Alles spricht derzeit von Elektroautos. Die Brennstoffzelle ist aber der automobile Antrieb der Zukunft. Das sagt zumindest die Obermeisterin der Kfz-Innung, Dietlinde Stüben-Endres.

Haltern

, 21.08.2019, 16:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir brauchen keine Fridays-for-Future-Demonstrationen mehr, wenn wir die richtige Technik haben“, sagt Dietlinde Stüben-Endres. Die Chefin der Glückauf-Autohäuser und Obermeisterin der Kfz-Innung im Kreis Recklinghausen „brennt“ für die Brennstoffzellentechnik. „Sie macht das völlig emissionsfreie Autofahren möglich“, sagt sie.

Stüben-Endres engagiert sich auch im Vorstand des H2-Netzwerkes Ruhr, das sich zur Aufgabe gemacht hat, diese umweltfreundliche Technik voranzutreiben. Die Ansätze zur Forschung und Nutzung sollen gestärkt und weiterentwickelt werden, um die Metropole Ruhr als führende Region auf dem Gebiet der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie zu etablieren.

Sie bietet außerdem in ihren Autohäusern eines der ersten Autos an, das mit dieser Technik angetrieben wird: den Toyota Mirai. „Die Brennstoffzelle und nicht das Elektroauto ist der Antrieb der Zukunft“, sagt sie.

Wasserstoff reagiert mit Sauerstoff

In einer Brennstoffzelle reagieren Wasserstoff und Sauerstoff miteinander und erzeugen elektrische Energie. „Angetrieben wird auch das Brennstoffzellenauto von einem Elektromotor“, sagt Stüben-Endres, „aber es erzeugt die Energie selbst, und braucht keine Speicherbatterien. Aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. Das Auto hat keine weiteren Emissionen, erzeugt keine Stickoxide und kein CO2.“

Von wegen E-Autos! Innungsmeisterin: Dem Brennstoffzellen-Fahrzeuge gehört die Zukunft

Das Herzstück des Antriebs: Elektromotor und Brennstoffzelle. © Jürgen Wolter

Auch in der Fahrpraxis bietet der Brennstoffzellen-Antrieb unschätzbare Vorteile: Betankt wird das Auto in maximal fünf Minuten. Stundenlanges Warten auf die Ladung der Batterie wie beim E-Auto ist kein Thema. Im Winter erzeugt die Heizung ab der ersten Minute Wärme und heizt schneller als der Verbrennungsmotor. „Außerdem ist die Reichweite höher: Mit einer Tankfüllung erreichen Sie heute eine Reichweite von 500 Kilometern“, sagt Stüben-Endres. „Und es wird an technischen Lösungen gearbeitet, die das noch verdoppeln.“

Eine Tankfüllung kostet heute in etwa das gleiche wie eine Tankfüllung bei einem Benziner. „Diesel und Hybridfahrzeuge liegen zwar noch darunter, aber das liegt an der noch bestehenden Preisbindung für Wasserstoff“, ergänzt Stefan Paulsen, Verkaufsleiter im Autohaus Glückauf in Haltern. „Wenn diese fällt, wird es deutlich günstiger.“

Lithiumanbau für Batterien ist eine ökologische Katastrophe

Problematisch bei E-Autos ist außerdem die Herstellung der großen Speicherbatterien: Dafür muss unter anderem Lithium gewonnen werden, dessen Gewinnung hohe Mengen von Wasser verschlingt. „Dieses wird in Südamerika in Regionen gewonnen, die dadurch austrocknen und veröden werden“, so Dietlinde Stüben-Endres. „Die Menschen dort werden ihre Lebensgrundlage verlieren. Ein ökologischer Vorteil hier wird mit einer neuen ökologischen Katastrophe in Südamerika bezahlt. Das kann nicht die Lösung für die Zukunft sein.“

Stüben-Endres ist selbst häufig mit dem Toyota Mirai gefahren. „Es ist ein anderes Fahrgefühl“, sagt sie. „Das Auto informiert über die Eco-Bilanz, wenn man angepasster fährt, verbraucht man wenig. Im Mirai bin ich entspannter unterwegs“, sagt sie. Und sie räumt mit dem Vorurteil auf, dass diese Autos deshalb langsamer wären: „Wenn man Gas gibt, steht sofort die komplette Motorleistung zur Verfügung, sie ist nicht drehzahlabhängig.“

