Liebe und Weltuntergang

Haltern Üblicherweise spielen sie bei Rock am Ring oder im Vorprogramm von "Wir sind Helden". Das Konzert im Trigon dürfte für Tele eine Abwechslung zu den großen Hallen gewesen sein.

23.09.2007, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Rockbüro beteiligte sich zwar an der Organisation, doch Vorsitzender Rainer Terwort sagte am Samstagabend: "So eine große Nummer wie Tele könnten wir uns gar nicht leisten." Dass die Berliner in Haltern auftreten konnten, war der Spendierfreudigkeit der IGBCE zu verdanken. Denn deren 120 Mitglieder starke Halterner Jugendgruppe um ihren neuen Vorsitzenden Martin Domnick nutzte das Konzert, um gegen rechte Gewalt aufzutreten und sich der Öffentlichkeit zu präsentieren - unter anderem mit einer Verlosung, bei der Preise von Verzehrgutscheinen bis zum Schnuppertauch-Kurs unters Volk gebracht wurden.

Musikalisch eröffnet wurde der Abend von der heimischen Band "Helter Skelter", die neben einigen älteren Stücken vor allem ihre neue CD präsentierte. Dabei zeigte sich, dass die Jungs dem Brit-Pop im Stile von Oasis und Co. im Wesentlichen treu bleiben.

Wenig Zuschauer

Der Funke sprang allerdings nur schwach auf das Publikum über, wie auch die geringe Zuschauerzahl von rund 100 Besuchern ein generelles Problem des Abends war - beim Auftritt der eigentlichen Stars waren es überraschenderweise noch weniger. Das dürfte Tele-Frontmann Francesco Wilking aber kaum tangiert haben. Der Sänger, der äußerlich Ähnlichkeit mit Kurt Cobain hatte und dessen Gesang ein wenig nach Tocotronic klang, schien eher in seinen eigenen Gedankenwelten zu schweben. Vereinzelte Kontakte zum Publikum waren durch seinen genialen Sarkasmus gekennzeichnet. Das eigentliche Highlight des Konzerts waren die poetischen Texte, die von dumpfer Untergangsstimmung ("Ich blättere durch die Zeitung und auf der letzten Seite steht, wie die Welt auseinander fällt") bis hin zu zarten Liebesbekenntnissen reichten ("Bist du heut' Nacht in meinem Traum? Sag ja, sag's laut"). Vor allem gegen Ende wurde die indie-lastige Musik dynamischer. Die Symbiose zwischen Zuschauern und Band brauchte ein wenig länger, um s ich aufzubauen, entlud sich aber am Ende in euphorischen Zugabeforderungen. Im Fazit ein Abend, der den wenigen Beteiligten, die bis zum Schluss da waren, sicherlich in guter Erinnerung bleiben wird. Leonid Sirotin

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