Irreführende Corona-Broschüre in Haltern im Umlauf - Stadt warnt

Coronavirus

Die Stadt warnt vor einer Broschüre, in der Corona verharmlost und das Maskentragen mit Kindeswohlgefährdung gleichgesetzt wird. Ratsfrau Marlies Breuer ist erbost über diese Post.

Haltern

, 01.12.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Broschüre macht einen offiziellen Eindruck - ist aber eine private Initiative.

Die Broschüre macht einen offiziellen Eindruck - ist aber eine private Initiative. © Jürgen Wolter

Seit einigen Tagen werden in Haltern Hochglanzbroschüren verteilt, die Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Covid-19 infrage stellen. Es heißt beispielsweise, Masken gefährdeten das geistige und körperliche Wohl der Kinder und seien Auslöser für Infektionen mit Corona oder andere schwere Lungenerkrankungen. Auf 50 Seiten werden steile Thesen aufgestellt mit der Aufforderung, in Schulen auf Masken zu verzichten und mit der Ankündigung, die Maskenpflicht mit Rechtsmitteln verhindern zu wollen.

130 Mediziner stehen mit ihren Namen dazu. Außerdem weitere Berufsgruppen - „vom Busfahrer zur Supermarktverkäuferin, vom Informatiker zur Juristin, vom Diplom-Sozialpädagogen bis zum Lehrer. Was uns bei diesem Schreibprojekt einte, war die Liebe für und Sorge um unsere Kinder“ heißt es wörtlich.

Marlies Breuer: „Wurfsendung ist eine Gefahr“

Die Stadt warnt ausdrücklich vor dieser irreführenden Broschüre. Marlies Breuer, WGH-Ratsmitglied, zeigte sich im Gespräch mit der Halterner Zeitung empört. Bei ihr lag die Broschüre am Freitagmorgen im Briefkasten. „Ich fühle mich durch diese Wurfsendung belästigt und sehe sie als Gefahr an“, reagierte sie erbost. Den Inhalt, nicht das Tragen der Maske, wie in der Schrift behauptet wird, empfindet sie als Kindeswohlgefährdung.

Marlies Breuer, Mitglied im Halterner Stadtrat, fühlt sich von der Broschüre und ihrem Inhalt belästigt.

Marlies Breuer, Mitglied im Halterner Stadtrat, fühlt sich von der Broschüre und ihrem Inhalt belästigt. © privat

„Ich stehe zu den aktuellen Maßnahmen“, sagt Marlies Breuer, die als 73-Jährige die derzeit geltenden Hygieneregeln sehr ernst nimmt. Das Verbreiten der „Hetzschrift“ empfindet sie als äußerst bedenklich. Auch andere Halterner meldeten sich in der Redaktion, um ihren Unmut kundzutun.

Die Stadtverwaltung bittet darum, die Broschüre nicht zu beachten. Diese trägt den harmlosen Titel „Wissenswertes für SchulleiterInnen, Lehrkräfte und Eltern schulpflichtiger Kinder“ und erweckt zunächst den Eindruck einer offiziellen Veröffentlichung. Dies ist aber nicht der Fall.

Herausgeber der Broschüre ist Dr. Bodo Schiffmann, ein Arzt aus Sinsheim, der schon häufig als Gegner der Corona-Maßnahmen öffentlich in Erscheinung getreten ist.

Stadt rät: Am besten ab in den Mülleimer

Unter anderem werden hier Maßnahmen, die zum Schutz vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus erlassen wurden, massiv angezweifelt. Beispielsweise wird unterstellt, das Tragen einer Maske berge Gesundheitsrisiken, welche im Verhältnis zu den Gefahren einer Erkrankung mit Covid-19 gleichrangig oder sogar schlimmer wären. Corona sei im Übrigen eine vergleichsweise harmlose Erkrankung.

Der Behauptung, Corona-Maßnahmen würden ohne Rechtsgrundlage erlassen, tritt Bürgermeister Andreas Stegemann entschieden entgegen. „Das ist falsch. Ich warne dringend davor, den Behauptungen dieser Broschüre Beachtung zu schenken.“ Am besten wandere sie dahin, wo sie hingehöre: In den Müll.

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