In der Haard glimmt Holz zu Kohle

Meiler wird Sonntag angezündet

Der Köhler macht aus Holz Kohle! Zum 22. Mal gibt es in der Haard dieses seltene Schauspiel zu sehen, bei dem auch Köhlermeister und Lehrlinge vereidigt werden.

FLAESHEIM

von Von Elke Rüdiger

, 27.04.2011, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Revierförster Kersten Blaschczok sorgt fürs "Familienfoto": Köhlermeister Hermann Hohmann (r.) und seine "Lehrlinge" Manfred Heber (l.) und Silvio Boss vor dem Meiler.

Revierförster Kersten Blaschczok sorgt fürs "Familienfoto": Köhlermeister Hermann Hohmann (r.) und seine "Lehrlinge" Manfred Heber (l.) und Silvio Boss vor dem Meiler.

Die Köhler haben nichts gegen Sonne, aber etwas Regen sei sogar besser. „Wir haben weniger Staub, und das Holz dehnt sich bei Feuchtigkeit aus, alles wird dichter.“ Mit dem Trinkspruch „Gut Brand“ wird am 1. Mai, 13 Uhr, traditionsgemäß der Holzkohlenmeiler entzündet. Etwa drei Wochen lang lebt dann das alte Handwerk der Köhlerei neu auf. So lange dauert es, bis das zu einem Meiler aufgeschichtete Holz verkohlt ist. Die hergestellte Holzkohle gilt als besonders hochwertiger Brennstoff mit hohem Kohlenstoffgehalt (bis 95 Prozent) und hervorragenden Brenneigenschaften. Während dieser Zeit wird der Meiler Tag und Nacht bewacht. Die Männer müssen die Luftzufuhr regeln, Holz in Einsturzlöchern nachschichten. Der Meiler im Wald bedürfe einer besonderen Sorgfalt. Deshalb hat das Trio am Meiler Quartier aufgeschlagen: eine „feudale“ Baubude für den Meister, eine schlichte Hütte für die „Lehrlinge“. Das hat einen weiteren Vorteil: So ist stets ein Ansprechpartner vor Ort, um Gäste am Meilerplatz anschaulich in die Geschichte und Geheimnisse des uralten Handwerks einzuweihen.

Köhler Hermann Hohmann war 50 Jahre in der Forstwirtschaft im Harz tätig, und kennt sich bestens mit der Kohle aus. Zum siebten Mal ist der 70-Jährige in Flaesheim. Ihm ist weder die einfache Lebensart noch die körperliche Arbeit zu viel. Er kennt die Gefahren, scheut sie aber nicht. „Wir müssen mindestens zu zweit sein“, meint er. Beim „Erspüren“ des Holznachlegens steigt der Köhler auf die am Haufen angelehnte Leiter – der Stapel gibt nach. „Das ist nicht ungefährlich. Immerhin herrschen im Brennschacht Temperaturen zwischen 360 und 420 Grad.“

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