Instagram-Party im Westuferpark nach Polizeiermittlungen abgesagt

mlzHalterner Stausee

Die Nachricht verbreitete sich schnell: Unbekannte hatten via Instagram zu einer großen Party im Westuferpark eingeladen. Die Polizei befasste sich mit dem Fall, jetzt kam die Absage.

22.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einigen Jahren waren sogenannte Facebook-Partys weltweit ein Thema. Einzelne Nutzer haben über das soziale Netzwerk öffentlich zu Veranstaltungen eingeladen und hunderte Gäste haben mehrmals die örtlichen Rahmenbedingungen beim „Gastgeber“ überfordert.

Seit dem vergangenen Wochenende verbreitete sich ein Beitrag aus dem Foto- und Videonetzwerk Instagram schnell in Haltern am See. Jemand hatte das Profil „wupparty“ extra angelegt und dort nur ein einziges Bild gepostet. „Everybody is welcome, 100% escalation guaranteed“ war da zu lesen: „Jeder ist willkommen, 100 Prozent Eskalation garantiert“. Mehr als 150 Menschen folgen dem Kanal, die Mundpropaganda reichte deutlich weiter.

Eine Mutter meldete sich bei der Polizei

Im Text unter diesem Bild stand: „Die erste Party in NRW, wo ihr entscheiden könnt, wie die Party abläuft.“ Über Instagrams Story-Funktion sollten die Gäste abstimmen, „welchen Wandel die Party nimmt“. Getränke sollten die Besucher selbst mitbringen. Allerdings war die Veranstaltung nicht angemeldet, nach wenigen Tagen meldeten sich besorgte Jugendliche mit der Frage bei unserer Redaktion, wie ernst diese Einladung zu nehmen sei.

Auch die Mutter eines Jugendlichen habe sich bei der Polizei gemeldet, um über die Einladung zu informieren, berichtet der Sprecher der Halterner Stadtverwaltung Georg Bockey. Am Mittwochabend (20. März) kam dann über das Instagram-Profil „wupparty“ die Absage: „Aus persönlichen Gründen“ werde die Party nicht stattfinden. „Dennoch könnt ihr euch in Zukunft auf Neuigkeiten freuen“, heißt es.

Instagram-Party im Westuferpark nach Polizeiermittlungen abgesagt

© Kevin Kindel

Auf Anfrage unserer Redaktion haben die Urheber des Instagram-Profils anonym ihre Absicht erklärt: „Wir sind eine Gruppe, die Haltern vorantreiben will“, schreibt jemand: „Wir haben ein großes Vorhaben, welches in Planung ist und sich möglichst in naher Zukunft realisieren lässt.“ Dafür seien auch offizielle Gespräche im Gange. Für diese Woche seien rechtliche Fragen zu groß geworden.

Auf unsere Frage, wie viele Personen in welcher Altersgruppe hinter der Initiative stecken, kam die Antwort: „Wir werden uns so schnell es geht vorstellen. Wir bitten da um Verständnis.“ Für diese Woche habe man mit 200 bis 250 Partybesuchern geplant.

Organisatoren des 1. Mais ärgern sich über die Einladung

Verwaltungssprecher Georg Bockey sagt: „Wenn sich 20 Leute im Park treffen und Musik hören ist das grundsätzlich unstrittig.“ Vorausgesetzt, diejenigen nehmen ihren Müll mit und halten die Lautstärke im Rahmen. Doch für größere Veranstaltung braucht es eben einen Verantwortlichen, der die Fäden in der Hand hält, erklärt auch Polizeisprecher Michael Franz. „Wenn die Masse nicht mehr überschaubar ist, müssen wir als Polizei aufmerksam sein“, sagt er. Die Beamten bewerten die Lage und schauen, ob Gefahren entstehen könnten.

Bei der großen Party, die jedes Jahr am 1. Mai im Westuferpark stattfindet, gibt es offiziell keinen Veranstalter, die großen Musikwagen müssen aber bei der Stadtverwaltung angemeldet werden. Die Stadt duldet an diesem Tag laute Musik bis 22 Uhr. Einige Organisatoren dieser Wagen haben sich sehr über die neue Instagram-Einladung geärgert.

„Eine Unverschämtheit von den Leuten, so etwas so kurz vor dem 1. Mai aufzufahren und die Leute zu reizen“, meint einer von ihnen: „Wir sind alle froh, dass die Leute uns am 1. Mai feiern lassen und jetzt kommt so was.“

Kommentar

Kevin Kindel: Im Kern eine gute Sache

Da ist wohl jemand etwas zu blauäugig an die Sache rangegangen. Im Kern ist es doch gut, so eine selbst organisierte Party auf die Beine zu stellen. In unserem Ortsteil-Check haben viele Halterner bemängelt, dass es für Jugendliche zu wenig Angebote in Haltern gebe. Jetzt gibt es eben eine Gruppe, die selbst etwas ins Leben rufen will. Doch die läuft fast naturgemäß direkt vor Hürden. Sicherlich spielt bei so einer Geschichte auch etwas jugendlicher ziviler Ungehorsam eine Rolle, doch die Einladung war schon etwas zu professionell gemacht. Das gepostete Bild sah aus wie ein Flyer einer Disko, dazu die Einladung zur „Eskalation“. Das war einfach zu viel. Natürlich müssen Polizei und Ordnungsamt da tätig werden. Doch den Organisatoren ist zu wünschen, dass sie in Absprache mit den Behörden einen kontrollierten Weg finden, ihr Vorhaben in der Zukunft mit genug Vorbereitung zu realisieren.
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