Muttergottes im Garten

Sythen Das Schwerpunktthema des diesjährigen Denkmaltages heißt: "Orte der Einkehr und des Gebets - Historische Sakralbauten."

05.09.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einige der historischen Kirchenbauten in Haltern sind schon bei früheren Denkmalstagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Sie werden auch an morgigen Sonntag wieder geöffnet sein.

Ein wenig beachteter und fast unbekannter Teil des sakralen Denkmalerbes sind Kleindenkmale wie Bildstöcke, Wegekreuze oder private Mariengrotten. Eindrucksvolle Beispiele sind die Kreuzigungsgruppe in "Korten Kapellken" am Prozessionsweg oder die Wegekapelle an der Dorstener Straße mit der barocken Sandsteingruppe der Anna Selbdritt. Sie sind eng mit der lokalen Geschichte verwachsen und erzählen von der Verbundenheit der Erbauer mit ihrem Denkmal.

Pilger

Jedes Jahr pilgern rund sechs Millionen Menschen nach Lourdes, wo im Juli 1858 der 14-jährigen Bernadette Soubirous die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Neben Lourdeswasser nehmen viele Gläubige auch eine Gipsstatue der Gottesmutter mit nach Hause. Ihr Aussehen ist unverwechselbar: cremefarbenes Gewand mit blauer Schärpe, den Rosenkranz über dem Arm und eine Rose auf jedem Fuß. Viele Halterner kennen diese Mariendarstellung von der Lourdesgrotte auf dem Annaberg.

Weniger bekannt dürfte sein, dass Wallfahrer der wundertätigen Madonna in tiefer Verehrung daheim im Garten eine private Andachtsstätte errichtet haben. Eine allgemeine Lourdesbegeisterung zu Anfang des 20. Jahrhunderts führte dazu, dass in den katholischen Gemeinden Deutschlands zahlreiche Nachbildungen der Grotte von Lourdes mit einer Marienstatue entstanden.

Maiandachten

In Haltern sind zwei solcher Privatgrotten bekannt. Auf dem Hof der Familie Wessel in Uphusen entstand um die Mitte der 20-er Jahre eine Grotte aus Borkenberger Tunstaaken (plattdeutsch für Zaunsteine). Die ursprüngliche Madonnenfigur stammte aus Lourdes. Sie ging irgendwann zu Bruch und wurde durch eine neue aus der Buchhandlung Cleve ersetzt. Früher wurden an der Grotte gelegentlich Maiandachten abgehalten.

Die Mariengrotte in der Stockwiese baute der Vater von Hermann Mühlenbrock, genannt Bergpeter, der nie in Lourdes war, in den 50-er Jahren aus den Steinen des abgebrochenen alten Wohnhauses.

Auch wenn manche Leute diesem Volksglauben kritisch gegenüberstehen, war es den Erbauern ein Bedürfnis, ihre Marienverehrung im Alltag zu leben und sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Rudolf Marwitz

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