In Haltern eröffnet im Mai eine weitere Hausarzt-Praxis

mlzBahnhofstraße

In Haltern fehlen aktuell vier Hausärzte, ab Mai gibt es allerdings Entlastung. An der Bahnhofstraße, im Haus von Familie Risse, werden gerade die leer stehenden Praxisräume renoviert.

Haltern

, 27.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Haltern hat derzeit 18 Hausärzte und ist noch immer unterversorgt. Doch schon bald gibt es Entlastung. Eine Allgemeinmedizinerin aus Recklinghausen lässt sich in den Praxisräumen an der Bahnhofstraße 4 nieder. Am 1. Mai soll Eröffnung sein.

Aufgrund der aktuellen Situation hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (mit Sitz in Dortmund) Dr. Nadine Anstipp einige Tage früher als vorgesehen den Sitz für die hausärztliche Versorgung in Haltern zugesprochen. „Vier Hausärzte fehlen in Haltern, ich war die einzige Bewerberin“, sagt die Ärztin gegenüber der Halterner Zeitung. Jetzt sei sie parallel zur Renovierung damit beschäftigt, die Praxisabläufe vorzubereiten.

Kassenärztliche Vereinigung: „Versorgung ist stabil“

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe beträgt der Versorgungsgrad in Haltern am See im Moment 90,5 Prozent (gemäß aktuell gültigem Beschluss des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen in Westfalen-Lippe vom November 2019). Das bedeute, so die KV, dass sich hier derzeit vier weitere Hausärzte niederlassen könnten. Eine Sperre wird bei einem Versorgungsgrad von 110 Prozent verhängt. Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung ist die hausärztliche Versorgung in Haltern – statistisch gesehen – als derzeit stabil zu bezeichnen.

Zwei wichtige Argumente sprachen für Haltern

Dr. Nadine Anstipp (40) wohnt mit ihrer Familie in Recklinghausen, sie hat zwei Söhne im Alter von acht und elf Jahren. Nach unterschiedlichen Stationen in Krankenhäusern und Praxen reifte ihr Wunsch, sich niederzulassen. „Und zwar dort, wo Hausärzte fehlen und an einem Ort, der mir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert“, sagt sie zu ihren Beweggründen, Haltern als Standort zu wählen. Gute Freunde aus Haltern bestärkten sie darin.

Es ist ein Start zu dritt geplant: Dr. Nadine Anstipp stellte zwei Fachkräfte für das Labor und die Anmeldung ein. Die Allgemeinmedizinerin vertritt nicht nur die reine Schulmedizin, sondern bietet auch Akupunktur an. „Mir ist wichtig, den Patienten ganzheitlich und individuell zu betrachten“, sagt sie. Die Öffnungszeiten möchte sie auf ihre Familie abstimmen, Online-Terminkalender und ein Selbstcheck-In ab der zweiten Behandlung sollen die Abläufe in der Praxis optimieren und Wartezeiten verhindern helfen.

In Bochum geboren, in Recklinghausen zu Hause

Gebürtig stammt Nadine Anstipp aus Bochum, hier studierte sie auch Medizin. Nach Recklinghausen zog sie später der Liebe wegen. Stationen der Ärztin waren unter anderem das St.-Anna-Hospital in Herne, das internistisch-kardiologische Rehabilitationszentrum von medicos.AufSchalke, eine Hausarztpraxis in Herten mit naturkundlichem und diabetologischem Schwerpunkt sowie eine Praxis in Suderwich. Dr. Anstipp qualifizierte sich zusätzlich für die Akupunktur-Behandlung. Nun freut sie sich auf die neue berufliche Herausforderung in Haltern am See.

Halterns Ärztesprecherin Dr. Astrid Keller heißt Dr. Nadine Anstipp willkommen. Die Versorgungssituation in Haltern liege bei 90 Prozent. Das sei noch kein Mangel, aber man merke schon, dass sich die Versorgungssituation in den letzten Jahren verändert habe. Dr. Keller: „Denn immer mal wieder hat die eine oder andere Praxis Aufnahmestopp für Neupatienten, da das Arbeitsaufkommen sehr hoch war und ist.“

Die Voraussetzungen

es gilt Versorgungsgrad von 110 Prozent

Wer sich als Arzt in Deutschland niederlassen möchte, braucht eine Zulassung als Vertragsarzt von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Erst dann ist man überhaupt berechtigt, gesetzlich versicherte Patienten in der ambulanten Versorgung zu behandeln. Ob man als Vertragsarzt zugelassen wird, entscheiden die zuständigen (regionalen) Zulassungsausschüsse. Darin sitzen sowohl Vertreter der zuständigen KV als auch Vertreter der Krankenkassen. In der Sonderregion Ruhrgebiet (dazu gehört Haltern) gilt ab einem hausärztlichen Versorgungsgrad von 110 Prozent eine Niederlassungssperre. Sind noch Niederlassungsmöglichkeiten wie jetzt in Haltern vorhanden, ist kein Ausschreibungsverfahren nötig. Die Genehmigung einer Praxisübergabe bzw. Neuzulassung erfolgt dann über den zuständigen Zulassungsausschuss.
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