasserstände befanden sich unterhalb der aller in einem April üblicherweise gemessenen Stände. Der Großteil der Grundwasserstände liegt jedoch weiterhin im mittleren Bereich. Birgit Kaiser de Garcia macht aber auch klar: „Im Vergleich zu den Auswertungen der Vormonate ist eine abfallende Tendenz des Grundwasserstands erkennbar.“
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