Manuel Neuer zu Gast in Halterns „Schänke“: Tränen und Presse-Verbot

mlzWelttorhüter und Nationalspieler

2011 besuchte Manuel Neuer ein Fanklub-Treffen in Haltern. Die Presse durfte nicht kommen. Neun Jahre später erzählt Florian Kübber von der anstrengenden Planung und einem emotionalen Gast.

Haltern

, 24.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neun Jahre ist es her, dass einer der größten Torhüter in der Geschichte des Fußballs nach Haltern kam. Knapp ein Jahr lang war er da bereits Stammtorhüter der Deutschen Nationalmannschaft, über 150 Spiele hatte er schon für seinen Jugend- und Herzensklub, den FC Schalke 04, gespielt. Sein Auftritt in der „Schänke“ war geprägt von kritischen Fragen, Tränen und dem Versuch der Bild-Zeitung, trotz Presse-Verbots ein Foto vom Keeper zu ergattern.

Der damals 25-Jährige war nicht der erste Spieler von Schalke, der nach Haltern kam. Bereits Youri Mulder oder Oliver Reck besuchten die Seestadt. „Schalke verleiht quasi einmal im Jahr Spieler an die Fußballklubs“, erklärt Florian Kübber, Vorsitzender des Halterner Fanklubs „Steht Auf“, der das Treffen organisiert hatte.

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Fanklubs könnten sich für die Aktion jährlich bewerben, am Ende werde dann immer ausgelost, welcher Spieler wohin geht. „Wenn man Glück hat, kriegt man einen bekannten Spieler“, sagt Kübber. Mit etwas weniger Glück komme „nur“ ein Nachwuchsspieler des Vereins. Doch auch solche Treffen seien interessant, vor allem, wenn Jahre später der Spieler plötzlich zu den ganz Großen gehört.

Kritische Fragen zu Bayern-Wechsel

Doch die Halterner Schalke-Fans hatten Glück. Sie bekamen einen der bekanntesten Spieler des Malocher-Klubs. Gleichzeitig war Neuer zu dem Zeitpunkt aber auch einer, wenn nicht sogar der kontroverseste Spieler des Teams.

Die Bundesliga-Saison war gerade beendet, der FC Schalke nur auf einem enttäuschenden 14. Platz gelandet, während der große Rivale Borussia Dortmund die erste Meisterschaft seit neun Jahren feierte. Das Erreichen des Champions-League-Halbfinales inklusive eines spektakulären 5:2-Sieges bei Vorjahressieger Inter Mailand und das anstehende DFB-Pokalfinale linderten den Frust der Schalke-Fans. Doch viele kannten nur ein Thema: Wechselt Manuel Neuer zum FC Bayern oder bleibt er bei Schalke?

Gemeinsam mit "Schänke"-Inhaberin Sylvia Hildebrand duellierte sich Manuel Neuer mit weiteren Schalke-Fans in einem Kickerduell.

Gemeinsam mit "Schänke"-Inhaberin Sylvia Hildebrand duellierte sich Manuel Neuer mit weiteren Schalke-Fans in einem Kickerduell. © Privat

Am Tag der Veranstaltung in der Schänke, dem damaligen Vereinslokal des Fanklubs, habe es dann zwar kritische Fragen gegeben, „aber es war sehr sachlich und emotionslos“, erzählt Florian Kübber. Anfeindungen gab es nicht. „Das hätten wir auch unterbunden, das gehört da nicht hin“, sagt der Fanklub-Vorsitzende.

Für ihn und die anderen Halterner Schalke-Fans bedeutete der Besuch Neuers vor allem eines: viel Arbeit. Die Organisation eines solchen Treffens zwischen Spielern und Fans hänge immer von dem jeweiligen Spieler ab, erklärt Kübber. „Bei manchen Spielern ist die Organisation ein bisschen einfacher, man macht ein kleines Rahmenprogramm mit einer Fragerunde, einer Runde Kickern und Zeit für Fotos und Autogramme.“ Dann sei der Nachmittag auch schon wieder rum.

