Nach dem Krieg entwurzelt, fand Herbert Ring in Lavesum eine neue Heimat

Ehemaliger Dorflehrer wird 95

Herbert Ring, der 1955 als Junglehrer nach Lavesum kam, vollendet sein 95. Lebensjahr. Lavesum wurde zu seinem Lebensmittelpunkt. Ein Kriegskamerad hatte ihn Richtung Westen mitgenommen.

Haltern

, 17.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach dem Krieg entwurzelt, fand Herbert Ring in Lavesum eine neue Heimat

Herbert Ring, von 1955 bis 1986 Lehrer an der Lavesumer Schule, feiert am 17. August die Vollendung des 95. Lebensjahres. Die tägliche Lektüre der Halterner Zeitung ist für ihn unverzichtbar. © Elisabeth Schrief

Aus gesundheitlichen Gründen wohnt Herbert Ring aktuell im Kastanienhof. Wenn er aus dem Fenster seines Appartements Nummer 6 schaut, blickt auf er auf seine alte Wirkungsstätte, in denen er drei Generationen Rüstzeug fürs Leben mitgegeben hat. In der damaligen dreiklassigen Volksschule unterrichtete er in der Unterstufe (Klassen 1 bis 2), der Mittelstufe (Klassen 3 bis 5) und der Oberstufe (6 bis 8).

Ein bedeutungsvolles Lächeln

Seine Schwerpunktfächer waren bis zum Eintritt in den Ruhestand 1986 (da war aus der Volksschule längst eine Grundschule geworden) Deutsch, Religion, Musik und Naturkunde. Streng sei es damals im Unterricht zugegangen. Beiläufig fällt Herbert Ring eine nette Episode ein. Eine Schülerin lächelte ihn immer an, selbst wenn er schwergängigen Stoff vermittelte. Warum sie stets lächle, wollte der verunsicherte Herbert Ring wissen. „Weil Sie immer so ernst schauen.“ Herbert Ring fühlte sich ertappt - und bekehrt: „Selbst als Lehrer lernt man nie aus.“

Heute nach 95 Jahren blickt er zufrieden und dankbar auf sein Leben zurück. Geboren wurde Herbert Ring in Sobrusan, im Sudetenland (heute Tschechien) als Sohn eines Lehrers. Mit 18 Jahren wurde er als Soldat eingezogen, nach Kriegsende konnte er nicht in seine Heimat zurück, die Sudetendeutschen waren vertrieben worden. Ein Kriegskamerad nahm Herbert Ring mit nach Magdeburg, wo er zunächst im Wohnungsamt als Dolmetscher für Russisch arbeitete und dann eine Lehrerausbildung absolvierte.

Ab 1955 in Lavesum

„Aber ich wollte unbedingt in den Westen“, erzählt Herbert Ring. 1949 nahm ihn der damalige Bischof von Paderborn, der auch für Magdeburg zuständig war und dort gerade Jugendliche gefirmt hatte, mit in den Westen. Oberhausen, wo seine Eltern lebten, war sein erstes Ziel. 1952 heiratete Herbert Ring, er fand eine Stelle an der Deutener Schule und schließlich 1955 in Lavesum. Mit seiner Frau und den drei Kindern bewohnte er bis zur Pensionierung die Vier-Zimmer-Dienstwohnung direkt an der Schule. Herbert Ring schlug Wurzeln.

Die reichen sehr schnell sehr tief. Herbert Ring engagierte sich in der Pfarrei, im Kirchenchor, betrieb in Lavesum Geschichtsforschung, betreute die alte Lavesumer Dorfkapelle, veröffentlichte schulmusikalische Publikationen für Musik- und Grundschule, kümmerte sich um den Naturschutz, schrieb über 20 Jahre für das Halterner Jahrbuch und las es Korrektur - um nur einige Beispiele für ein bewegtes Leben zu nennen. Bis vor wenigen Monaten verfasste er wöchentlich Kulturbeiträge für die sudetendeutsche Zeitung in München.

Freude und Geduld

„Bis vor Kurzem habe ich mich sehr gefreut, so alt werden zu dürfen“, sagt Herbert Ring bei unserem Gespräch im Kastanienhof. Zu seinem Bedauern haben sich gewisse Beschwerden eingestellt, die ihn zumindest vorübergehend zum Auszug aus seinem Eigenheim zwangen. „Im Alter muss man viel Geduld haben“, sagt er ganz realistisch.

Seinen Geburtstag feiert er am heutigen Samstag (17. August) in seinem Haus an der Schützenstraße. Dazu hält sein „Patenkind“ Pfarrer Heio Weishaupt sogar einen kleinen Gottesdienst im Garten.

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