Mit dem Weseler Tor geht Haltern und 53 Kegelclubs ein Stammlokal verloren

mlzGaststätte geschlossen

In ihren Herzen tut die Entscheidung weh: Familie Cosic hat am Sonntag zum letzten Mal Gäste im Weseler Tor bewirtet. Im Gespräch erklärt die Familie, warum das Tor jetzt zu bleibt.

Haltern

, 02.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor 34 Jahren zogen Toni und Slavka Cosic als Pächter in das Lokal an der Ecke Weseler/Lavesumer Straße. Der Wohnkomplex, in dem unter anderem die Stadtbücherei ihr Domizil hat, war gerade fertig geworden. 50 Sitzplätze, eine Kegelbahn: das war die Ausgangsposition. Das Ehepaar aus Kroatien machte etwas draus.

Aus Angst wurde Freundschaft

Die Söhne Ivica und Tommi vervollständigten bald das Team im Familienbetrieb. „Ich bin 1988 aus Kroatien nachgekommen. Damals hatte ich Angst“, sagt Tommi, zu jener Zeit 15 Jahre jung. „Aber ich bin von Anfang an in Haltern herzlich aufgenommen worden, niemand hat mich ausgegrenzt, weil ich Ausländer war.“ Ganz im Gegenteil. Tommi antwortet heute auf die Frage, wo seine Heimat ist: „Ich bin von Herzen ein Halterner, hier ist meine Heimat.“ Nicht nur wegen der hohen Lebensqualität, sagt er, sondern wegen der wertvollen Freundschaften.

Die Gaststätte führten Toni, Slavka, Ivica und Tommi als Familienbetrieb, in der Küche hatte die Mutter das Sagen. „Unser großer Vorteil war, dass wir uns aufeinander verlassen konnten“, es gab keine personelle Fluktuation, so blieb die Qualität in Küche und Service konstant gut („das war das Geheimnis unseres Erfolgs“). Sehr zum Wohlgefallen der treuen Gäste. Diese kamen nicht nur wegen des leckeren Essens. Im Weseler Tor wuchsen Beziehungen, sehr enge sogar. „Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt, mit denen wir auch Privates ausgetauscht haben“, erzählt Tommi. Die Jahre hätten ihn sehr in seiner Persönlichkeit gestärkt.

Nicht mit Tradition brechen

Nun aber haben sich seine Eltern entschlossen, nach Kroatien zurückzukehren. Sie sind 69 und 64 Jahre alt, es ist Zeit für den Ruhestand. Tommi ist ausgebildeter Kellner, er müsste für die Küche jemanden einstellen. Das ist wegen der allgemeinen Personalsituation im Gaststättengewerbe mit hoher Fluktuation nicht einfach. Es sei schwer, gutes, treues und zuverlässiges Personal zu finden. Der 46-Jährige hat Sorge, dass die Gäste nicht mehr wie gewohnt gut bedient werden, dass es nach der guten Zeit bergab gehen könnte. „Ich möchte den guten Ruf des Weseler Tors nicht aufs Spiel setzen.“ Hinzu kommen die hohen Auflagen und die Bürokratie im Gastronomie-Gewerbe, „sie nehmen uns manchmal die Freude an der Arbeit. Verantwortung zu tragen kann auch Bürde sein.“

Das Ende geht allen nahe

Schweren Herzens hat sich die Familie entschlossen, das Weseler Tor zu schließen. Tommi, Vater von drei Kinder, wird sich neu orientieren. Ob es in der Gaststätte einen Nachfolger geben wird, weiß er nicht.

Von den Stammgästen und den 53 Kegelclubs hat sich Familie Cosic persönlich verabschiedet. Allen geht dieses Ende sehr nahe. Für alle geht Gutes verloren. Tommi sagt: „Egal, wo ich bin, ich werde Haltern immer verbunden bleiben. Es waren wunderbare Jahre! Dankeschön!“

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