Ein Blick auf den Verkehrsknotenpunkt Recklinghäuser Straße/Flaesheimer Straße. © www.blossey.eu
Verkehr Hamm-Bossendorf

Ist die Flaesheimer Straße überlastet? – Das sagen Stadt und Politik dazu

Bossendorf wird sich durch die Katharinenhöfe und neue Häuser am Römerweg weiter verändern. Doch Anwohner haben weniger Angst vor baulichen Veränderungen als vor zunehmendem Autoverkehr.

In Hamm-Bossendorf wird an zwei Stellen gebaut: Erst auf dem ehemaligen Dickerhoff-Gelände – dort entstehen die Katharinenhöfe – später am Römerweg. Beide Wohnquartiere werden über die Flaesheimer Straße erschlossen. Anwohner haben Sorge, dass die Belastung durch den Autoverkehr zu groß wird.

Baudezernent Siegfried Schweigmann sieht das nicht so: Umfangreiche Untersuchungen und gutachterliche Bewertungen kämen zu dem Ergebnis, dass die „hinzutretenden Verkehre“ problemlos aufgefangen werden könnten. Es bestünden deshalb seitens der Stadt keine Bedenken, sagte er auf Nachfrage.

Für die Katharinenhöfe sehen Verwaltung und Politik (sie stimmte ausnahmslos für die Pläne) keine alternative Lösung. Es verstehe sich von selbst, dass eine Erschließung von der Wesel-Datteln-Kanalseite unmöglich sei, aber auch eine Erschließung über die L 551 sei ausgeschlossen, so Siegfried Schweigmann. Eine zusätzliche Anbindung sei so kurz nach dem Knotenpunkt Recklinghäuser Straße / Flaesheimer Straße nicht möglich.

Schweigmann erläutert dazu: „Das Verkehrsaufkommen war dort mit 11.000 bis 15.000 Kraftfahrzeugen täglich viel zu hoch, während das Verkehrsaufkommen auf der Flaesheimer Straße mit nur 3400 bis 4500 Fahrzeugen pro Tag die zusätzlichen Verkehre gut aufnehmen kann.“

„Verkehrsgutachten wurde auf Plausibilität geprüft“

Um dem Rat diese Meinungsbildung zu ermöglichen, hat die Verwaltung das Verkehrsgutachten eingefordert und zum Gegenstand des Abwägungsprozesses gemacht. Es wurde von der Verwaltung auf Plausibilität geprüft, betont Siegfried Schweigmann.

Weitere Gründe für die Lösung Flaesheimer Straße bestanden laut Baudezernent in den ungünstigen topographischen Verhältnissen, da das Dickerhoffgelände insbesondere zur Recklinghäuser Straße mit fast vier Metern Höhenunterschied deutlich tiefer liegt. Zudem hätte die Bushaltestelle verlegt werden müssen, so Siegfried Schweigmann.

Aus diesen Gründen wurde eine Erschließungsstraße aus dem Gebiet zur Flaesheimer Straße gelegt und eine weitere zum Kapellenweg. Damit sind vergleichbar mit dem Baugebiet Ecksteinshof ebenfalls zwei Erschließungsstraßen zum Wohnquartier vorhanden.

SPD-Ratsherr sieht Problem auf Bossendorfer zurollen

Auch der Römerweg mündet in die Flaesheimer Straße. Eine Anbindung des dort gelegenen neuen Wohngebietes „Am Schulte Hülsen“ an die L 551 ist nicht vorgesehen. Das kritisieren SPD und Wählergemeinschaft.

SPD-Ratsherr Volker Klose, der in Hamm-Bossendorf wohnt, kennt die für ihn verständliche Aufregung der Bossendorfer aus einem Bürgerdialog, zu dem die SPD 2019 eingeladen hatte. Er sieht da ebenfalls ein Problem auf den Ortsteil zurollen. Die neue Siedlung müsse eine Zu- und Einfahrt zur Recklinghäuser Straße haben, um den Verkehr auf der Flaesheimer Straße zu entlasten.

Gerechnet mit Zahlen aus 2017

Die Untersuchung zum Verkehr in Hamm-Bossendorf unterstellt einen Bevölkerungsrückgang von 2017 bis zum Jahr 2030 um rund 1400 Einwohner und 3 Prozent weniger Fahrten. Diese Annahme basiert auf den amtlichen Zahlen von IT.NRW, dem früheren Statistischen Landesamt. Obwohl Haltern wächst, rechnet das Verkehrsgutachten trotzdem mit den Zahlen aus 2017, um diesbezüglich auf der sicheren Seite zu sein, wie die Stadt sagt. 2030 wird mit einer Stagnation der Verkehrsbelastung gerechnet.

Volker Klose denkt aber noch weiter: „Wir brauchen ein Gesamtkonzept und zwar vom Knotenpunkt Glashütte in Haltern bis nach Hamm-Bossendorf.“ Gerade der Wender an der Glashütte sei wichtig, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten. Einen ebenso akuten Handlungsbedarf sieht er in der Sanierung der alten Recklinghäuser Straße (dazu liegt jetzt ein SPD-Antrag vor) und einem sicheren Radweg zwischen seinem Ortsteil und Haltern-Mitte.

Zur verkehrstechnischen Untersuchung, das Bestandteil für die Entscheidung zum Bebauungsplan war, sagt Volker Klose, er sei überzeugt, dass die Praxis andere Ergebnisse zeigen werde.

CDU will Situation entsprechend beobachten

CDU-Ratsfrau Sarah Kristina Irmen, die im Wahlbezirk Hamm-Bossendorf ein Direktmandat holte, erinnert an die regen Bürgerbeteiligungen vorab. Man habe durch Anpassung der Pläne versucht, auf die Bedenken der Bürger einzugehen. „In Folge dessen ergab sich die heutige und meiner Meinung nach stark nachgebesserte Situation. Die Planung ist somit vollständig abgeschlossen. Wir schließen uns den Gutachten an, werden die Situation aber natürlich entsprechend beobachten“, sagt sie gegenüber der Halterner Zeitung.

Mit den Familien am Römerweg habe sie während des Wahlkampfes Gespräche geführt, deren Bedenken seien bekannt. Durch den nun im Stadtentwicklungsausschuss gefällten Beschluss der Öffentlichkeitsbeteiligung bekämen die Anwohner frühzeitig die Möglichkeit, nochmals ihre Bedenken und Vorschläge direkt zu äußern. Irmen: „Der Römerweg ist ein sehr attraktives und hochwertiges Wohngebiet, das in seiner Form natürlich nicht negativ verändert werden soll.“

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Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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