Innenminister äußert sich zur 24-Stunden-Wache

Ralf Jäger bei der Kreispolizei

"Einbrüche sind in Nordrhein-Westfalen ein echtes Problem." Das hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwochabend bei einer Info-Veranstaltung der Polizei im Bildungszentrum des Handels in Recklinghausen deutlich gemacht. Dort stellte er sich den kritischen Fragen von 70 Bürgern - auch aus Haltern am See. Wir dokumentieren die wichtigsten Aussagen des Innenministers.

HALTERN

, 14.04.2016, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger stellte sich am  Donnerstagabend in Recklinghausen den kritischen Fragen der Bürger.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger stellte sich am Donnerstagabend in Recklinghausen den kritischen Fragen der Bürger.

Wie haben sich die Einbruchszahlen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Die Zahlen sind seit 2005 in halb Westeuropa dramatisch gestiegen, erklärte Ralf Jäger. Mehr als 62000 Einbrüche sind 2015 in NRW angezeigt worden, das sind rund 18 Prozent mehr als im Jahr davor. In Haltern am See steigen die Zahlen seit sechs Jahren kontinuierlich.

Worin sieht der Innenminister die Ursache für den Anstieg?

Die Zunahme der Einbrüche sei auf Täter aus Süd-Ost-Europa zurückzuführen. "Sie nutzen die freien Grenzen", sagt Ralf Jäger. Aber, das betonte der Innenminister, es gibt natürlich auch die "klassischen heimischen" Einbrecher. Er will die Bevölkerung aus Süd-Ost-Europa auf keinen Fall brandmarken.

Was sagt der Innenminister zu einer 24-Stunden-Wache in Haltern?

Ralf Jäger hält eine 24-Stunden-Wache nicht für die Lösung der Probleme. Er sagt: "Die meisten Einbrüche finden nicht nachts statt, sondern tagsüber. Die Einbrecher wollen dem Bewohner nämlich nicht begegnen. Und die Wahrscheinlichkeit, nachts auf Bewohner zu treffen, ist eben nachts viel größer als tagsüber. Es liegt auch nicht an der Polizeipräsenz. Die Polizei kann nicht zu jeder Zeit an jedem Ort sein."

Wie geht die Polizei gegen die Einbrecher vor?

Mit mehr Personal und neuen Einsatzkonzeptionen, so Ralf Jäger. Außerdem richte die Polizei mehr Laboratorien des Landeskriminalamtes ein, um mehr DNA-Proben analysieren zu können. "Trotzdem treten wir etwas auf der Stelle", gab Ralf Jäger zu. "Wir stecken immer mehr Ressourcen rein, die irgendwann endlich sind. Wir brauchen deshalb die Mithilfe der Bevölkerung."

Wie kann diese Mithilfe denn aussehen?

Die Polizei brauche die Bereitschaft der Bürger, bei verdächtigen Beobachtungen sofort die 110 zu rufen. "Kein Mensch macht sich strafbar oder muss eine Gebühr bezahlen, wenn er überflüssigerweise die Polizei ruft", so Ralf Jäger, der an die Zuhörer appellierte: "Geben Sie in der Nachbarschaft aufeinander acht."

Wer sind die Einbrecher und wie gehen sie vor?

Es handelt sich überwiegend um Banden. Diese gehen hochprofessionell vor - "heute sind sie in Recklinghausen, morgen in Bremen und übermorgen in Amsterdam", erklärte Ralf Jäger. Sie sind sehr mobil und agieren über Ländergrenzen hinweg. Sie seien Intensivtäter, die davon leben würden, zehn Einbrüche innerhalb einer Stadt zu machen, um dann weiter zuziehen. Dabei gehen sie arbeitsteilig vor: Die ersten Täter baldowern aus, wo es gute Einbruchsmöglichkeiten gibt: Wo ist die nächste Autobahnauffahrt? Wo gibt es etwas zu holen? Die zweiten Täter machen den Bruch selbst. Die dritten Täter übernehmen den Vertrieb der Beute. Diese werde meistens außerhalb Deutschlands verkauft.

Sie würden außerdem zwei Handys nutzen: Wenn sie morgens losfahren, werden die privaten Telefone ausgeschaltet. Vor und nach den Einbrüchen nutzen die Täter dann Prepaid-Handys, die schwer nachzuverfolgen sind. "Es ist eine Klientel, die uns die Arbeit äußerst schwer macht", fasste Ralf Jäger zusammen. Am häufigsten werde im Kreis freitags und samstags eingebrochen.

Wenn die Einbrecher so länderübergreifend agieren, muss sich die Polizei darauf einstellen?

Ja. Deswegen wolle man noch stärker mit den Nachbarländern kooperieren.

Kann man sich in NRW eigentlich noch sicher fühlen?

"Ja", sagte Ralf Jäger. Die Zahl der Gewalttaten, Sexualdelikte und Straftaten gegen das Leben sei gesunken. "Wir leben in einem der sichersten Länder der Welt", so Ralf Jäger. "Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, ist so gering wie nie." Die Einbruchskriminalität berühre die Menschen aber besonders, weil sie in die Privatsphäre der Menschen eindringe. Insgesamt würden Einbrüche 4,3 Prozent aller Straftaten in NRW ausmachen.

Lesen Sie jetzt