Lippramsdorfer machen sich Sorgen

Geplante Landesnotunterkunft

Die Bezirksregierung Münster hat weiter die Absicht, auf dem Schachtgelände AV8 in Lippramsdorf eine Landesnotunterkunft für Flüchtlinge einzurichten. Dies hat Bezirksregierungssprecher Thomas Drewitz am Freitag auf Anfrage erklärt.

LIPPRAMSDORF

, 15.04.2016, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Laut Rahmenbetriebsplan müsste das stillgelegte Zechengelände in Lippramsdorf der Natur zurückgegeben werden. Landespolitische Gründe erlauben eine Zwischennutzung: Die Gebäude sollen möglicherweise als Flüchtlingsunterkunft dienen.

Laut Rahmenbetriebsplan müsste das stillgelegte Zechengelände in Lippramsdorf der Natur zurückgegeben werden. Landespolitische Gründe erlauben eine Zwischennutzung: Die Gebäude sollen möglicherweise als Flüchtlingsunterkunft dienen.

Derzeit laufen Gespräche, es sei aber noch zu früh, um konkret zu werden. Es stünde auch noch nicht fest, wie viele Plätze für Flüchtlinge dort eingerichtet werden würden. "Ab 500 sei alles möglich", so Thomas Drewitz.

Die bereits in der Öffentlichkeit diskutierte Zahl von 1000 Flüchtlingen am Standort AV8 (wir berichteten mehrfach) bereitet den Lippramsdorfern unterdessen weiter Sorgen. Dies wurde am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung der Bürgerinitiative für Lebensqualität und Umweltschutz (BLU) im Haus Teltrop deutlich. Der erste Beigeordnete der Stadt Haltern, Hans-Josef Böing, und Ordnungsamtsleiter Helmut Lampe waren einer Einladung der BLU gefolgt, und stellten sich dort den Fragen der anwesenden Mitglieder.

Komisches Gefühl

"Wenn ich mir vorstelle, dass mein Mädchen an der Bushaltestelle mit 20 Asylbewerbern steht, bekomme ich ein komisches Gefühl", sagte eine besorgte Mutter in der Versammlung.

Böing berichtete in diesem Zusammenhang von den Erfahrungen, die die Stadt mit der Notunterkunft in Sythen gemacht hat. Diese seien nicht so wie man das nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln befürchten könnte.

Völlig unabhängig

Aber: "Es gibt auch in Haltern am See Kriminalität im Umfeld von Flüchtlingen, aber wir verheimlichen da nichts und wir haben auch keine Mitleidsbrille auf." Der Sicherheitsdienst, der dort 24 Stunden an 7 Tagen die Woche im Einsatz ist, sei außerdem weniger für Einsätze in der Unterkunft nötig. Stattdessen schütze er die Flüchtlinge eher vor Gefahren "von außen", so Böing.

Er machte auch deutlich, dass die Verwaltung nicht der Meinung sei, dass der Ortsteil Lippramsdorf und besonders die Freiheit mit einer Notunterkunft in einer "außergewöhnlichen Weise" überfordert werden würden. "Niemandem wird etwas weggenommen, und niemand muss sich beispielsweise Sorgen um seine ärztliche Versorgung in Lippramsdorf machen." Die Notunterkunft würde völlig unabhängig vom Ortsteil funktionieren: eigene Ärzte, eigene Verpflegung und für Kinder, die wie ihre Familien nur für kurze Zeit in der Einrichtung leben würden, bestehe keine Schulpflicht. Alle Kosten für die Einrichtung würde das Land NRW tragen. "Der Betrieb einer Landeseinrichtung für Flüchtlinge in unserer Stadt entlastet die Stadt, weil sie für die Flüchtlinge, die dort leben, keinerlei eigene Infrastruktur bereitstellen muss und erheblich finanziell geschont wird", fasste Böing zusammen.

Nicht alleinlassen

Außerdem würden Flüchtlinge in Landesnotunterkünften auf das städtische Kontingent angerechnet. Dies hätte zur Folge, dass die Stadt darüber hinaus keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen müsse.

"Wir müssen versuchen, diejenigen, die sich Sorgen machen, ob das, was da derzeit so passiert, denn alles richtig ist, nicht allein mit ihren Sorgen zu lassen", sagte Böing.

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