Jäger in großer Sorge

Zerstörter Ansitz

Als Jagdaufseher Matthias Büning am Samstagnachmittag im Revier nahe des ehemaligen Schacht 9 in der Hohen Mark unterwegs war, traute er seinen Augen nicht: Er stieß auf einen völlig zerstörten Jagd-Ansitz.

HALTERN

von Jürgen Wolter

, 11.01.2016, 16:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der fahrbare Ansitz wurde komplett zerstört.Himmelmann

Der fahrbare Ansitz wurde komplett zerstört.Himmelmann

"Eigentlich hatte ich ein anderes Ziel, aber dann fiel mir auf, dass dort abseits des Weges etwas nicht stimmte. Zuerst dachte ich, ein Baum sei auf den Hochsitz gestürzt, aber als ich näher kam, sah es aus, als sei der Ansitz geplatzt", beschreibt er seinen Eindruck.

Büning alarmierte die Polizei, die wenig später eintraf und auch die Spurensicherung hinzuzog. "Die Teile des Hochsitzes waren im Umkreis von rund 15 Metern verteilt", sagt Matthias Büning. "Die Spurensicherung hat den Tatort untersucht und einige merkwürdig verbogene Blechteile gefunden."

Keine "Dumme-Jungen-Streich"

Die Jäger sind beunruhigt, vor allem, da es sich bei dem zerstörten Ansitz nicht um einen Einzelfall handelt. "Vor rund zwei Wochen wurde im Frettholz unweit der Autobahnraststätte Hohe Mark Ost ein Hochsitz komplett abgefackelt", sagt Heinz Himmelmann, Leiter der Hegerings Haltern. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Fällen gibt, ist unklar. Heinz Himmelmann geht bei der Zerstörung des Ansitzes am Schacht 9 aber nicht von einem Dumme-Jungen-Streich aus. "Mit ein paar Silvesterknallern kann man eine solche Zerstörung nicht erreichen", glaubt er. Alles deute eher auf irgendeine Art von Sprengsatz hin, vielleicht selbst gebastelt. "Es hat einen lauten Knall gegeben, den mehrere Anwohner sogar noch in einiger Entfernung wahrgenommen haben", so Himmelmann.

Keine Hinweise auf Jagdgegner

Hinweise darauf, dass möglicherweise Jagdgegner hinter der Zerstörung stecken, gibt es nicht. "Es hat aber in den letzten Jahren mehrere Fälle von Zerstörungen oder Beschädigungen an Hochsitzen im Raum Haltern gegeben", sagt Heinz Himmelmann. Die Jäger haben Anzeige erstattet, immerhin beläuft sich der Schaden auf gut 500 Euro.

"Ich habe alle Jäger in der Umgebung informiert. Wir wollen jetzt verstärkt die Augen aufhalten", sagt Himmelmann. 

Weitere Fälle

Die zerstörte Kanzel des beweglichen Hochsitzes in der Hohen Mark ist kein Einzelfall. Ende November brannte ein Hochsitz an der Münsterstraße, vor rund 14 Tagen ein weiterer am Rand von Sythen nahe der A 43.

Von zwei weiteren Fällen berichtet Oberforstrat Kersten Blaschczok vom Forsthof Haard: „In der Silvesternacht sind zwei Hochsitze im südöstlichen Bereich der Haard Richtung Oer-Erkenschwick betroffen gewesen, sie wurden angesägt“, so Blaschczok.

Nicht alle Fälle sind der Polizei bekannt. Im aktuellen Fall des gesprengten Hochsitzes wurden Ermittlungen aufgenommen. Beim Staatsschutz lägen derzeit keine Erkenntnisse darüber vor, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handeln könnte, sagt Polizeisprecher Michael Franz. Solche habe es zwar im Raum Castrop-Rauxel gegeben, bisher aber nicht in Haltern.

Zusammenhang mit Drückjagden?

Auch vor einem Jahr häuften sich Fälle von Zerstörungen von Hochsitzen. „Ob diese jeweils im Zusammenhang mit Drückjagden stehen, darüber kann man nur spekulieren“, sagt Eckhard Wildhagen, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Haard/Haard-Vorland. „Es kommt immer wieder zu solchen Zerstörungen, manchmal im Zusammenhang mit Drückjagden. Dann fühlen sich Zeitgenossen bemüßigt, vermeintlich etwas zum Schutz der Tiere tun zu müssen.“

Eckhard Wildhagen rät betroffenen Jagdpächtern, Anzeige zu erstatten. „Wer Stufen eines Hochsitzes ansägt, begeht nicht nur Sachbeschädigung. Er gefährdet Gesundheit und Leben der betroffenen Jäger“, so Wildhagen.

 

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