Das Altenwohnhaus St. Anna in Haltern © Ingrid Wielens
Pflegeeinrichtungen

Impfpflicht in der Pflege? – Das sagen Halterner Einrichtungen dazu

In Frankreich muss sich Pflegepersonal impfen lassen, wenn es keine Gehaltseinbußen hinnehmen will. Die Meinungen dazu gehen in den Halterner Pflegeeinrichtungen durchaus auseinander.

Ulrike Roß, seit dem 1. Januar 2021 gemeinsam mit Peter Künstler Leitung der Altenwohnhäuser Annaheim, St. Sixtus und Barrierefreies Wohnen an der Gartenstraße, setzt ganz auf Aufklärung, Information und ein einwandfreies Hygienekonzept. „Für das Pflegepersonal unserer Häuser bieten wir regelmäßige Impfangebote, sodass alle die, die wollen, bereits geimpft sind. Des Weiteren haben wir für die Geimpften einen digitalen Impfpass organisiert. Mit einer Impfquote von über 80 Prozent sind wir auf einem guten Weg“, sagt Roß.

Das sei auch den breit gestreuten Informationen und den niedrigschwelligen Impfangeboten geschuldet, so Roß: „Wir möchten, dass sich die Pflegerinnen und Pfleger gut informiert fühlen, beispielsweise nun auch in Bezug auf die Drittimpfung. Dazu gehört auch, dass wir als Geschäftsführung mit gutem Beispiel vorangehen.“

„Der Arbeitgeber sollte nicht in dieser Weise über seine Angestellten bestimmen“

Roß, betriebswirtschaftliche Leitung der Pflegeheime, sieht ein Gesetz zur Impfung von Pflegepersonal wie in Frankreich skeptisch: „Der Arbeitgeber sollte nicht in dieser Weise über seine Angestellten bestimmen. Bei uns im Hause ist es wichtig, dass sich das Personal wohlfühlt und daher sollte die eigene Motivation zu einer Impfentscheidung führen.“

Ulrike Roß ist Geschäftsführerin der Katholischen Altenwohnhäuser St. Anna und St. Sixtus in Haltern.
Ulrike Roß ist Geschäftsführerin der Katholischen Altenwohnhäuser St. Anna und St. Sixtus in Haltern. © privat © privat

Aus Datenschutzgründen werde selbstverständlich im Patientenkontakt nicht zwischen geimpftem und nicht geimpftem Personal unterschieden. „Hier greift unser Hygienekonzept“, erläutert Roß, „wir bieten zweimal wöchentlich bis täglich Corona-Testungen an und sorgen für ausreichende Desinfektion und Abstand, dort wo es möglich ist in der Patientenpflege“. Das habe bislang gut funktioniert. „Wir haben es geschafft, die letzten zwei Jahre keine Fälle hier verzeichnen zu müssen, das wollen wir so fortsetzen.“

Hohe Impfquote auch in der Haardklinik

Dr. Daniel Napieralski-Rahn, Kaufmännischer Direktor für die Betriebsleitung der LWL-Klinik Marl-Sinsen, steht einer Impfpflicht für Pflegepersonal wenig skeptisch gegenüber. „Die Maßnahme in Frankreich, Pflegepersonal verpflichtend zu impfen, gibt allen Beteiligten Sicherheit, Gleiches gilt in Deutschland bereits bei der Masernimpfpflicht. Eine Impfpflicht im Gesundheitswesen würde die Mitarbeiter untereinander schützen, aber insbesondere unsere Patienten, für die es größtenteils keine zugelassenen Impfstoffe gibt. Allein aus diesem Grund wäre eine Impfpflicht sinnvoll und angebracht“, erläutert er.

