Kult-DJ Klaus: „Einige Lieder konnte ich irgendwann nicht mehr hören“

mlzSerie „Old Daddy“

Sex, drugs & rock’n’roll: Das „Old Daddy“ prägte über Jahrzehnte die Partyszene in der Region. Mit einer Serie erinnern wir an die Discothek. Heute: Kult-DJ Klaus Hensler erinnert sich.

Haltern

, 30.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Ich denke immer wieder gerne an die Zeit zurück“, sagt Klaus Hensler. „Das Old Daddy hat mein Leben begleitet und sicher auch geprägt.“ Als DJ hat er 1985 im alten Daddy an der Goldstraße angefangen. Jahrelang hat er, in der Regel donnerstags, für die passende Musik im „Schuppen“ gesorgt. Mittlerweile genießt er sein Leben als Rentner auf einer Insel.

Klaus Hensler legte vor 5 Jahren ein letztes Mal die Musik der "Old Daddy"-Zeit in Haltern auf, und zwar im "Treibsand" am Silbersee.

Klaus Hensler legte vor 5 Jahren ein letztes Mal die Musik der "Old Daddy"-Zeit in Haltern auf, und zwar im "Treibsand" am Silbersee. © Archiv

Es ist 1984 als Klaus Hensler ins kalte Wasser springt. Im „Club Aldiana“ auf Fuerteventura legt er zum ersten Mal als DJ auf, nachdem ein guter Freund ihn darum bittet, ihn zu vertreten. Ohne große Vorerfahrung legt er gleich mehrere Wochen dort auf. Viele Jahre in der Halterner Kultdisco „Old Daddy“ folgen. „Eigentlich wollte ich Lehrer werden“, erzählt er. „Aber ich war schon immer ein Musikliebhaber und der Job als DJ hat mir großen Spaß gemacht.“

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1985 beginnt er im kleinen „Old Daddy“ an der Goldstraße, um ab 1987 in der gleichnamigen Großdiskothek an der Recklinghäuser Straße weiterzumachen. „Ich war immer bei den damals legendären Kult-Donnerstagen am DJ-Pult in Halle 1.“ Dort legt er Lieder aus dem Bereich Rock, Metal, Indie und Pop auf. „Es gab natürlich auch Klassiker, die häufiger dabei waren. Einige Lieder konnte ich irgendwann nicht mehr hören,“ erzählt er und lacht. Bekanntschaften habe er als DJ nur selten gemacht. „Ich war die meiste Zeit in festen Händen. Außerdem ging es mir auch vielmehr darum, den Leuten eine gute Zeit zu bereiten. Das war schließlich mein Job als DJ.“

Als „Die Toten Hosen“ zu Gast waren

Noch heute erinnere er sich gerne an die Zeit zurück, so der 60-Jährige. So sei er beispielsweise auch dabei gewesen als 1987 „Die Toten Hosen“ im Rahmen ihrer Tour („Ein bunter Abend für eine schwarze Republik“) im Daddy an der Recklinghäuser Straße gastierten. „Ich hab mich an diesem Abend auch mit Campino, dem Sänger der Hosen, unterhalten. Die Jungs waren schon relativ bekannt, aber dass sie mal so eine beeindruckende Karriere hinlegen, konnte da noch niemand ahnen.“

DJ Cheesy (li.) und DJ Klaus gehörten im Daddy zum Inventar.

DJ Cheesy (li.) und DJ Klaus gehörten im Daddy zum Inventar. © privat

Nebenher studiert Klaus Hensler weiter, macht sogar das erste Staatsexamen. Doch als 1991 der Besitzer der Kneipe „Haus Eichholz“ stirbt, macht er Nägel mit Köpfen und übernimmt als Wirt das damalige Lokal am Ende der Rekumer Straße. Die Kneipe läuft gut. „Aber nachdem ich das fünf Jahre lang gemacht habe, war das Kapitel für mich beendet. Das hätte ich auf Dauer nicht weiter ausgehalten.“

Er geht zurück ins „Old Daddy“ und legt wieder auf. „Es war einfach toll, die Geschicke einer Disco mitgestalten zu können“, sagt Klaus Hensler. Damit die vielen Partygäste, die damals am Wochenende ins „Old Daddy“ aus Haltern und der Umgebung pilgerten, in Schwung und Stimmung kamen, musste er einen Spagat schaffen, zwischen dem Angesagten, das jeder mitsingen konnte, und dem Besonderen.

Umschulung zum Physiotherapeuten

„Ich habe mir schon was einfallen lassen, habe auch mal einen Schlager oder auch eine Fernsehmelodie gespielt.“ 2000 zog er den Schlussstrich im „Old Daddy“, bekam mit 40 Jahren eine Umschulung zum Physiotherapeuten genehmigt. Über seinen ehemalige Chef, Daddybetreiber Edgar Engel, sagt er: „Eddi war eine ehrliche Haut. Jedenfalls wusste man bei ihm immer, woran man ist.“ Für einzelne Abende tritt Klaus Hensler später zurück ans DJ-Pult, gründet 2004 mit zwei Kollegen das DJ-Trio „HenSeDö“, das in verschiedenen Lokalen von Haltern auflegt.

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Im Frühjahr 2015 bricht Klaus Hensler seine Zelte in Haltern ab. Er wandert aus, zieht auf die griechische Insel Rhodos. Er verkauft auch seine über 1000 Schallplatten und ebenso viele CDs. Heute, so sagt er, genieße er die Ruhe und das bescheidene Leben auf der Insel. „Ich habe einen kleinen Garten, engagiere mich regelmäßig für einen örtlichen Wohltätigkeitsverein. Mit meinem Hund mache ich jeden Morgen einen langen Spaziergang.“ Und manchmal denkt Kult-DJ Klaus dabei sicher auch an die wilden Partys im „Old Daddy“ zurück.

Heute lebt der 60-jährige auf der Insel Rhodos.

Heute lebt der 60-jährige auf der Insel Rhodos. © privat

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