Mann soll Holzhütte in Brand gesetzt haben

Prozessauftakt

Weil er im Mai 2016 eine Holzhütte auf dem Campingplatz Hoher Niemen in Haltern am See in Brand gesetzt haben soll, steht seit Freitag ein 43-jähriger Dattelner vor dem Marler Amtsgericht. Beim Prozessauftakt schwieg er. Dafür redete seine Frau, mit der wohl ständig in Streit geriet. Auch in der Nacht vom 11. Mai 2016.

HALTERN

, 02.12.2016, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Laube, Pavillon, Campingwagen, Zaun und Hecke wurden Opfer der Flammen auf dem Campingplatz Hoher Niemen am Mittwochmorgen.

Laube, Pavillon, Campingwagen, Zaun und Hecke wurden Opfer der Flammen auf dem Campingplatz Hoher Niemen am Mittwochmorgen.

Als ihre Holzhütte auf dem Campingplatz Hoher Niemen in der Nacht vom 11. Mai gegen 3.34 Uhr in Flammen aufging, erlosch die Liebe der Frau zu ihrem Mann. "Wir hatten ständig Streit", erinnerte sich die 43-Jährige Freitagmorgen in der Hauptverhandlung gegen ihren Freund.

Der saß auf der Anklagebank im Amtsgericht Marl und musste sich vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Carolin Claas wegen Brandstiftung auf dem Campingplatz verantworten. Ein halbes Jahr nach der Tat würdigten sich die beiden keines Blickes mehr.

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Es war eine von Tätlichkeiten und Ausrastern geprägte Bekanntschaft. Das sagte die Frau als Zeugin aus. "2015 habe ich ihn bei der Polizei angezeigt, nachdem er bei mir zuhause ausgerastet ist und mich angegriffen hatte." In ihrer Waltroper Wohnung soll der Mann aus Frust auch Türen eingetreten oder eingeschlagen haben. "Außerdem hat er regelmäßig die Luft aus meinen Autoreifen abgelassen, wenn er sauer war."

Am 11. Mai 2016, dem Geburtstag des Angeklagten, war das laut Anklageschrift nicht anders. Am Abend fuhr das Paar von Waltrop nach Haltern, um auf der Campingparzelle der Frau zu feiern und dort die Nacht zu verbringen. Das Paar sprach dem Alkohol zu, geriet in Streit, dann schüttete der Angeklagte vor den Augen der Frau Spiritus in der Holzhütte aus und zündete das Häuschen an. So steht es in der Anklageschrift.

"Er geriet völlig außer sich"

Die 43-jährige Zeugin schilderte recht detailliert, wie der Abend aus dem Ruder lief: "Wir haben kaum miteinander gesprochen, er wollte noch nicht einmal mein Geschenk annehmen und auspacken. Als ich dann nicht bei ihm im Wohnwagen schlafen wollte, geriet er völlig außer sich." Der Angeklagte sei nach draußen gerannt, habe blindlings auf den Wohnwagen mit seinen Fäusten eingetrommelt und sie dann auf dem Weg zur Hütte verfolgt. Sie selbst sei ruhig geblieben und habe sich auf die Terrasse zurückgezogen.

Dann aber habe ihr Freund zur Flasche Spiritus gegriffen und den Inhalt in der Hütte ausgeschüttet. "Und dann hat er Feuer gelegt", so die Zeugin. Der Angeklagte selbst verweigerte am Freitag eine Aussage. Sein Anwalt versuchte aber, die Zeugin in ein zweifelhaftes Licht zu rücken.

Anhand eines Eintrags der Polizei in den Ermittlungsakten will er festgestellt haben, dass die 43-Jährige die spätere Brandstiftung "videografiert" haben soll. "So hat sie es gegenüber den Polizisten in Haltern gesagt." "Kein Mensch gibt das so zu Protokoll", meinte Richterin Claas dagegen, die Zeugin stritt den Vorwurf des Anwaltes sogar rundweg ab. Sie habe lediglich ein Sprachmemo aufgenommen, als ihr Freund ausgerastet sei. Ihr Smartphone sei dann bei dem Gerangel vor der brennenden Hütte heruntergefallen und von ihm zertreten worden.

Beweisantrag gestellt

Gleichwohl verlangte der Anwalt in seinem Beweisantrag, dass die Polizei den Handyspeicher auf Sprachmemo oder Video untersuchen solle und als Zeugen vor Gericht gehört werden sollen. Richterin Carolin Claas unterbrach die Hauptverhandlung daraufhin. Fortgesetzt wird die Verhandlung am 23 Dezember (Freitag) um 10 Uhr in Marl.

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