Römertage

Marc Bühner aus Haltern: Von Asterix und Obelix zur Römertruppe

Marc Bühner und Nils-Benjamin Hahn erzählen, wie sie zur Römertruppe im Museum gekommen sind und warum „Asterix und Obelix“ als Inspiration taugen, mit der Wirklichkeit aber wenig zu tun haben.
„Optio“ Marc Bühner steht in der Uniform eines römischen Legionärs vor dem Westtor des Römerlagers in Haltern am See.
„Optio“ Marc Bühner bekleidet innerhalb der Römertruppe einen niedrigen Offiziersrang und ist, gemeinsam mit Nils-Benjamin Hahn, Sprecher der Gruppe. © Peter Jülich

Am Samstag (6.8.) und Sonntag (7.8.) marschieren römische Legionäre an ihrer alten Wirkungsstätte, dem ehemaligen Römerlager in Haltern am See, auf. Mit dabei sind Marc Bühner und Nils-Benjamin Hahn, Mitglieder der XIX. Legion im Römermuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Im Interview erzählen sie, woher ihre Leidenschaft für die Römer stammt und warum Römer sein mehr ist als ein reines Rollenspiel.

Welche Rollen nehmen Sie innerhalb der Gruppe ein?

Bühner: Wir sind Sprecher der Gruppe. Vor allem aber üben wir eine römische Rolle aus. Dabei hat jeder von uns eine spezielle handwerkliche Fähigkeit, in der er oder sie arbeitet – sei es Textil-, Leder-, Holz- oder Metallhandwerk. Ich bin der Optio unserer Einheit, der ersten Kohorte der XIX. Legion. Das heißt, ich bekleide einen niedrigen Offiziersrang.

Hahn: Ich bin Cornicen, also der Hornbläser und für die Signalgebung sowie die akustischen Signale der Truppe verantwortlich. Mein Rang ist ebenfalls der eines Unteroffiziers. Insgesamt sind wir 20 Mitglieder, darunter drei Frauen.

Welche historische Bedeutung hat die erste Kohorte der XIX. Legion?

Bühner: Als Einheit der römischen Armee ist sie bis heute bekannt als eine der drei Legionen, die im Herbst 9 nach Christus in der Varusschlacht von den Germanen überraschend und vernichtend geschlagen wurde. Der Standort Haltern spielt dabei insofern eine Rolle, als von hier aus die Eroberung des gesamten Gebietes, auch die Varusschlacht, geplant und vorangetrieben wurde. Im Hauptlager von Aliso lebten bis zu 5000 Legionäre.

Wie sind Sie zu der Römertruppe gekommen?

Hahn: 2018 hat das LWL-Römermuseum den Aufruf „Aliso braucht dich“ gestartet, um auf dem Gelände des ehemaligen Römerlagers Haltern eine eigene Truppe zu installieren. Wir erreichen natürlich nicht die Truppenstärke von vor 2000 Jahren. Bis heute sind bei uns dieselben Leute dabei, die 2018 ausgewählt wurden. Seit knapp vier Jahren stellen wir gemeinsam unsere Ausrüstung her und haben als Gruppe zusammengefunden.

Nils-Benjamin Hahn in der Ausrüstung eines römischen Legionärs auf der Wiese im Römerlager Haltern am See.
Nils-Benjamin Hahn ist als „Cornicen“ (Hornbläser) für die Signalgebung der Römertruppe verantwortlich. © Peter Jülich

Woher kommt Ihr Interesse für die Römer?

Hahn: Bei vielen von uns kam der Erstkontakt über „Asterix und Obelix“. Ich habe als Kind oft das LWL-Römermuseum besucht und studiere inzwischen Alte Geschichte. Da bietet es sich geradezu an, das Ganze auch mal praktisch auszuprobieren. Ein besonderer Ansporn ist für mich die Verknüpfung mit römischem Handwerk. Wir verkleiden uns nicht nur als Römer und spielen eine Rolle, sondern tauchen tief in die Materie ein. Anhand historischer Quellen recherchieren wir, wie die militärische Ausrüstung vor 2000 Jahren ausgesehen hat, und arbeiten sie dann mit möglichst authentischen Handwerkstechniken nach.

Bühner: Auch bei mir war das Comicheft der Ausgangspunkt. Hinzu kommt, dass ich aus Haltern komme. Haltern und die Römer – das gehört zusammen. Zudem wohne ich auf einem ehemaligen römischen Feldlager.

Welche Bedeutung hat die Römertruppe für das LWL-Römermuseum?

Hahn: Wir halten jeden Sonntag von 11 bis 14 Uhr am Westtor unsere Mauerwache ab. Mal in größerer, mal in kleinerer Besetzung. Dort treffen wir uns auch untereinander. In unserer römischen Ausrüstung, die wir selbst anfertigen, erzählen wir den Besuchern, wie es vor 2000 Jahren in Haltern zuging.

Die Darsteller der 19. Legion marschieren vor dem Westtor des Römerlagers Haltern.
Die museumseigene Römertruppe des LWL-Römermuseums mit Nils-Benjamin Hahn (3.v.r.) bei einem ihrer Aufritte auf der Römerbaustelle Aliso, dem Gelände hinter dem LWL-Römermuseum. © Peter Jülich

Welche Bedeutung hat für die Römertruppe das neue römische Wachhaus?

Hahn: Zum einen freuen wir uns auf ein weiteres Gebäude, das wir bespielen können. Dadurch, dass es voll ausgestattet ist, können wir uns mit den Besuchern noch mehr austauschen und über die Funde, welche dort aufbewahrt sind, neue Ansatzpunkte in der Wissensvermittlung finden. Zum anderen betrachten wir das Gebäude als unser „Clubhaus“. Es verfügt über Betten und so haben wir endlich die Möglichkeit, am Museum zu übernachten, mehr Veranstaltungen länger durchzuführen. Auch für die Gruppendynamik ist das sehr wertvoll.

Welche Rolle spielen die Römertage?

Hahn: Sie sind in der Region ein absolutes Veranstaltungshighlight und für uns als Römertruppe eine Premiere. Gemeinsam mit den Kollegen der Cohors III der Legio XIX aus Bergkamen und der I. Roemercohorte Opladen haben wir die Gelegenheit, eine große schlagkräftige Armee darzustellen.

Bühner: Neben dem Aufmarsch demonstrieren wir natürlich auch unser handwerkliches Können. Wir bieten römisches Brot und weitere typische Speisen der Legionäre an. In einer Mitmachaktion, die wir gemeinsam mit den Museumspädagogen des LWL-Römermuseums starten, können Kinder bei uns ihr Legionärsdiplom ablegen. Das Hauptthema der diesjährigen Römertage ist aber sicherlich der Adler. Neben der Feldzeichen-Weihe erwartet die Besucher auch eine Flugshow mit lebendigem Adler.

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