Aber „bei Neuer war das eine Mammutaufgabe“.

Alle wollten Manuel Neuer in der Schänke treffen

Es habe so viele Interessierte sowohl aus dem Kreis Recklinghausen als auch aus dem Kreis Coesfeld gegeben, dass sich alle vorab anmelden mussten und gar nicht alle am Ende kommen konnten. Auch mit dem Ordnungsamt wurden vorab einige Gespräche geführt, das Event konnte nur unter Auflagen stattfinden. „Die hatten etwas Bedenken wegen der Menge an Menschen“, erzählt Kübber. Daher habe es Einlasskontrollen am Eingang der Schänke gegeben.

Von der Halterner Zeitung war damals kein Redakteur vor Ort. „Gerne hätten wir über das gestrige Fantreffen mit Manuel Neuer in der Schänke berichtet“, heißt es in der Ausgabe vom 9. Mai 2011. „Doch leider wurden auf Wunsch von Manuel Neuer und nach Rücksprache mit der Pressestelle vom FC Schalke 04 keine Vertreter der Presse zugelassen.“

Wenige Tage nach seinem Besuch in der Schänke, am 21. Mai 2011, holte Manuel Neuer in seinem letzten Spiel mit dem FC Schalke den DFB-Pokal durch einen 5:0-Sieg gegen Zweitligist MSV Duisburg.

Wenige Tage nach seinem Besuch in der Schänke, am 21. Mai 2011, holte Manuel Neuer (schwarz) in seinem letzten Spiel mit dem FC Schalke den DFB-Pokal durch einen 5:0-Sieg gegen Zweitligist MSV Duisburg. © picture alliance / dpa

Einige Journalisten waren dennoch vor Ort. „Das war alles ein bisschen abenteuerlich“, erinnert sich Kübber. Reporter der Bild-Zeitung seien vor der Schänke aufgetaucht, um Fotos vom damals gefragtesten deutschen Torhüter machen zu können. Um das zu verhindern, hätten extra die Rollladen an den Fenstern der Kultkneipe runtergelassen werden müssen.

„Das hat ihn alles schon mitgenommen“

Grund für das Erscheinen der Reporter war der bevorstehende und in der Gerüchteküche bereits als so gut wie sicher eingeschätzte Wechsel des Keepers. Ein Transfer, der Manuel Neuer selbst sehr bewegte. Als die anwesenden Fans einige Schalke-Lieder anstimmten, war der gebürtige Gelsenkirchener sichtlich gerührt, sogar den Tränen mehr als nur nahe. „Das hat ihn alles schon mitgenommen“, erinnert sich Florian Kübber. Auch die Anfeindungen aus einigen Fanlagern, so vermutet er, gingen ihm damals sehr nahe.

Einige Fanlager waren sauer über seinen wahrscheinlichen Wechsel. Noch Jahre nach seinem Wechsel, den der FC Bayern rund einen Monat nach Neuers Besuch in Haltern offiziell machte, wurde der heutige DFB-Kapitän bei Spielen in der Schalker Veltins-Arena ausgepfiffen. „Ganz glücklich war ich auch nicht“, sagt Florian Kübber heute über den Wechsel. „Ich hätte mir gewünscht, dass er noch länger bleibt.“

Im Vorfeld sei damals bereits mit allen Mitgliedern des Fanklubs besprochen worden, wie mit den Wechselgerüchten des Torhüters umgegangen werden sollte. Kritik sei damals durchaus in Ordnung gewesen, erklärt Kübber, aber diese müsse dann auch sachlich sein. Alle seien sich einig gewesen, dass es nicht zu Polemik kommen solle. „Er war ja unser Gast.“ Heute lässt sich sagen: Er war sogar der prominenteste Gast, den der Fanklub je in Haltern begrüßen durfte.

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