Jugendbildungsstätte in Haltern rechnet mit 70 Prozent Umsatzeinbruch

mlzGilwell St. Ludger

Das Corona-Krisenjahr 2020 hat auch die Jugendbildungsstätte Gilwell St. Ludger hart getroffen. Mit einem großen Projekt sammelte der Verein Spenden, um zu überleben.

Haltern

, 14.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kinder und Jugendliche, Schüler und Pfadfinder – sie alle strömen Jahr für Jahr zur Jugendbildungsstätte Gilwell St. Ludger in Haltern. Die Einrichtung der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) unterstützt junge Menschen unter anderem durch Ferienlager und Pfadfinderabende. Im Krisenjahr 2020 ist das Gilwell aber auch stark betroffen: Mit bis zu 70 Prozent Umsatzeinbrüchen rechnet die Einrichtung. Das teilte Andre Fauler, Geschäftsführer des Gilwell, mit. Ein großer Spendenaufruf mit einer Aktion, an der viele, zum Teil bekannte Künstler teilnahmen, sollte dem Gilwell helfen.

Noch immer kann gespendet werden. Auf betterplace.org ist der Spendenaufruf, der während des ersten Lockdowns geschaltet wurde, für das Gilwell St. Ludger noch immer aktiviert. 9999 Euro sollten für das Gilwell gesammelt werden. Die Begründung für den Aufruf: „Durch die einschränkenden Maßnahmen in der Corona-Krise verfügt das Gilwell derzeit über keine Einnahmen mehr. Dennoch müssen die laufenden Betriebskosten aufgebracht werden. Wenn dies nicht zeitnah gelingt, droht die Schließung unserer Einrichtung.“

Der Spendenaufruf stammt von der DPSG. Auf dem Zeltlagerplatz der Jugendbildungsstätte in der Hohen Mark in Haltern haben die Pfadfinder oft Tage und Nächte in der Natur verbracht. „Die wollten uns helfen“, sagt Andre Fauler.

Gekoppelt wurde der Spendenaufruf mit dem „Projekt Wohnzimmer“, das im April lief. Tatkräftig unterstützt hatte dabei die MP Veranstaltungstechnik aus Dülmen. Doch was war das „Projekt Wohnzimmer“?

Die DPSG ist der katholische und mit ungefähr 95.000 Mitgliedern größte Pfadfinderverband in Deutschland.

Lokale, aber auch bekannte Künster wie DJ Lockvogel traten ans DJ-Pult und spielten Musik. Aber auch Podiumsdiskussionen, beispielsweise mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, fanden statt. Gestreamt wurden die Aktionen vom „Projekt Wohnzimmer“ auf dem eigenen Youtube-Kanal, zuhause konnten sich Interessierte die Shows ansehen. Immer mit dem Link zum Spendenaufruf, das Gilwell St. Ludger zu unterstützen.

Andre Fauler war begeistert von der Aktion: „Das war eine coole Sache.“ Die Künstler sind ehrenamtlich aufgetreten, sagt er. MP Dülmen unterstützte die Aktion, weil einige Mitarbeiter der Veranstaltungstechnik-Firma als Pfadfinder mit dem Gilwell verbunden sind.

Für das angestrebte Ziel von 9999 Euro fehlen dem Gilwell St. Ludger noch 329,48 Euro laut betterplace.org. Ehemalige Pfadfinder und Mitarbeiter spendeten, aber vor allem über die Konzerte und Talks vom „Projekt Wohnzimmer“ kamen zahlreiche Spenden zusammen, kann der Seite entnommen werden. Von 8 Euro-Spenden bis hin zu großen Spenden von 882 Euro war alles dabei.

Kosten laufen weiter

Das Spendengeld kann das Gilwell St. Ludger gut gebrauchen. In den vergangenen Jahren habe es pro Jahr bis zu 29.000 Übernachtungen in der Jugendbildungsstätte gegeben. In diesem Jahr waren es während des ersten Lockdowns keine und danach Corona-bedingt deutlich weniger. Deshalb meldete das Gilwell Kurzarbeit für seine Mitarbeiter an. Aber auch die müssen trotzdem weiterhin bezahlt werden.

„Bislang haben wir keine Mitarbeiter entlassen müssen“, sagt Andre Fauler. „Toi, toi toi, dass das so bleibt.“ Das Gilwell könne es sich auch gar nicht erlauben, sie zu entlassen - denn es braucht seine Mitarbeiter. „Wir machen alles selbst“, so Fauler.

Ein eigenes Küchenteam kocht für die Gäste, ein eigenes Reinigungsteam putzt und die eigenen Pädagogen kümmern sich um das inhaltliche Programm für die Gäste, die zumeist aus den Schulen kommen. Aber auch Seminare, Weiterbildungen und Freizeitwochenenden finden im Gilwell statt.

Sommerferienlager und eine Abenteuer-Woche in den Herbstferien veranstaltete das Gilwell in diesem Jahr sogar trotz Corona unter Einhaltung der Hygienerichtlinien, wie Andre Fauler betont. „Und wenn wir dürfen, werden wir es demnächst wieder machen“, sagt er. Einen großen Anteil daran haben sicherlich auch die zahlreichen Spender.

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