Könzgenhaus Haltern: Ein Blick zurück nach vorn in Coronazeiten

mlzBildung braucht Begegnung

Die Corona-Pandemie zwingt das Könzgenhaus in Haltern, sich neu zu erfinden. Geschäftsführer Norbert Jansen sagt: „Wir finden uns wieder in einer Welt, die sich neu sortieren muss.“

Haltern

, 27.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie kann die Arbeit des Könzgenhauses in Coronazeiten weitergehen? Das Haus auf dem Annaberg in Haltern wird seit 1948 als Bildungs- und Begegnungsstätte betrieben. Seit 1975 ist die Heimvolkshochschule eine Weiterbildungseinrichtung im Sinne des Weiterbildungsgesetzes des Landes NRW. Sie befindet sich in Trägerschaft von KAB und CAJ.

Seminare, Begegnungen, lebendige Diskussionen, davon lebt das Haus. Und jetzt? In Coronazeiten ist alles anders. Geschäftsführer Norbert Jansen sieht weitreichende Konsequenzen auf das Haus und die gesamte Gesellschaft zukommen „Wir erfinden uns neu. Die letzten Monate haben alle schwer gebeutelt und wir suchen nach den neuen Leitplanken - in unserem Alltag, bei der Arbeit, im Zusammenleben“, schreibt er in einer Pressemitteilung.

Neuorientierung in schwierigen Zeiten

„Suchbewegung und lernende Organisation“ nennt Jansen die Phase, in der sich das Haus zurzeit befindet. Nach wie vor seien einige Mitarbeiter in Kurzarbeit, aber zum Glück habe das Könzgenhaus niemanden entlassen müssen. „Wenn die Krise hoffentlich bald endet, dann finden wir uns wieder in einer Welt, die sich neu sortieren muss. Einer Welt, in der nicht einfach alles so weiter geht wie bisher und in der wir uns in erstaunlicher Geschwindigkeit von bisherigen Gewohnheiten und Gewissheiten verabschieden müssen – oder bereits mussten.“

Norbert Jansen ist Geschäftsführer des Könzgenhauses.

Norbert Jansen ist Geschäftsführer des Könzgenhauses. © Foto: KönzgenHaus

Das Könzgenhaus verfügt über 64 Zimmer mit 120 Betten für Seminarteilnehmer. „Zurzeit läuft unser Betrieb, aber mit reduzierten Teilnehmerzahlen und unter strengen Hygieneauflagen“, so Norbert Jansen auf Nachfrage. „Zu Veranstaltungen in der Aula können nur noch maximal 50 Teilnehmer zugelassen werden, normalerweise fasst sie 150 bis 180 Gäste. Wirtschaftlich gesehen, kann das auf Dauer schwierig werden.“ Der Betrieb von Einrichtungen zur Ausbildung und beruflichen Weiterbildung ist zurzeit weiterhin gestattet.

„Damit wir uns nicht aus den Augen verlieren“

Viele Arbeitnehmer hätten zwar inzwischen die Vorzüge des Homeoffice für sich entdeckt, gleichzeitig werde aber auch der Ruf nach persönlichen Kontakten wieder lauter. Mehr denn je zeige sich durch Corona die Notwendigkeit einer Bildungsarbeit, die auf Begegnung und Gruppenpädagogik setzt, so Norbert Jansen. „Das Könzgenhaus war schon immer nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung, sondern einer der Debatte, der Ideen, der sozialen Begegnung. Präsenz ist notwendig, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren! Und dieser Meinung sind wir nicht, weil wir Betten und Begegnungsräume haben, die wir „irgendwie“ füllen müssen; von diesem Bildungsverständnis sind wir zutiefst überzeugt!“

„Diese für eine Bildungsstätte wie unsere seit Jahrzehnten selbstverständliche Gewissheit müssen und werden wir angesichts coronabedingter Widrigkeiten neu buchstabieren. Unsere Herausforderung: Das Miteinander zu stärken und reale Begegnungen durch sinnvolle Ergänzung mit digitalen Formaten zu verbinden. Wir haben in den letzten Wochen und Monaten gute Erfahrungen gemacht, lernen ständig dazu und entwickeln neue didaktische Konzepte“, so Norbert Jansen.

Neue Veranstaltungsreihe „(Un)würdige Arbeit“

Das Könzgenhaus stößt weiterhin Debatten an, gerade auch zu Fragen der Konsequenzen aus der Coronakrise auf Wirtschaft, Arbeitswelt und Umwelt. Eine

neue Veranstaltungsreihe beschäftigt sich mit Fragen der Auswirkungen auf die Arbeitswelt: Zum Auftakt der Reihe „(Un)würdige Arbeit“ findet am 5. November (Donnerstag) um 19 Uhr ein Online-Seminar mit Pfarrer Peter Kossen, bekannt als Kritiker der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, statt. Die Veranstaltung wird anschließend auf die Homepage des Könzgenhauses gestellt: www.koenzgenhaus.de.

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