Jahrgangsübergreifendes Lernen schult das Miteinander und Voneinander

Interview mit einer Rektorin

Vor zehn Jahren wurde in der Eichendorff-Grundschule das jahrgangsübergreifende Lernen (JÜL) eingeführt. Mit Pauken und Trompeten. Zur Geburtstagsfeier hat sich Schulministerin Sylvia Löhrmann angesagt. Dazu ein Interview mit Schulleiterin Annette Jung über die "schwere Geburt" und letztlich positive Entwicklung des "Kindes JÜL".

HALTERN

von vON eLKE rÜDIGER

, 03.05.2013, 12:49 Uhr / Lesedauer: 3 min
Jakob und Max (r.)

Jakob und Max (r.)

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Jahrgangsübergreifendes Lernen

Beim jahrgangsübergreifenden Lernen in der Eichendorffschule lernen große und kleine Schüler einen pfleglichen Umgang miteinander. Außerdem lernen die Kleinen von den Großen.
03.05.2013
/
Lena (Erstklässlerin) traut sich, das Gedicht vorzulesen. Dafür wird sie von den Mitschülern gelobt. Der große Viertklässler, der das ja viel besser kann, hält sich zurück, lässt der Kleinen den Vortritt. Das fiel ihm gar nicht so leicht. Doch auch dieses Verhalten verdient Lob.© Foto: Elke Rüdiger
Die Kinder sollen sich entscheiden: In welche Gruppe wollen sie. Elena weiß sofort: Pantomime.© Foto: Elke Rüdiger
Felix, Alexander und Louis.© Foto: Elke Rüdiger
Welches Gedicht wollen sie denn "spielen" - Dennis und Alex wählen gemeinsam.© Foto: Elke Rüdiger
Louis, Moritz und Jan-Niklas verteilen die Strophen und lesen dann. Wer zuhört, gibt dem anderen Tipps, wie er besser betonen kann.© Foto: Elke Rüdiger
Lena (erstes Schuljahr) und Max (4. Jahrgang) wollen das Gedicht in besonderer Schriftform darstellen. Für die eigentliche Teamarbeit gibt Ulrike Wagner noch Tipps.© Foto: Elke Rüdiger
Dennis und Alex spielen: Der Frühling gibt dem Winter einen Tritt, und der stolpert...© Foto: Elke Rüdiger
Lena und Max© Foto Elke Rüdiger
Erstklässler Jakob traut sich, das Gedicht vorzulesen, während die älteren Lerngruppen-Kinder den Text pantomimisch darstellen.© Foto: Elke Rüdiger
Till (dahinter Max und Elena).© Foto: Elke Rüdiger
Felix, Max, Resi und Andre erarbeiten, wie sie ihr Gedicht klanglich präsentieren können.© Foto: Elke Rüdiger
Jakob, Elena, Max (alle Erstklässler) und Till (4) wollen das Gedicht pantomimisch darstellen.© Foto: Elke Rüdiger
Katherina (r.) und Lena© Foto: Elke Rüdiger
Lena und Max haben sich zusammengerauft.© Foto: Elke Rüdiger
Katherina und Lena.© Foto: Elke Rüdiger
Alle Gruppen haben ihre Arbeitsergebnisse vorgestellt. Nun folgt das Resümee: Haben die Kinder ihrer Meinung nach das Ziel erriecht, und fühlen sie sich gut dabei? Ein Ja oder nein reicht nicht, sie erklären ihre Entscheidungen, sind offen mit Lob und Kritik.© Foto: Elke Rüdiger
Felix, Max, Max, Resi, Katherina und Lena (v.l.) Max kann sich nicht entscheiden: Ziel erreicht? Ja. Oder doch eher Nein? Hat er sich gut dabei gefühlt? Er ist nicht glücklich. In seiner Gruppe gab es zum Schluss Team-Probleme, erklärt der Erstklässler.© Foto: Elke Rüdiger
Jakob und Max (r.)© Foto: Elke Rüdiger
Johann, Katharina, Sarah und Alex© Foto: Elke Rüdiger
Andre, Felix, Max, Resi und Katherina bekommen viel Lob für ihre Vorstellung.© Foto: Elke Rüdiger
Dass Resi beim Vogelgezwitscher pfeift, finden alle "cool".© Foto: Elke Rüdiger
Lena stellt das Ergenis ihrer Arbeit mit Katherina vor; Till hört konzentriert zu.© Foto: Elke Rüdiger
Max und Lena haben ihr Gesicht gemalt geschrieben und dafür Schriftgröße, -farbe und Symbole benutzt. Auch sie erhalten viel Lob - für ihre Ideen und Umsetzung sowie für die ZUsammenarbeit.© Foto: Elke Rüdiger
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Im Nachhinein betrachtet war der zu lange Aufbau nicht sinnvoll, an der Schule existierten so zwei Konkurrenzsysteme. Positiv war, dass die Kollegen nach und nach in die Mischung 1 bis 4 wachsen konnten. Immer noch sehr gut ist, dass Kinder immer in bestehende Strukturen hineinwachsen, dass sie eine recht kurze Eingewöhnungszeit haben, eine hohe Sozial- und Methodenkompetenz erwerben und die erforderlichen Fähigkeiten in ihrem Lerntempo erarbeiten.

