Das Ziel, die Fallzahlen der mit dem Coronavirus infizierten Personen zu reduzieren, ist noch nicht erreicht. © Jürgen Wolter
Coronavirus

Lockdown zu leicht? Die Corona-Bilanz in Haltern für den November

Haltern ist in Recklinghausen die einzige Stadt, die es schaffte, die 7-Tage-Inzidenz zwischenzeitlich unter 50 zu drücken. Mittlerweile hat das Infektionsgeschehen wieder an Fahrt aufgenommen.

Der „Lockdown light“ hat im November letztendlich nicht die erhofften Resultate gebracht. „Die an sich ja exponentiell ansteigende Fallzahl wurde nach einer gewissen ‚Reaktionszeit‘ zunächst spürbar abgeflacht“, sagt Halterns Stadtsprecher Georg Bockey. Haltern war auf einem guten Weg. Mittlerweile sei aber wieder ein leichter Anstieg der Infektionskurve zu beobachten, so der Stadtsprecher.

Die Zahlen

Die sehen auf den Kreis Recklinghausen bezogen ernüchternd aus. Am 1. November wies das Landeszentrum Gesundheit NRW (LGZ NRW) für den Kreis Recklinghausen eine Wocheninzidenz von 147,3 aus. Am 30. November war der Wert quasi identisch (147,5). Die Zahlen des LGZ sind allerdings nicht so aktuell wie die des Kreisgesundheitsamts Recklinghausen.

Als Grenzwert für Lockerungen gilt nach wie vor 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage. Die beim LGZ ausgewiesenen Daten sind maßgeblich für etwaige Lockerungen.

Die Inzidenzdaten vom Gesundheitsamt lag am 1. November bei 204,4 und 168,5 am 30. November. Aktuell liegt die Inzidenz wieder bei 178 (Stand 8.12.).

Zahlen in Haltern wurden mehr als halbiert – aber…

Die Zahl der aktiven bestätigten Fälle hat Haltern zwischen dem 1. und 30. November um 61 Prozent drücken können. Kreisweit ging die Zahl der aktuell Infizierten im selben Zeitraum um 21 Prozent zurück. „Die Zahl der aktiven Fälle hat sich in diesem Zeitraum mehr als halbiert“, stellte Kreissprecherin Lena Heimers erfreut fest. In absoluten Zahlen waren in Haltern Stand 1. November 72 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, am 30. November „nur“ noch 28.

Die Inzidenz in der Seestadt sank sogar zwischenzeitlich unter die 50er-Marke. Mittlerweile hat das Infektionsgeschehen in der vergangenen Woche aber wieder an Fahrt gewonnen. Mittlerweile sind 41 Menschen in Haltern (Stand 8.12.) mit dem Coronavirus infiziert. Die Inzidenz liegt nach aktuellem Stand bei 97,8.

Damit ist Haltern aber immer noch die Stadt im Kreis Recklinghausen, die bislang am besten durch die Krise kam. Eine mögliche Erklärung gibt Stadtsprecher Georg Bockey: „Haltern profitiert offensichtlich von seiner räumlichen Struktur mit eher ländlicher Prägung. Begünstigend kommt hinzu, dass wir bei uns kaum Ballungsräume haben.“

Vorsicht an den Feiertagen weiterhin geboten

Die Halterner sollen allerdings weiterhin vorsichtig sein, sagt der Stadtsprecher. Für das Weihnachtsfest und Silvester hofft er auf Zurückhaltung der Bürger: „Die Landesregierung hat zwar den Rahmen geschaffen, das Weihnachtsfest überhaupt feiern zu können, aber bezogen auf die Infektionslage ist auch während der Feiertage Zurückhaltung geboten.“

Weil durch einzelne Ereignisse immer wieder Regionen zu Hotspots werden wie zuletzt die Stadt Datteln, dürfe man sich nicht in „trügerischer Sicherheit“ wiegen, so Kreissprecherin Heimers. Sie betont, dass die Zahlen „immer noch wirklich sehr hoch“ seien und appelliert, Vorgaben wie Kontaktbeschränkung und AHAL-Regeln einzuhalten und an den Feiertagen Vernunft walten zu lassen.

Die Kontrollen

Die aktuellen Maßnahmen des Lockdown light würden in Haltern gut akzeptiert, sagt Stadtsprecher Bockey. Bürgermeister Andreas Stegemann sei dankbar für die allgemein disziplinierte Bürgerschaft. „Diese akzeptiert ganz überwiegend die Inhalte der Corona-Schutzverordnung, so dass wir nur wenige Ausnahmen haben“, so Bockey. Diese – wie vergangenen Freitag, als ein 69-Jähriger einen Stadt-Mitarbeiter anspuckte – gebe es zwar auch, seien aber selten.

Die Ansteckungsorte

„Es ist immer noch so, dass das Gros der Ansteckungen im privaten Bereich passiert“, sagt Lena Heimers. Das Gesundheitsamt beobachtet zudem Häufungen in Schulen und Kitas, Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen.

Was aber nicht darauf zurückzuführen sei, dass in diesen Einrichtungen nachlässig gehandelt werde. „Der Schwerpunkt liegt definitiv bei Ansteckungen im privaten Bereich, die dann in diese sensibleren Bereiche eingetragen werden.“

Die Todesfälle

Die Zahl der Todesfälle im Kreis Recklinghausen im Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt aktuell sehr stark. Sie ist bald dreimal so hoch wie noch Ende Oktober. Besonders gefährdet sind ältere Personen mit Vorerkrankungen: 121 der 142 Menschen, die kreisweit an oder mit dem Coronavirus gestorben sind, waren 70 Jahre oder älter (Stand 8.12.).

Haltern ist bislang – glücklicherweise – ohne Corona-Toten durch das Pandemie-Jahr gegangen. Eine Erklärung dafür gebe es nicht, sagen sowohl Kreissprecherin Heimers als auch Stadtsprecher Bockey.

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