Kontakt zu Coronavirus-Verdachtsfall: „Ich mache jetzt erstmal Homeoffice“

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Vor einigen Tagen habe ich bereits über das Coronavirus berichtet. Es wütete vor allem in China und beeinflusste den Handelsweg nach Haltern. Jetzt war ich auf einmal selbst betroffen.

Haltern

, 04.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Anruf erreicht mich nach einem Außentermin in der Redaktion. „Ich mache jetzt erstmal Homeoffice“, sagt mein Mann und legt gleich beschwichtigend nach: „Das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme.“

Auf einem beruflichen Termin in der Vorwoche war er mit einem Mann aus Mailand zusammengetroffen, der sich kurz danach mit Erkältungssymptomen krank gemeldet hatte und zunächst die Zusammenarbeit mit den Behörden verweigerte.

Die Devise lautet „Auf Nummer sicher gehen“

„Mailand hat das Coronavirus schon lahmgelegt“, schießt es mir durch den Kopf. Und: „Oh, my god, ich komme gerade aus einem Kindergarten.“ Denn dass ich mir nun auch überlegen muss, ob ich einfach so durch meinen Alltag marschieren kann, versteht sich von selbst. Tatsächlich ist in wenigen Minuten in Absprache mit meiner Chefredaktion geklärt, dass ich meinen Laptop einpacke und schnellstmöglich die Redaktion verlasse. „Auf Nummer sicher gehen“, lautet die Devise.

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Ansonsten halten wir uns bedeckt und informieren nur die Familie und enge Freunde. Sie sollen schließlich nicht unerwartet auf unserer Matte stehen. Man muss nicht lange darüber nachdenken, was die Nachricht von unserer Quarantäne in dem besuchten Kindergarten auslösen könnte. Meine Kollegen in der Redaktion bewahren Ruhe und winken mir von weitem zu. Was man den Lesern in seinen Artikeln ans Herz legt, sollte man schließlich auch selbst befolgen.

Die Kollegin übernimmt die Außentermine

Nun also auch Homeoffice für mich. Das ist in Zeiten, in denen man sich von jedem Ort der Welt mit seiner Arbeitswelt verbinden kann, kein Problem. Mein Mann wird allerdings erst später zu Hause eintreffen. Er ist noch auf einer Dienstreise im Süden Deutschlands. Wie verhält man sich dann eigentlich, wenn man mit einem Coronavirus-Verdachtsfall Kontakt hatte?

Eine Flugbereitschaft oder ein Rettungsfahrzeug stehen wohl kaum zur Verfügung. So setzt er sich, wie ohnehin geplant, in den Zug und versucht, Abstand zu den Mitreisenden zu halten.

Für einige Tage leben wir zurückgezogen. Lagerkoller kommt da noch nicht auf. Sorgen machen wir uns um einige Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung, die von Dauererkrankungen geplagt werden. Für sie wäre es fatal, wenn wir ihnen das Virus ins Haus getragen hätten.

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Verhungern müssen wir übrigens nicht. Der übliche Vorrat reicht aus, um uns einige Mahlzeiten zuzubereiten. Dann setzt die Hilfsmaschinerie ein, wie sie in einer Stadt wie Haltern noch üblich ist. „Braucht ihr etwas?“, fragt eine liebe Freundin per WhatsApp.

Zum Glück kann ich verneinen, unsere häusliche Quarantäne ist seit Anfang der Woche wieder aufgehoben. Der Mann in Mailand hat sich wohl doch auf das Coronavirus testen lassen. Ergebnis: negativ. Halleluja!

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