Während der Grundschulzeit können alle Kinder in ihrem Tempo miteinander, voneinander und füreinander lernen. In einer positiven Lernumwelt finden alle, was sie brauchen, um sich individuell zu entwickeln. Wenn Kinder nicht von Anfang an lernen, dass Kinder unterschiedlich sind, wann dann? Die Entwicklung der Kinder verläuft in allen Phasen nicht gleichzeitig, warum in der Schule?

Durch individuelle Förderung für jedes Kind. Um die Rahmenbedingungen zu schaffen müssen die Lehrer im Team zusammenarbeiten.

Ja, sonst würden wir sie nicht mehr machen. Die Verleihung des Gütesiegels hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Lehrer und Eltern entscheiden sich bewusst für diese Schule und dieses System.

Viele konnten sich nichts unter JÜL vorstellen. Sie befürchteten, dass es zu laut sei, dass die älteren Kinder durch das Helferprinzip nicht genug lernen würden. Hospitationen, das Erleben von Unterricht und die positive Rückmeldung aus den weiterführenden Schulen räumten diese Kritik aus. Die Schulen bestätigen die hohe soziale und methodische Kompetenz unserer Schüler.

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Beim jahrgangsübergreifenden Lernen in der Eichendorffschule lernen große und kleine Schüler einen pfleglichen Umgang miteinander. Außerdem lernen die Kleinen von den Großen.
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Lena (Erstklässlerin) traut sich, das Gedicht vorzulesen. Dafür wird sie von den Mitschülern gelobt. Der große Viertklässler, der das ja viel besser kann, hält sich zurück, lässt der Kleinen den Vortritt. Das fiel ihm gar nicht so leicht. Doch auch dieses Verhalten verdient Lob.© Foto: Elke Rüdiger
Die Kinder sollen sich entscheiden: In welche Gruppe wollen sie. Elena weiß sofort: Pantomime.© Foto: Elke Rüdiger
Felix, Alexander und Louis.© Foto: Elke Rüdiger
Welches Gedicht wollen sie denn "spielen" - Dennis und Alex wählen gemeinsam.© Foto: Elke Rüdiger
Louis, Moritz und Jan-Niklas verteilen die Strophen und lesen dann. Wer zuhört, gibt dem anderen Tipps, wie er besser betonen kann.© Foto: Elke Rüdiger
Lena (erstes Schuljahr) und Max (4. Jahrgang) wollen das Gedicht in besonderer Schriftform darstellen. Für die eigentliche Teamarbeit gibt Ulrike Wagner noch Tipps.© Foto: Elke Rüdiger
Dennis und Alex spielen: Der Frühling gibt dem Winter einen Tritt, und der stolpert...© Foto: Elke Rüdiger
Lena und Max© Foto Elke Rüdiger
Erstklässler Jakob traut sich, das Gedicht vorzulesen, während die älteren Lerngruppen-Kinder den Text pantomimisch darstellen.© Foto: Elke Rüdiger
Till (dahinter Max und Elena).© Foto: Elke Rüdiger
Felix, Max, Resi und Andre erarbeiten, wie sie ihr Gedicht klanglich präsentieren können.© Foto: Elke Rüdiger
Jakob, Elena, Max (alle Erstklässler) und Till (4) wollen das Gedicht pantomimisch darstellen.© Foto: Elke Rüdiger
Katherina (r.) und Lena© Foto: Elke Rüdiger
Lena und Max haben sich zusammengerauft.© Foto: Elke Rüdiger
Katherina und Lena.© Foto: Elke Rüdiger
