Internet macht’s möglich: Kinderchor und Musikschulen musizieren

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Die Kinder des Sixtus-Kinderchors, deren Musical wegen des Coronavirus verschoben wurde, und zwei Musikschulen haben eins gemeinsam: Sie nutzen jetzt das Internet zum Musizieren.

Haltern

, 05.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange hatten sich die mehr als 60 Kinder des Sixtus-Kinderchors auf die Premiere gefreut. Am vergangenen Wochenende wollten sie zusammen mit Kantor Thomas Drees das Musical „Der kleine Tag“ in der Marienkirche aufführen. Zwei Vorstellungen waren geplant. Die Coronavirus-Pandemie hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Die Kinder sind noch immer frustriert“, sagt Marija Peters, eine der Mütter, die das Projekt betreuen.

Üben und Singen mithilfe des Internets

Natürlich werde das Musical zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Situation es wieder erlaube, nachgeholt, versprach sie. „Aber für die Kinder ist das gerade sehr schwer, darauf zu warten.“ Kantor Thomas Drees versucht derweil, die zähe Wartezeit ein wenig zu versüßen.

Jede Woche stellt er auf Youtube ein Musikvideo für die sechs- bis 13-jährigen Sängerinnen und Sänger online. „Es geht darum, in Übung zu bleiben“, erklärt Marija Peters. Und den Spaß am Singen nicht zu verlieren. 27 Aufrufe hatte Drees’ erstes Übungsstück binnen kürzester Zeit. Der Kantor begleitet das Lied „Wir sind Gottes Melodie“ am Klavier. Während die Noten gezeigt werden, singt Drees das Lied vor.

Musikschulunterricht via Skype und Whatsapp

Das weltweite Netz macht sich in diesen Wochen auch Markus Langhorst zunutze. Weil die Musikschulen ebenfalls geschlossen bleiben müssen, bietet der Leiter der Musikschule Da Capo in Haltern zusammen mit seinem Team den Unterricht online an. Rund 80 Prozent der Schüler seien begeistert von der Idee und musizierten mit ihren Lehrern nun via Skype oder Whatsapp, sagt Langhorst.

Markus Langhorst gibt Online-Musikunterricht.

Markus Langhorst gibt Online-Musikunterricht. © privat

Zunächst werden die Noten per Mail zugestellt, erklärt er das Prozedere. Danach werde dann online geprobt - egal, ob an Klavier, Keyboard, Saxofon, Schlagzeug, Gitarre oder Querflöte. Es wird vorgespielt, korrigiert und sogar zusammen musiziert. Eine Kamera steht vor Langhorsts Klavier. Er freut sich über diese technischen Möglichkeiten. „Wir benötigen lediglich ein Handy, ein Laptop oder ein Tablet, um dann miteinander zu kommunizieren“, sagt er. Sehr groß sei der Aufwand also überraschenderweise nicht gewesen.

Ein wenig Normalität

Langhorst sieht noch einen weiteren Vorteil in der neuen Methode. Durch den Musikunterricht komme auch für die Schüler ein wenig Normalität in den Alltag, meint der Klavierlehrer. Ein Ende des Coronavirus sei ja schließlich noch nicht abzusehen.

Die Städtische Musikschule hingegen ist auf die Eigeninitiative der Kollegen angewiesen. Wie Leiterin Verena Voß erklärt, gebe es keine digitalen Lernplattformen in der Musikschule. Es gebe allerdings ein großes Engagement seitens der Kollegen. Viele seien sehr kreativ, um ihre Schüler von zu Hause aus mit alternativen Methoden zu betreuen - beispielsweise per Telefon, Videochat oder Skype. So sei eine Beschäftigung mit Musik bis hin zum Online-Unterricht weiter möglich. „Es ist sicherlich nicht für alle Unterrichtsformen sinnvoll, aber ich habe viele Rückmeldungen, dass es Lösungen gibt“, berichtet Verena Voß.

Ausgefallene Musikunterricht-Stunden werden erstattet

Dennoch bestehe aber die Möglichkeit, eine Erstattung für Stunden, die durch die Schulschließung ausgefallen sind, zu beantragen. Dazu werde in Kürze allen Schülern bzw. Eltern ein entsprechendes Informationsschreiben zugehen.

Ob der Online-Musikunterricht auch ein Modell für die Zukunft sein könnte, muss sich indes erst noch zeigen. Markus Langhorst und auch die Kollegen von der Städtischen Musikschule freuen sich erstmal wieder darauf, direkten Kontakt mit den Schülern haben zu können. Und richtig analog musizieren zu können.

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