Josef Zabel restauriert außergewöhnliche Autos

Oldtimer-Sammlung

Die Halle im Industriegebiet in Haltern wirkt von außen wie ein reiner Zweckbau. Doch wer einen Blick hineinwirft, wird überrascht: Chromblinkende Oldtimer stehen hier in langen Reihen dicht an dicht. Josef Zabel viele außergewöhnliche Fahrzeuge. Eine Auto-Marke hat es ihm besonders angetan.

HALTERN

von Von Peter Pauls

, 07.02.2015, 08:32 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bei technischen Problemen an den Oldtimern weiß Josef Zabel aus Haltern am See Rat..

Bei technischen Problemen an den Oldtimern weiß Josef Zabel aus Haltern am See Rat..

Die Autos glänzen in allen Farben, in Rot, Quietschgelb oder dem trendigen Orange der 1970er-Jahre, in vornehmem Schwarz, in gedeckten Auberginetönen. Was für eine Pracht! Der Besitzer dieser faszinierenden Sammlung ist zwar kein Riese, aber auch ein Großer, auf seine Art.

Josef Zabel (68) aus Haltern am See, ein Mann mit Ecken und Kanten, der in seinem Leben viel geleistet und viel erlebt hat. Und er ist ein Mann, der weiß, was er will. Oldtimer restaurieren zum Beispiel, sein großes Hobby. Zabel schätzt besonders Fahrzeuge der schwedischen Marke Saab, nimmt aber auch mit, was ihm sonst über den Weg fährt.

Spektakulärer Sportwagen

Mit dem Auto-Virus infiziert, sagt er, sei er schon als Sechsjähriger gewesen. Da kannte er alles, was auf vier oder damals auch noch auf drei Rädern unterwegs war. Einiges davon steht heute in seiner Dülmener Mega-Garage: ein großer tschechischer Tatra etwa, eine Ostblock-Staatslimousine, direkt neben einem Fiat 131 aus den frühen 1970er-Jahren.

Der Fiat sollte einmal BMW und Mercedes Konkurrenz machen, war aber fortgerostet, ehe man sich‘s versah. Der spektakulärste Sportwagen in Zabels Fuhrpark, eine AC Cobra, duckt sich muskulös neben Mittelklasse-Saabs oder dem legendär futuristischen Ro 80 der Firma NSU Motorenwerke mit seinem Wankelmotor.

Handwerk gelernt

Jeder Wagen strahlt so stolz im Licht großer Deckenscheinwerfer, als wollte er dem Besucher zurufen: Komm, setz dich ans Steuer! Streichle über meine frisch aufgearbeiteten Bedienungsköpfe, mein altes Holzlenkrad und die Vinyl-Polster, dann dreh den Zündschlüssel, wirf mich an! Lass uns auf eine (Zeit)-Reise gehen, die du in Kilometern nicht messen kannst!

Was man bei der Restaurierung von Oldtimern selber machen kann, das hat Josef Zabel selber gemacht. Deshalb kann man sich kaum vorstellen, dass der große, schwere Mann als Kind – wie er erzählt – „parieren gelernt“ hat. „Keine Widerworte!“ Aber es muss so gewesen sein.

Der junge Josef, der eigentlich ins Kfz-Handwerk wollte, lernte Maurer. Es gehört zur Persönlichkeit dieses Perfektionisten, dass er Berufsabschlüsse und Meistertitel sammelte wie andere Briefmarken, ein Betonwerk leitete und dann wegen einer Allergie – Betonkrätze – umschulen musste.

Isetta als erstes Auto

Auch von Krebserkrankungen und beinahe tödlich verlaufenen Unfällen hat er sich nicht aus der Bahn werfen lassen. So gibt es wenig, was Durchschnitt ist bei ihm. Hatte er Pech, dann kam es in Menge. Und nahm er etwas in die Hand, dann machte er Kleines groß.

Einige Jahrzehnte hat Zabel in erster Linie Isettas gesammelt, die tuckernden Ein-Zylinder-Autos aus Italien, die BMW einst in Lizenz baute, um sich im Nachkriegsdeutschland über Wasser zu halten. Kein Wunder, denn eine Isetta war in den früher 60er-Jahren Zabels erstes Auto. Damit war der Grundstein für die Sammel-Leidenschaft gelegt.

Besessenheit und Hingabe

Zabel durfte den Kleinstwagen bereits als 17-Jähriger steuern – mit Sondergenehmigung. Als Halbwaise unterstützte er seine Mutter mit ihren vier Kindern, nachdem der Vater viel zu früh mit 51 Jahren gestorben war. Es sind solche Härten, typisch für die Nachkriegszeit, die erklären helfen, warum Spieltrieb und unternehmerisches Geschick, Freude am Basteln und Perfektionsdrang bis zur Besessenheit, Hingabe und Leistungsdruck bei Josef Zabel untrennbar sind.

So hat er auch seine beeindruckende Oldtimer-Sammlung aufgebaut. Zur ersten Isetta kamen mit den Jahren 33 weitere hinzu. Isettas für die Polizei, die Tropen, den ADAC, die Post, als Cabrio und so fort. 1995 verkaufte Zabel sie nach Japan.

Konzentration auf Saab

„Ich konzentrierte mich wieder auf Saab“, erinnert er sich. Das ist so sehr seine Automarke, dass sein Vorname statt Josef auch „Saab“ sein könnte. Vor zehn Jahren zitierte die Zeitschrift „auto-motor-sport“ ihn mit dem Satz, schon 37 Autos dieser Marke gefahren zu haben. Dazu gehören rare Exemplare wie ein Saab 92, dessen Eleganz aus dem Windkanal kommt.

Überhaupt die Ur-Saabs, die in der Grundform an einen VW-Käfer erinnern. Sinnend steht Zabel vor einem roten Rallye Saab 96. „Ein böses Auto“, sagt er anerkennend und meint die Kraft, die dem skurrilen Gefährt innewohnt.

Aufkleber von Rallyes und Ausfahrten zieren die Seitenfenster. Müßig, all die Pokale (132 sind es, um genau zu sein), Titel und Meisterschaften aufzuzählen, die Zabel im Lauf der Jahre gewonnen hat.

Rallyes gefahren

Für technische Probleme weiß er Antworten auf Zuruf. Ein Tag zusammen mit dem kantigen Mann, seinen Autos und Gedanken zur Zeit ist so belebend wie die Ausfahrt in einem seiner Schätze. Das liegt auch daran, dass Zabel ein Freund klarer Worte ist. „Rallyes bin ich immer nur auf Zeit gefahren“, sagt er mit Nachdruck.

Der ganze andere Kram – wie Quiz-Spiele für die Rallye-Teilnehmer und ähnliches Beiwerk – habe ihn nie interessiert. „Blumen pflücken und so ein Mist, das hat doch mit Autofahren nichts zu tun.“

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