Nach Schlägereien in Haltern am See: Sorgt die Hitze für mehr Gewalt?

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In Haltern hat es zuletzt an heißen Tagen mehrere Gewaltdelikte gegeben. Dabei kamen sogar Schlagstöcke zum Einsatz, im Freibad gab es eine Massenschlägerei. Liegt das vielleicht am Wetter?

Haltern

, 04.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine heftige Schlägerei mit Schlagstöcken gab es nahe des Silbersees aufgrund eines Staus am Sonntag. Und am Dienstag zuvor (25. Juni) lieferten sich bis zu 20 Personen eine Massenschlägerei im Freibad Aquarell. In beiden Fällen war es über 30 Grad heiß.

Haben beide Gewaltdelikte möglicherweise etwas mit der Temperatur zu tun? Laut einem Sprichwort heißt es schließlich: „Da ist die Hitze wohl einigen Leuten zu Kopf gestiegen“. Doch was ist dran an der Redewendung? Dazu gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Ergebnisse.

Die Gewaltbereitschaft steigt durch die Hitze

Dass die Hitze die Menschen aggressiver mache, bestätigt Mediziner Hanns-Christian Gunga, Professor am Institut für Physiologie der Berliner Charité. Gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg erklärt er, dass die Gewaltbereitschaft durch das Hormon Vasopression steige.

Es sorge dafür, dass der Körper Flüssigkeit speichern kann. Sobald der Flüssigkeitshaushalt etwa bei starker Hitze sinke, werde dieses Hormon vermehrt ausgeschüttet. Das führe gleichzeitig zu einer deutlichen Aggressivitätssteigerung.

Es muss aber nicht so kommen. Unter dem Strich sei die Datenlage uneindeutig, sagt der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick gegenüber Focus-Online. Dass Hitze einen Effekt habe, sei unumstritten.

Für sich genommen sei dieser Effekt jedoch gering, man müsse immer in Wechselwirkungen denken, betont der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld. Er nennt Hitze aber durchaus einen „Verstärker“ in bestimmten Stimmungslagen.

Gibt es in Haltern mehr Gewalt bei Hitze?

Ob es in Haltern insgesamt mehr Gewalttaten bei höheren Temperaturen gibt, kann die Pressestelle der Polizei in Recklinghausen nicht beantworten, weil Straftaten unabhängig von der Temperatur erfasst werden, so Polizeisprecherin Ramona Hörst.

Ihrem Bauchgefühl zufolge werden jedoch mehr Straftaten begangen, wenn es heißer ist. Außerdem würden ihre Kollegen schon merken, dass die Menschen aggressiver sind, wenn die Temperaturen steigen.

Das könne jedoch auch damit zusammenhängen, dass Menschen im Sommer auch häufiger draußen sind und Alkohol trinken. In Bezug zur Gewalt im Freibad stellt der Polizeisprecher Andreas Lesch nüchtern fest: „Solche Straftaten können nun einmal nur passieren, wenn es wärmer wird.“

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