Dr. Daniel Napieralski-Rahn, Kaufmännischer Direktor für die Betriebsleitung der LWL-Klinik Marl-Sinsen
Dr. Daniel Napieralski-Rahn, Kaufmännischer Direktor für die Betriebsleitung der LWL-Klinik Marl-Sinsen © LWL-Klinik Marl-Sinsen © LWL-Klinik Marl-Sinsen

85 Prozent des Pflegepersonals wurden im Zuge der betrieblichen Impfung mit einem Vakzin gegen das Coronavirus versorgt. Dazu kommen noch einige Pflegerinnen und Pfleger, die sich bereits in den niedergelassenen Impfzentren haben impfen lassen, so die Angaben der Haardklinik. Dr. Napieralski-Rahn bezieht hierzu Stellung: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung und der Chance einer Impfung sehr bewusst.“

Im Patientenkontakt werde allerdings nicht zwischen geimpftem und nicht geimpftem Personal unterschieden. Hier setze die Haardklinik auf ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, so der kaufmännische Direktor: „Wir haben ein striktes Hygienekonzept, welches einerseits unser Personal, aber auch insbesondere unsere Patienten und Patientinnen schützt. So gilt zum Beispiel eine grundsätzliche Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im direkten Patientenkontakt für alle Mitarbeiter ungeachtet des Impfstatus‘. Ein tägliches Screening auf bestimmte Symptome wie Erkältungserscheinungen und Temperaturmessung wird von allen Mitarbeitern durchgeführt. Darüber hinaus haben wir eine durchgehende Teststrategie, die bei Geimpften anlassbezogen greift, beziehungsweise bei Nichtgeimpften turnusmäßig zur Anwendung kommt.“

Klinik-Verbund: Impfen als einzige Möglichkeit, die Pandemie zurückzudrängen

Andreas Hauke, Geschäftsführer des KKRN-Klinikverbundes, zu dem das Sixtus-Hospital Haltern gehört, geht davon aus, dass über 90 Prozent des Pflegepersonals des Klinikverbunds bereits geimpft sei. „Bis Ende Mai konnten wir allen Mitarbeitern ein Impfangebot unterbreiten, das auch sehr gut angenommen wurde“, sagt Hauke. Vor Ort in den Betriebsstätten des Klinikverbundes wurden ca. 70 Prozent der Mitarbeitenden geimpft, hinzu kommen diejenigen, die in Impfzentren und bei Hausärzten geimpft wurden.

Andreas Hauke, Geschäftsführer des KKRN-Klinikverbundes
Andreas Hauke, Geschäftsführer des KKRN-Klinikverbundes © G. Schmidt © G. Schmidt

Das Impfen nehme eine wichtige Stellung im Kampf gegen das Coronavirus ein, wie der Geschäftsführer erklärt: „Neben der konsequenten Einhaltung von Hygienemaßnahmen ist das Impfen derzeit die einzige Möglichkeit, die Pandemie zurückzudrängen und langfristig zu beenden. Hierfür haben wir bei unseren Mitarbeitern erfolgreich geworben.“

Im Haus wurden Ansprechpartner genannt, die bei Fragen rund um die Impfung mit fachlichem Rat unterstützen können. Mithilfe von regelmäßigen Informationsschreiben wurden Mitarbeiter informiert und versucht zu überzeugen, sich impfen zu lassen. Hauke berichtet weiterhin: „Unsere Mitarbeiter sind verpflichtet, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und die umfangreichen Hygieneregeln, die für unsere Häuser gelten, umfassend einzuhalten. Darüber hinaus müssen sich unsere ungeimpften und nicht genesenen Mitarbeiter mehrmals wöchentlich testen lassen.“

Zur Impflicht in Frankreich bezieht er wie folgt Stellung: „Eine Impfpflicht wie in Frankreich wird es für unser Pflegepersonal nicht geben. Sie ist rechtlich auch nicht zulässig. Wir setzen bei unseren Mitarbeitern hier auf kontinuierliche Aufklärung, um so genannte Impfverweigerer von der Notwendigkeit der Impfung zu überzeugen.“

Die ambulanten Pflegedienste PuG, Arte Clean und Konietzka in Haltern wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

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