Von September 2015 bis August 2016 war das Briten-Camp am Stockwieser Damm eine Notunterkunft für geflüchtete Menschen. Der DRK-Kreisverband Coesfeld betrieb sie. 25 Betreuer waren dort beschäftigt, dazu zehn Mini-Jobber für die Essensausgabe. © Benjamin Glöckner
Briten-Camp

In Haltern steht eine außergewöhnliche Immobilie zum Verkauf

Jahrzehntelang war es der Stützpunkt der britischen Streitkräfte, die im Truppenübungsgelände Borkenberge ihre Übungen durchführten, jetzt sucht die BImA einen Käufer für das alte Camp.

Eine große Flüchtlingswelle forderte 2015 Europa und forderte auch Haltern. Die Stadt mietete damals das ehemalige Briten-Camp als Notunterkunft an und behielt es lange als stille Reserve.

Die Verwaltung ging bislang immer davon aus, dass auch auf lange Sicht weitere Flüchtlinge unterzubringen seien. Häufig musste sie damals unter Druck Unterkünfte aus dem Boden stampfen, deshalb wollte sie vorsorgen. Aus dem Grunde blieb das Mietverhältnis lange bestehen. So hatte die Stadt Platz zur Unterbringung etwaiger, kommunal zugewiesener Flüchtlinge. Doch es zogen keine geflüchteten Menschen mehr ein, die Unterkünfte in der Stadt reichten als Zufluchtsorte aus. Am 31. Mai 2020 gab die Stadt Haltern deshalb die Liegenschaft an die Eigentümerin, BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), zurück.

Stadt Haltern nutzte ihr Vorkaufsrecht nicht

Und nun? Die BImA will die Liegenschaft am Stockwieser Damm 111 loswerden. „Die Liegenschaft ist grundsätzlich für Zwecke des Bundes entbehrlich und damit zu veräußern“, schreibt Thorsten Grützner (Stabsstelle Presse und Kommunikation, Bonn) auf Nachfrage der Halterner Zeitung. Eine längerfristige Vermietung oder sogar der Abriss durch die BImA sei nicht vorgesehen. Die Bundesanstalt hat der Stadt die Option des ersten Zugriffs auf das Camp eingeräumt. Hiervon hat die Stadt allerdings keinen Gebrauch gemacht. Jetzt wird der Verkauf der früheren Büros auf dem offenen Immobilienmarkt vorbereitet.

Die Stadt Haltern als Trägerin der Planungshoheit hat mitgeteilt, dass sie nicht beabsichtige, für das Areal einen Bebauungsplan aufzustellen. Damit handelt es sich bei der Liegenschaft um eine Immobilie im Außenbereich nach Paragraf 35 des Baugesetzbuches. Das schränkt die Möglichkeiten einer zukünftigen Nutzung ein.

Camp ist als Fläche für die Forstwirtschaft dargestellt

„Die Fläche ist im Flächennutzungsplan der Stadt nicht gesondert ausgewiesen, sondern im Zusammenhang mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz als Fläche für die Forstwirtschaft dargestellt“, erklärt Halterns Baudezernent Siegfried Schweigmann. Die Aufstellung eines Bebauungsplanes sei nicht ohne weiteres möglich.

Zulässig wären Vorhaben, die einem forstwirtschaftlichen oder landwirtschaftlichem Betrieb oder der gartenbaulichen Erzeugung dienen. Alternativ wäre auch ein Vorhaben, das der öffentlichen Versorgung mit Strom, Gas, Wärme, Wasser oder der Telekommunikation dient. Aber auch ein ortsgebundener Betrieb könnte sich dort ansiedeln. „Im Einzelfall können wir sehr eingeschränkt weitere Vorhaben zulassen. Sie dürfen dem Flächennutzungsplan jedoch nicht widersprechen“, erläutert Siegfried Schweigmann.

Zu Höchstzeiten lebten im Camp 164 geflüchtete Menschen

Geschlossen wurde die vom Deutschen Roten Kreuz im Auftrag der Stadt geführte Landesnotunterkunft am Stockwieser Damm am 30. August 2016. Zu Höchstzeiten lebten dort 164 geflüchtete Menschen. In dieser Erstaufnahme-Einrichtung mit 220 Plätzen gab es wenig Privatsphäre, die Wohnverhältnisse waren schlicht.

Die Stadt hatte die Büros des ehemaligen Britencamps im August 2015 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben angemietet – ohne jedoch dafür Miete zu entrichten – und dann dem Land als Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Organisiert wurde der Alltag vom DRK-Kreisverband Coesfeld.

Die Geflüchteten fühlten sich trotz der Einfachheit in der Regel in Sythen wohl. Das hatte sicherlich auch mit der Fürsorge zu tun, die ihnen Halterner Ehrenamtliche dort zukommen ließen. Menschen aus Syrien, dem Iran und Irak, aus Afghanistan, Ghana, Marokko und Mazedonien im Alter von 0 bis 72 Jahren verließen im August 2016 Sythen in der Hoffnung, nach der Aufenthaltsgestattung auch die Anerkennung in Deutschland zu bekommen.

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Elisabeth Schrief

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