Mädchen schnuppern in eine Berufswelt voller Männer

Girls` Day

In der Nacht zu Donnerstag gab es in Hullern auf der B 58 eine Ölspur. Der gesamte Boden war kontaminiert, musste ausgehoben und zur Entsorgung nach Gladbeck gekarrt werden – unter anderem von einem 14-jährigen Mädel. Der Girls' Day machts möglich.

HALTERN

von Von Ina Retkowitz

, 15.04.2011, 07:23 Uhr / Lesedauer: 10 min
Kim Deitermann (14) hilft beim Baubetriebshof, die verschlissenen Hydraulik-Schläuche am Bagger auszutauschen. RN-Foto Retkowitz

Kim Deitermann (14) hilft beim Baubetriebshof, die verschlissenen Hydraulik-Schläuche am Bagger auszutauschen. RN-Foto Retkowitz

Zusammen mit zwei anderen Mädchen schnupperte Kim Deitermann in eine Berufswelt, die sonst eher Männern vorbehalten ist. Kim durfte trotzdem sofort anpacken und zum Beispiel die Hydraulik-Schläuche an einem Bagger austauschen. Nach fünf Jahren sind die verschlissen und müssen erneuert werden, weiß sie jetzt. Bei einem weiteren städtischen Reinigungsfahrzeug dreht sich der Besen nicht mehr. Auch darum kümmern sich die Mitarbeiter in der Werkstatt – typischerweise nur Männer. In einer ganz anderen Werkstatt, bei Autohaus Keysberg, ergibt sich ein ähnliches Bild.

Hier hat Melanie Götze Gas gegeben und schon zwei Tage vor dem eigentlichen Mädchen-Tag reingeschnuppert. Das Ergebnis: „Allein dieses andere Geschlecht fällt schon auf, ganz unabhängig vom Alter. In einer Werkstatt ist die Geräuschkulisse ganz anders, man macht sich dreckig...“, so Leo Keysberg. Dennoch sei alles glatt gelaufen und im nächsten Jahr sei man gern wieder mit dabei. Ein Dauerbrenner ist die Feuerwehr, bei der Michelle Ahrens (13) und Mareke Johnsdorf (13) reinschnupperten. Ihr Urteil: „Spannend, aber nicht unbedingt etwas für uns. Das ist eine ganz schön harte körperliche Belastung.“ Und Blut sehen können die beiden auch nicht so gut.

Im Zweifelsfall müssten sie das aber, wenn sie bei Unfallopfern erste Hilfe leisten. So ist es nicht verwunderlich, dass in Haltern nur Männer bei der Feuerwehr sind. Allerdings wären hier auch gar nicht die räumlichen Voraussetzungen für Frauen gegeben – Sanitäranlagen und Ruheräume beispielsweise. Selbst die Kleidung aus der Jugendabteilung ist den Mädchen viel zu groß. Aber sie ist Pflicht, vor allem auf der Feuerwehrleiter in 22 Metern Höhe. Wieder am Boden sind beide etwas blass um die Nase. Mareke Johnsdorf möchte jetzt gerade doch lieber eines werden: Nachrichtensprecherin.

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