Juristischer Winkelzug nutzte Angeklagtem nicht

Prozess in Marl

Eine überraschende Wendung im Prozess um das Feuer in einer Hütte auf dem Campingplatz Hoher Niemen wollte der Verteidiger des 43-jährigen Dattelners um jeden Preis herbeiführen. Doch seine beiden Beweisanträge liefen ins Leere.

HALTERN/MARL

, 26.12.2016, 15:34 Uhr / Lesedauer: 1 min

So wurde sein Mandant wegen Brandstiftung am Freitag vor Weihnachten zu einem Jahr Haft auf Bewährung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Marl verurteilt. Außerdem erlegte das Gericht dem Arbeitslosen 125 gemeinnützige Stunden auf.

Vorsitzende Richterin Carolin Claas hielt es für erwiesen, dass der Angeklagte die Holzhütte seiner ehemaligen Freundin auf dem Campingplatz in Haltern nach einem Streit angezündet hat. "Wir sind überzeugt davon, dass Sie das Feuer gelegt haben."

Glaubwürdigkeit

Dabei hatte der Verteidiger mit zwei Beweisanträgen versucht, die Glaubwürdigkeit der Frau zu erschüttern und einen Freispruch für den 43-Jährigen aus Datteln zu erwirken. Umsonst: "Wir halten Ihre Annahme, dass die Zeugin im angetrunkenen Zustand den Brand selbst verursacht haben soll, indem sie den Bioethanolofen im Eingang der Hütte umstieß, nicht für plausibel", sagte Carolin Claas in ihrer Urteilsbegründung. Sie wies zudem die Annahme des Verteidigers zurück, "die Zeugin suche nur einen Dummen, der ihr den Schaden an ihrer Hütte ersetzt, weil diese nicht gegen Feuerschäden versichert war."

Vielmehr hätten die Polizeibeamten vor Ort eine völlig aufgelöste Frau in der Nacht vom 11. Mai 2016 angetroffen, die kaum ansprechbar gewesen sei. "Sie stand wohl unter Schock", meinte eine Polizistin, die im Gerichtssaal aussagte. Die Frau habe ihr von dem Auf und Ab in ihrer Beziehung mit dem 43-Jährigen erzählt und "kaum den Namen und dessen Adresse buchstabieren können, weil sie so durcheinander war".

"Ich bin baff"

"Die glasklare Aussage" der Hüttenbesitzerin lobte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer und erwähnte, dass sich die Aussage der 43-Jährigen in vollem Umfang mit dem Anklagevorwurf decke. Die Staatsanwältin forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten für den Angeklagten. Die Richterin, die den zweiten Beweisantrag des Verteidigers nach kurzer Beratung mit ihren Schöffen zurückgewiesen hatte, ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie den Angeklagten für schuldig hält. Das machte ihn sprachlos: "Ich bin baff", sagte er.

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