Im November 2011 haben sich Thomas Sauer und sein Sohn Marcel einen Lebenstraum erfüllt und in Lippramsdorf ihren eigenen Kfz-Betrieb eröffnet. Doch am 11. Juli hat ein Feuer alles zerstört.

Lippramsdorf

, 21.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jedes Mal, wenn ich das hier sehe, blutet mir mein Herz“, sagt Thomas Sauer und blickt auf die abgebrannten Trümmerteile, die sich ringsherum in der Werkstatthalle und im ehemaligen Reifenlager großflächig verteilen. „Alles, was wir uns in den letzten Jahren mühselig aufgebaut haben, ist innerhalb kürzester Zeit von den Flammen vernichtet worden“, so der 58-Jährige.

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Der Schaden nach dem Feuer in Lippramsdorf

Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht.
20.07.2020
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Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht.
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht.
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht.
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht.
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte
Das Feuer bei einem KFZ-Betrieb in Lippramsdorf hat einen enormen Schaden verursacht. © Winkelkotte

Am Samstag, den 11. Juli, war früh morgens, zunächst unbemerkt, ein Feuer bei dem Lippramsdorfer Kfz-Betrieb ausgebrochen. Laut Polizei spricht alles dafür, dass ein technischer Defekt den Großbrand ausgelöst hat. Den Sachschaden haben die Experten auf mehr als 500.000 Euro geschätzt.

Thomas Sauer und seinem Sohn Marcel dürfte dieser Tag wohl noch lange in Erinnerung bleiben. „Eigentlich wollten wir am Abend etwas grillen und meinen Geburtstag nachfeiern, aber dazu kam es leider nicht mehr“, erzählt der Kfz-Meister. Stattdessen erreichte ihn der Anruf, der das Leben der beiden von der einen auf die anderen Sekunde auf den Kopf stellen sollte.

Mit den Löscharbeiten beschäftigt

„Ich war gerade im Supermarkt an der Kasse, als mein Handy klingelte“, erinnert sich Thomas Sauer. „Papa, du musst sofort zum Betrieb kommen. Es brennt“, habe sein Sohn am anderen Ende der Leitung zu ihm gesagt. Als Thomas Sauer wenig später auf dem Firmengelände an der Jahnstraße eintrifft, sind zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr bereits mit den Löscharbeiten beschäftigt und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. „Ich bin erst mal wie wild hin und her gelaufen, aber wir konnten ja nichts machen. Stattdessen steht man hilflos daneben und sieht, wie alles zerstört wird. Das ist wie in einem schlechten Film.“

Ein Blick in die Räumlichkeiten der Werkstatt zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Ein beißender Geruch zieht in die Nase. Neben einer verkohlten Hebebühne steht ein VW Amarok, der noch kurz vor dem Brand einen komplett neuen Motor erhalten hatte. Nun ist er kaum noch wiederzuerkennen. In einem anderen Raum steht ein alter Chevrolet Van, wie man ihn aus der TV-Serie „Das A-Team“ kennt. „Den hatten wir in stundenlanger Arbeit gerade erst frisch restauriert. Nun ist er Schrott“, sagt Thomas Sauer, während sein Sohn Marcel sich gerade um zwei besorgte Kunden kümmert, die zuletzt Reifen in dem Betrieb gelagert hatten.

Mit drei Werkzeugkisten bei Null angefangen

Im November 2011 hatte es die beiden gebürtigen Dortmunder beruflich von Selm nach Lippramsdorf verschlagen. Sie pachteten das Betriebsgelände an der Jahnstraße, um sich hier mit einer eigenen Kfz-Werkstatt ihren Lebenstraum erfüllen zu können. „Am Anfang hatten wir fast nichts“, sagt Marcel Sauer. „Wir sind quasi mit drei Werkzeugkisten bei Null angefangen, mussten uns nach und nach alles hart erarbeiten.“

Täglich morgens um 6 Uhr haben Papa Thomas und Sohn Marcel die Pforten der Hallen geöffnet, um Reparaturen und andere Kundenaufträge abzuarbeiten - oftmals gingen die Schichten bis in den Abend hinein. „Wir sind hier damals vom ersten Moment an ganz toll aufgenommen worden und haben uns mit viel Fleiß eine große Stammkundschaft im Ort aufgebaut“, sagt Marcel Sauer. „Qualität zu fairen Preisen“ lautete das Firmenmotto. „Zuverlässigkeit und guter Service am Kunden, das war immer unser Anspruch.“ Auch Kunden aus anderen Teilen Deutschlands habe er mit seinem Vater betreut. Geschätzt waren zudem ihre vielfältigen Kenntnisse im Oldtimer-Bereich - eine große Leidenschaft der beiden. Zuletzt war das Autohaus auch als zertifizierter Betrieb für TÜV-Prüfungen anerkannt.

Vorerst ist ein Reparatur- und Kundenservice an dem Standort in Lippramsdorf aber nun nicht mehr möglich. „Obwohl die Feuerwehrleute einen großartigen Job gemacht haben, ist durch die Hitze ein enormer Schaden entstanden“, so Marcel Sauer. Möglicherweise müssten Teile des Gebäudes sogar abgerissen werden. Daher könne es auch weit über ein Jahr lang dauern, bis ein gewohnter Betrieb wieder möglich ist. „So hat es uns jedenfalls ein Vertreter der Versicherung gesagt. Wir möchten am liebsten hier in der Nähe bleiben und würden auch in eine andere Halle ausweichen. Aber solche Objekte sind leider rar gesät.“ Wie es weitergeht, ist daher fraglich. Wie so vieles in diesen Tagen.

Große Hilfsbereitschaft

Überwältigt zeigen sich Thomas und Marcel Sauer von der großen Hilfsbereitschaft und Anteilnahme im Dorf. „Als der Einsatz hier lief, hat der Dorfbäcker mal eben belegte Brötchen vorbei gebracht. Kürzlich haben uns Nachbarn und Kunden dabei geholfen, die Halle zu verriegeln, um sie vor Plünderungen zu schützen.“

Die Bilder vom Brand gehen Thomas und Marcel Sauer immer noch regelmäßig durch den Kopf. „So etwas kann man nicht einfach ausblenden. Ich ziehe meinen Hut vor allem vor den Feuerwehrleuten, die hier im Einsatz waren. Sie saßen hier nachmittags nassgeschwitzt im Unterhemd und waren mit ihren Kräften am Ende. Ihnen und allen anderen, die uns geholfen haben und uns immer noch unterstützen, kann man einfach nur den allergrößten Respekt zollen. Dafür sind wir einfach nur dankbar.“

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