Kurierfahrer aus Ahaus stieg zum Drogenhändler auf

mlzLandgericht Essen

Ein Drogendealer aus Ahaus liefert sich auf dem Weg nach Haltern eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei. Im Auto: Kokain und Marihuana. Jetzt steht er zum zweiten Mal vor Gericht.

Haltern/Ahaus/Essen

, 23.08.2019, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor Gericht kennt sich der 30-jährige Mann aus Ahaus bestens aus. Es ist nicht lange her, da ist er in Münster zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Seit Freitag steht er nun wieder vor Gericht. Diesmal in Essen.

Es geht um Rauschgift. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte noch viel tiefer in die Drogenszene verstrickt war, als bislang angenommen. Im Fokus stehen dabei Abnehmer in Haltern und Marl.

Wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei

Es war der 11. November 2016, als sich der 30-Jährige im Münsterland mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd lieferte. Er war auf dem Weg von Ahaus nach Haltern. Am Ende verlor er die Kontrolle über seinen Wagen, flog aus der Kurve, überschlug sich. In seinem Auto waren damals sieben Kilo Marihuana gefunden worden - plus Kokain und Amphetamin. Dafür war er später in Münster verurteilt worden.

Die Richter waren damals davon ausgegangen, dass er einfach nur ein Kurierfahrer war. Das war aber offenbar falsch. Im aktuellen Prozess am Essener Landgericht hat der Mann aus Ahaus bereits gestanden, auch selbst Drogen verkauft zu haben. Sein „Zwischenhändler“ saß in Haltern, Endabnehmer war die Drogenszene in Marl.

Zwischenhändler saß in Haltern

In der neuen Anklage ist von rund 16 Kilo die Rede, die der 30-Jährige verkauft haben soll. Vor allem Marihuana und das hochwertigere Hace.

Die Mengen wollte der Angeklagte den Essener Richtern so allerdings nicht bestätigen. Es sei zwar richtig, dass er Rauschgift verkauft und geliefert habe. „Aber das war relativ unregelmäßig.“ Immer so, wie es bestellt worden sei.

Die Marler Drogenszene hatte der Angeklagte über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Das war offenbar die Chance, vom Kurierfahrer zum Händler aufzusteigen. „Das war für mich interessant“, so der 30-Jährige vor Gericht.

Richtig gut verstanden hat er sich aber nur mit einem: dem späteren und bereits zu rund vier Jahren Haft verurteilten Zwischenhändler aus Haltern. „Der hat mir in Marl die Tür geöffnet.“

Mit zweifelhaften Marken-Turnschuhen zum Prozess

In Essen muss der Ahauser unter Einbeziehung des Urteils aus Münster mit einer Gesamtstrafe von fünf bis acht Jahren Haft rechnen. Das haben ihm die Richter auf Anfrage seines Verteidigers Jens Gunnar Cordes nach vorläufiger Einschätzung bereits signalisiert.

Der Kontakt zur Marler Drogenszene hatte für den 30-Jährigen übrigens noch einen weiteren Vorteil. Dort gab es nämlich auch extrem günstige Marken-Turnschuhe. Und die hatte er zum Prozess sogar extra angezogen... Urteil voraussichtlich Anfang September.

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