Brennstoffzellentechnik ist alltagstauglich

Ansonsten sei die Brennstoffzellentechnik absolut alltagstauglich. Was noch fehlt, ist die Infrastruktur zum Betanken. Kürzlich wurde in Herten im Rahmen der Messe e-Motion eine Wasserstofftankstelle eröffnet. „Es gibt eine in Münster, eine in Essen-Katernberg, zwei in Düsseldorf, insgesamt 77 in Deutschland“, so Stefan Paulsen. Aber der Ausbau hat begonnen. „Shell will seine gesamten Tankstellen mit einer Wasserstoffsäule ausrüsten“, sagt Dietlinde Stüben-Endres. „Dann kann man tanken wie bisher, es ist keine große Umstellung erforderlich.“

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Getankt wird nur Wasserstoff. © Jürgen Wolter

Nicht nur Toyota, auch andere Hersteller arbeiten an dem Thema. „Der koreanische Hersteller Hyundai hat mit dem Xenos einen SUV mit Brennstoffzelle auf dem Markt“, sagt Dietlinde Stüben-Endres. „Bei Honda gibt es den Clarity, allerdings nicht in Deutschland. Audi ist am Thema dran, ebenso BMW. Auch Mercedes hat ein Fahrzeug mit dem GLC Fuelcell gebaut, das sich zurzeit in einer Testphase befindet.“ Nissan und Renault haben sich zwar aus einer Kooperation mit Daimler und Ford zurückgezogen, wollen aber weiter an dem Thema forschen. Kooperationen zwischen asiatischen und deutschen Herstellern seien möglich bzw. hätten schon Bestand, so Stüben-Endres.

China setzt auf die Brennstoffzelle

Eine Nachricht hat sie in den letzen Wochen besonders aufhorchen lassen: Das chinesische Verkehrsministerium hat erklärt, dass die Brennstoffzellentechnologie in Zukunft an erster Stelle gefördert werden soll. „Das ist eine Abkehr vom Elektroauto. Der Minister ist Wissenschaftler, er hat die Zukunftsaussichten erkannt“, sagt Stüben-Endres.

Der Einsatz der Brennstoffzelle beschränkt sich keineswegs auf Autos. Diesellokomotiven können auf den Antrieb umgerüstet werden. „Im Taunus fährt beispielsweise eine Regionalbahn damit. Es gibt deutsche oder norwegische U-Boote, die mit Brennstoffzellen angetrieben werden. Brennstoffzellen können auch Häuser heizen oder Rollstühle antreiben. Wasserstoff bietet gegenüber Strom einen großen Vorteil: Er ist transportabel, entweder über Pipelines, an die das Ruhrgebiet schon angeschlossen ist, oder mit Tanklastern.“

Visionen eines neuen Energienetzwerks

Die Vision von Dietlinde Stüben-Endres geht noch weiter. „Man kann Wasserstoff komplett klimaneutral herstellen, was zurzeit noch nicht der Fall ist, beispielsweise indem man Überkapazitäten von Windrädern nutzt. Wasserstoff entsteht außerdem oft als Abfallprodukt bei der Produktion in der chemischen Industrie. Und die haben wir hier in der Region vor der Haustür. Er wird nur meist nicht genutzt.“ Noch können Brennstoffzellenautos nicht profitabel hergestellt werden. Die Herstellungskosten des Mirai liegen weit über dem Verkaufpreis. Das Auto kann nur geleast werden. „Die Massenproduktion wird das aber ändern, allgemein geht man von 15 Jahren aus, bis es so weit ist. Ich bin der Meinung, das wird wesentlich schneller gehen“, sagt Stüben-Endres. „In fünf Jahren sind wir soweit.“

Die Obermeisterin der Kfz-Innung sieht in der Technik die wichtigste Alternative für die Zukunft, die viele klimaschädliche Emission komplett vermeiden kann. Dafür setzt sie sich vehement ein: „Die E-Autos können nur eine Übergangslösung sein. Politiker sollten endlich auf die Brennstoffzellentechnik setzen“.

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