Alle Gruppen haben ihre Arbeitsergebnisse vorgestellt. Nun folgt das Resümee: Haben die Kinder ihrer Meinung nach das Ziel erriecht, und fühlen sie sich gut dabei? Ein Ja oder nein reicht nicht, sie erklären ihre Entscheidungen, sind offen mit Lob und Kritik.© Foto: Elke Rüdiger
Felix, Max, Max, Resi, Katherina und Lena (v.l.) Max kann sich nicht entscheiden: Ziel erreicht? Ja. Oder doch eher Nein? Hat er sich gut dabei gefühlt? Er ist nicht glücklich. In seiner Gruppe gab es zum Schluss Team-Probleme, erklärt der Erstklässler.© Foto: Elke Rüdiger
Jakob und Max (r.)© Foto: Elke Rüdiger
Johann, Katharina, Sarah und Alex© Foto: Elke Rüdiger
Andre, Felix, Max, Resi und Katherina bekommen viel Lob für ihre Vorstellung.© Foto: Elke Rüdiger
Dass Resi beim Vogelgezwitscher pfeift, finden alle "cool".© Foto: Elke Rüdiger
Lena stellt das Ergenis ihrer Arbeit mit Katherina vor; Till hört konzentriert zu.© Foto: Elke Rüdiger
Max und Lena haben ihr Gesicht gemalt geschrieben und dafür Schriftgröße, -farbe und Symbole benutzt. Auch sie erhalten viel Lob - für ihre Ideen und Umsetzung sowie für die ZUsammenarbeit.© Foto: Elke Rüdiger
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Die Schülerzahlen sinken allgemein in Haltern. Immer mehr Eltern wünschen sich aber für ihr Kind individuelle Förderung. Wir bieten die. Nach Aussagen der Stadt ist der Schulstandort gesichert.

Das Kind hat sich gut entwickelt, auch wenn sich beim Aufbau immer wieder was verändert. Es gibt auch Vorbehalte, die wir ernst nehmen und versuchen, auszuräumen – durch Öffentlichkeitsarbeit, Öffnung der Schule für Hospitationen, Kontaktaufnahme zu Kindergärten, Parteien...

Unsere Eltern sind zufrieden, sie schätzen den Einsatz der Kollegen.

Die Kinder kommen gerne, finden es toll. Aber sie kennen auch nichts Anderes.

Ja, in jedem Fall, erst recht mit Blick auf Inklusion. Denn die bedeutet: Eine Schule für alle! Das sind wir. Es ist schön zu sehen, mit wie viel Freude die Kinder lernen, weil es in ihrem Tempo gemeinsam mit anderen geschieht.

Wir haben nie von Jubiläum gesprochen, aber zehn Jahre sind ein Grund zum Feiern. Längeres gemeinsames Lernen ist von der Landesregierung gewollt. Wir legen dafür den Grundstein.

Es kamen sogar ganze Kollegien zum Austausch. Sie wollen JÜL an ihren Schulen einführen bzw. ausdehnen. Sie alle haben festgestellt, dass immer mehr Kinder längere Zeit in der Schuleingangsphase verbleiben oder mehr Zeit für die Grundschule benötigen. Sie suchen ein System, in dem der Verbleib ohne Aussonderung möglich ist.

Enorm. Sie investieren die Zeit aber gerne, weil es ihre pädagogische Überzeugung ist. Lehrer haben sich bewusst hierher versetzen lassen, weil sie jahrgangsgemischt arbeiten wollen. Neben der Unterrichtsarbeit gehören viele Konferenzen, Teambesprechungen, Elterngespräche, -abende, -schule, Hospitationen und Präsentationen der Schule zu den Aufgaben.

Keine.

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