Durch umgestürzte Bäume, wie auf diesem Symbolbild, kann es zu Schäden an Oberleitungen kommen. Am Donnerstag war davon auch die Strecke zwischen Haltern und Dülmen betroffen. © picture alliance / dpa
Sturmtief

Lichtblitz im RE42: Halternerin berichtet von Schockmoment in der Bahn

Sturmtief „Goran“ zog am Donnerstagvormittag über das Land und hat für teilweise schwere Sturmböen gesorgt. Eine Bahnpendlerin aus Haltern berichtet nun von einem „schockierenden Erlebnis“.

Diese Fahrt wird Angelika Maurer-Spier aus Haltern so schnell vermutlich nicht vergessen. Als sie am frühen Donnerstagmorgen mit der Regionalbahn 42 zu ihrer Arbeitsstelle nach Münster fuhr, sei ihr Zugabteil um kurz vor sieben Uhr „von mehreren gewaltigen Blitzen“ durchdrungen worden. Ein Sprecher der Deutschen Bahn nimmt dazu Stellung.

Ein Lichtbogen sei rund vier Meter vor ihr zu sehen gewesen. „Im Zugabteil“, berichtet die Frau unserer Redaktion. „Es folgten noch zwei weitere.“ Der Lichtbogen habe sich, begleitet von einem lauten Knall, von der linken Seite der Fensterfront durch den Zug zur rechten Fensterfront bewegt. „Ich war so erschrocken und stand danach auf, um weitere Fahrgäste zu fragen, ob sie das gesehen hätten. Zuerst kam keine Antwort, alle waren wie betäubt“, schildert die Halternerin.

Tödliche Verletzungen möglich

Ein mehrere Tausend Grad heißer Lichtbogen kann entstehen, wenn der Stromkreis zwischen einer Bahn-Oberleitung und einem Menschen geschlossen wird. Dabei sind Elektronen in der Luft im Spiel. Um einen lebensgefährlichen Stromschlag zu bekommen, muss das Opfer die Leitung nicht berühren. Es reicht, dass der Mensch ihr zu nahe kommt, zum Beispiel weil er auf einem Waggon oder einer Lok steht. Die Folgen sind schwere Verbrennungen oder Organversagen. Immer wieder weisen Bahn und Bundespolizei darauf hin, dass ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern zu Oberleitungen eingehalten werden muss, damit es nicht zu tödlichen Verletzungen kommt.

Unbehagen habe sich wenig später im Abteil breit gemacht, berichtet die Halterner Bahnpendlerin. „Eine Frau neben mir wollte die Polizei anrufen, denn es war kein Zugbegleiter in der Nähe und es roch verbrannt.“ Außerhalb des Zuges, der daraufhin im „Schneckentempo“ bis zur Haltestelle Sythen gefahren sei, habe sie immer wieder Funkenschlag von der Oberleitung beobachten können. „Wir wollten nur noch aus dem Zug raus“, schildert die Bahnpendlerin. Es sei insgesamt ein beklemmendes Gefühl gewesen. Die Situation habe sich „gefährlich“ angefühlt. In Sythen sei sie dann ausgestiegen. „Mit großer Verspätung kam ich mit einem anderen Zug an meinem Arbeitsplatz in Münster an.“

Baum touchierte offenbar Oberleitung

Was sagt die Bahn zu dem Vorfall? Sprecher Dirk Pohlmann bestätigt: „Durch den Sturm wurden am Donnerstag mehrere Oberleitungen beschädigt. Betroffen war auch die Strecke zwischen Haltern und Dülmen.“ Dort sei eine Oberleitung durch einen kleinen, umgestürzten Baum kurzfristig in Mitleidenschaft gezogen worden. Aufgrund der technischen Störung sei der RE42 am Bahnhof Sythen zunächst stehen geblieben. Knapp 20 Minuten später habe der Zug dann weiterfahren können. Der umgestürzte Baum habe die Oberleitung möglicherweise kurz touchiert, er sei dann an der betroffenen Stelle aber seitlich neben die Gleise gelandet.

Dass es durch den Vorfall außerhalb des Zugs zu einem Lichtbogen gekommen sein könnte, sei nicht auszuschließen. „Von einem Lichtbogen im Abteil habe ich noch nie gehört. Möglicherweise wurde das aber so wahrgenommen“, so Dirk Pohlmann. Wie im Auto seien die Gäste auch im Zug durch einen Faradayschen Käfig geschützt. Für die Fahrgäste, so ist er überzeugt, habe keine Gefahr bestanden. Allerdings: Wenn eine stromführende Oberleitung auf einen Zug fällt, ist höchste Vorsicht geboten, da ein Reststrom in der Leitung bleiben kann, der durch eine Erdung abgeleitet werden muss. 15000 Volt fließen durch eine Bahn-Oberleitung. Das ist das 65-mal so viel, wie zu Hause aus einer Steckdose kommt.

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
Zur Autorenseite
Daniel Winkelkotte

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.