Kinder schauten beim Sex zu: Urteil gegen Tennislehrer-Geliebte aus Haltern

mlzSexueller Missbrauch

Im Missbrauchs-Prozess gegen die Ex-Geliebte des früheren Dorstener Tennislehrers hat das Essener Landgericht am Freitag das Urteil gesprochen. Gegen den Tennislehrer wird weiter ermittelt.

Haltern, Dorsten

, 05.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Angeklagte hatte im Prozess zugegeben, sich ab Sommer 2017 immer wieder mit dem damaligen Tennislehrer eines Dorstener Vereins getroffen zu haben. Und ja, während sie sich mit ihrem Geliebten vergnügt habe, hätten sich manchmal auch ihre beiden drei Jahre und ein Jahr alten Kinder im gleichen Zimmer aufgehalten.

„Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe“, sagte die 27-jährige Frau aus Haltern am Freitag in ihrem letzten Wort vor der Urteilsberatung. „Aber man kann mir nicht absprechen, dass ich meine Kinder sehr liebe. Ich bin nicht das Monster, für das mich jetzt manche halten.“

Das Gericht verurteilte die Halternerin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

„Wollte ihn nicht verlieren“

Tatsächlich war es wohl der Tennislehrer gewesen, der sie immer wieder dazu drängte, die Kinder zu den sexuellen Treffen mitzubringen. Irgendwann kam das der jungen Mutter natürlich merkwürdig vor. Sie habe aber stets eingewilligt, weil sie den Mann nicht habe verlieren wollen. „Er hat mir nach meiner Trennung endlich wieder das Gefühl gegeben, als Frau etwas wert zu sein“, hatte die Angeklagte in ihrem Geständnis erklärt.

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Nach der Auswertung der Mobiltelefone des Tennislehrers und der Angeklagten steht fest, dass es mindestens acht Treffen gab, bei denen wenigstens ein Kind mit im selben Raum war. Diese Treffen fanden im Dorstener Vereinsheim, in der Wohnung der Halternerin oder aber auch schon mal auf einer öffentlichen Toilette statt.

Körperlich wurde den Kindern zu keiner Zeit etwas angetan. Aber schon der Geschlechtsverkehr vor den Augen Minderjähriger gilt als sexueller Missbrauch.

Nach Auffliegen des Skandals (DZ+) hat die Angeklagte umgehend das Sorgerecht für die beiden Jungen verloren. Die Kinder wachsen nun bei ihrem Vater auf. Dessen Anwalt sagte in seinem Plädoyer, dass der Vater es als seine Pflicht erachte, in diesem Prozess die Rechte der Kinder zu vertreten. „Wir möchten den Jungen eine Stimme geben“, so der Nebenklägervertreter.

Ermittlungen gegen Ex-Tennislehrer gehen weiter

Dass sie sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern kann, ist für die Angeklagte anscheinend schon die schlimmste Bestrafung überhaupt. „Seit sie weg sind, habe ich eine depressive Verstimmung entwickelt“, sagte sie.

Gegen den Ex-Tennislehrer wird unterdessen weiter ermittelt. Einem ersten Prozess, der mit einer Verurteilung zu vier Jahren und neun Monaten Haft endete (DZ+), wird irgendwann mindestens noch ein weiterer folgen. Derzeit ist die Staatsanwaltschaft noch immer damit beschäftigt, die Telefone des Mannes auszuwerten und sämtliche Chatgespräche mit Hunderten Frauen zu lesen. Finden sich dabei Hinweise auf die Anwesenheit von Kindern bei den Treffen, wird eine neue Fallakte angelegt. Inzwischen sind es schon 86.

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