Jens Wollmann traute seinen Augen nicht: Ein Krähenschwarm machte Jagd auf Brieftauben

Wie bei Hitchcock

Von seinem Balkon beobachtete Jens Wollmann ein ungewöhnliches Spektakel: Krähen attackierten Brieftauben in der Halterner Innenstadt.

Haltern

, 25.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jens Wollmann traute seinen Augen nicht: Ein Krähenschwarm machte Jagd auf Brieftauben

Nach der Brutzeit finden sich Krähen zu großen Gesellschaften zusammen. © picture-alliance / dpa

„Ich habe mich gefühlt wie bei Hitchcocks ‚Die Vögel‘“, sagt Jens Wollmann. Er beobachtete vor wenigen Tagen ungewöhnliche Jagdszenen im Halterner Luftraum.

„Es war gegen 21 Uhr, als ein kleiner Schwarm von Brieftauben seine Runden drehte“, so Wollmann, der an der Weseler Straße wohnt. „Plötzlich kam aus Richtung Innenstadt ein Schwarm von etwa 50 großen Krähen angeflogen, der die Tauben von der Seite attackierte und auseinandertrieb. Sie flüchteten teilweise in Panik, wurden zum Teil von den Krähen weiter verfolgt. Eine flog bei uns vor die Hauswand und stürzte auf den Balkon, wo sie unter einem Stuhl benommen sitzen blieb.“

Zu viele Krähen in der Stadt?

Erst am nächsten Mittag war die Taube wieder weg. Sie verbrachte die Nacht auf dem Balkon, wo sie von Jens Wollmann und seiner Frau mit Wasser und ein paar Brotkrumen versorgt wurde. Wollmann sieht das große Krähenaufkommen in Haltern kritisch. Er fragt sich, ob die Vögel nicht auch für die Reduzierung des Singvogelbestandes verantwortlich sein könnten. Von gezielten Angriffen, die Krähen auf Brieftauben verüben, hat Manfred Stockhofe, Pressesprecher bei der Reiservereinigung Aliso der Halterner Taubenzüchter, noch nichts gehört. „Es kommt allerdings vor, dass einzelne Krähen auch bei mir schon mal die Tauben jagen“, sagt er. „Die eigentliche Gefahr für Tauben geht aber von den Falken aus.“

Eine spielerische Attacke

Als gezieltes Verhalten von Krähen sei die Jagd auf Tauben nicht bekannt, sagt dazu Nils Ribbrock von der Biologischen Station in Lembeck. „Allerdings finden sich die Krähen, wie auch Dohlen, nach Ende der Brutzeit zu größeren Gruppen zusammen. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in der Gruppe spielerisch eine solche Attacke geflogen haben.“ Ribbrock hält es aber auch für möglich, dass auch die Krähen aufgescheucht worden sind, möglicherweise von einem Turmfalken. „Die nisten ja in der Halterner Innenstadt und da sie sehr klein und schnell sind, kann es sein, dass sie für Unruhe auch bei den Krähen gesorgt haben. Das ist allerdings reine Spekulation.“

Für den Bestand von Singvögeln, die in Sträuchern und Büschen nisten, seien die Krähen weniger eine Gefahr als etwa Elstern oder Dohlen“, so Nils Ribbrock. Allerdings sei ihre Population zurzeit so hoch, dass man schon die Frage nach einer Reduzierung stellen könne. „Sie kurzfristig zu bejagen, bringt aber nichts. Dazu müsste ein umfassendes Konzept entwickelt werden.“

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